300 Tote bei Protesten

Unruhen in Bangladesch haben Folgen für die deutsche Modebranche

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Bangladesch ist einer der wichtigsten Lieferanten für deutsche Kleidung. Die aktuellen Unruhen im Land könnten auch für Deutschlands Modeindustrie Folgen haben.

Frankfurt – In Bangladesch kommt es vermehrt zu gewaltsamen Zusammenstößen bei Protesten. Laut einer Auswertung der Nachrichtenagentur AFP starben mindestens 300 Menschen bei den Demonstrationen. Die Zahl soll auf Grundlage von Berichten der Polizei und Ärzten hervorgehen.

Die Bürger protestieren gegen die Premierministerin Sheikh Hasina und fordern ihren Rücktritt. Der Grund: Durch eine neue Regelung im Land sollen bis zu 30 Prozent der Stellen im öffentlichen Dienst an Verwandte von Veteranen gehen, die im Unabhängigkeitskrieg Bangladeschs gegen Pakistan kämpften. .

Produktionsstätten in Bangladesch wegen Unruhen geschlossen

Ausschreitungen im Land bedeutet auch, dass der Import momentan nicht wie gewohnt weitergeht. Die Produktionsstätten bleiben derzeit geschlossen. Wenn die Proteste ausarten, könnte das ein Problem darstellen. Denn: Laut dem Statistischen Bundesamt liegt Bangladesch mit knapp 7,8 Milliarden Euro auf Platz 33 der wichtigsten deutschen Importländer. Für Bekleidungsimporte auf Platz 2.

Der Verband der Bekleidungshersteller und -Exporteure von Bangladesch (BGMEA) und der Verband der Textilfabriken von Bangladesch (BTMA) habe zu Wochenbeginn angekündigt, dass die Produktionsstätten und Fabriken der Mitgliedsunternehmen geschlossen blieben, heißt es in der WELT.

Textilbranche in Bangladesch: Monatslohn liegt bei 104 Euro

Berichten der taz zufolge betrug der Mindestlohn für Textilbeschäftigte eine lange Zeit 8.000 Taka, was etwa 66 Euro pro Monat entspricht. Die staatliche Mindestlohn-Kommission in Bangladesch hatte aber nach den Protesten von Beschäftigten der Textilbranche im November 2023 verkündet, die Untergrenze von 8.000 Taka (66 Euro) monatlich auf 12.500 Taka (104 Euro) zu erhöhen.

Beschäftigte in der Textilindustrie in Dhaka, Bangladesch.

Bangladesch ist eines der wichtigsten Importländer für Kik, C&A und Co.

Deutsche Modefirmen lassen ihre Ware schon lange in Bangladesch herstellen. China, Bangladesch und die Türkei schmücken die ersten Plätze beim Ranking der Herkunftsländer unserer Kleidung. Im letzten Jahr stand Bangladesch kurz davor, China als wichtigsten Lieferanten für deutsche Bekleidungsimporte abzulösen, berichtet die Tagesschau.

Wenn so ein wichtiges Importland streikt, kann das verheerende Folgen für die Warensicherung haben. „Angesichts der dynamischen Entwicklungen ist momentan noch nicht absehbar, welche weiteren Auswirkungen es auf die Textilproduktion und unsere Lieferketten geben könnte“, sagte eine Sprecherin der Textilkette Kik.

Hugo Boss: „Sicherheit habe höchste Priorität“

Modekonzern Hugo Boss sorgt sich ebenfalls um die Lage in Bangladesch. „Die Sicherheit unserer Partner und ihrer Mitarbeitenden vor Ort hat für uns zu jeder Zeit höchste Priorität“, teilte das Unternehmen mit.

Dem Bericht von WELT zufolge hat auch der Hemdenhersteller Seidensticker den Produktionsstopp zur Kenntnis genommen, plant jedoch vorerst abzuwarten. „Wir planen deshalb derzeit nicht, Aufträge in andere Länder zu verlegen, sind aber notfalls in der Lage, Aufträge in unsere eigenen Werke in Vietnam oder Indonesien zu verlagern oder auf Partnerbetriebe in anderen Ländern auszuweichen“, sagt Co-Chef Gerd Oliver Seidensticker.

Unruhen in Bangladesch haben keine Auswirkung auf die deutsche Modeindustrie

Bisher hat der Produktionsstopp der deutschen Modeindustrie noch nicht geschadet, heißt es in dem Bericht. Denn Streiks und Unterbrechungen in den Niedriglohnländern seien westliche Länder bereits gewöhnt. Die Gewerkschaften vor Ort haben schon Streiks organisiert, um auf die prekäre Lage der Mitarbeiter mit nicht existenzsichernden Löhnen hinzuweisen.

Rubriklistenbild: © Kazi Salahuddin Razu/Imago

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