Bis zur Hälfte des Neuwagenpreises

Untersuchung zeigt: Darum ist der Preisverfall bei Elektroautos so massiv

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Der Gebrauchtwagenmarkt für E-Autos kommt nicht in Gang. Die Bedenken potenzieller Käufer sind zu groß. Daran wird sich wohl auch nichts ändern. Das hat Folgen für die Preise.

Stuttgart – Laut einer Studie des auf die Automobilbranche spezialisierten Beratungsunternehmens Berylls wechselten 2024 in Deutschland 6,5 Millionen gebrauchte Autos den Besitzer. Das ist mehr als das Zweieinhalbfache der Neuzulassungen. Allerdings spielen gebrauchte Elektroautos mit einem Anteil von rund drei Prozent nur eine Nebenrolle.

Gebrauchte BMW i3 Elektroautos stehen auf Halde. (Archivfoto, März 2024)

Darum kaufen Deutsche keine gebrauchten Elektroautos: Nur ein Fünftel würde sich dafür entscheiden

An dieser Nebenrolle wird sich offenbar so schnell nichts ändern. Laut einer Studie der Dekra kommt für 64 Prozent der Befragten ein gebrauchtes Elektroauto „eher nicht“ oder „überhaupt nicht“ in Frage. In der Vorgängerstudie aus dem Jahr 2023 waren es 59 Prozent.

„Auf jeden Fall“ oder „sehr wahrscheinlich“ würden sich nur 19 Prozent der Befragten für ein gebrauchtes E-Auto entscheiden, zuvor lag der Wert bei 24 Prozent. Der Anteil derjenigen, die ein gebrauchtes Elektroauto „eher wahrscheinlich“ kaufen würden, ist mit 17 Prozent gleich geblieben.

Darum kaufen Deutsche keine gebrauchten Elektroautos: Hauptgrund sind Zweifel an der Batterie

Die Gründe für die Bedenken sind die gleichen. 43 Prozent der Befragten, für die ein gebrauchtes E-Auto nicht infrage kommt, nennen die Zweifel an der Leistungsfähigkeit der gebrauchten Batterie als Grund für ihre Zurückhaltung. 41 Prozent sorgen sich um die Reichweite. Fehlende Park- und Lademöglichkeiten nennen 27 Prozent, die Restwertentwicklung des Fahrzeugs 24 Prozent. Ein Viertel der Ablehnenden hat generell kein Interesse an Elektrofahrzeugen.

„Angesichts der anziehenden Neuzulassungen von Elektrofahrzeugen wird ein funktionierender Gebrauchtwagenmarkt in Zukunft immer wichtiger“, sagt Jann Fehlauer, Geschäftsführer der Dekra Automobil GmbH. Laut Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes ist der Anteil batterieelektrisch betriebener Pkw bei den Neuzulassungen in den letzten Monaten auf 19 Prozent gestiegen.

Darum kaufen Deutsche keine gebrauchten Elektroautos: Skepsis lässt sich nur schwer entkräften

„Wenn der Gebrauchtwagenhandel mit E-Autos Erfolg haben will – und das wird er früher oder später müssen –, muss er diesen Vorbehalten wirksam begegnen“, so Fehlauer. Die Kunden müssen davon überzeugt werden, dass sie sich auf die Qualität der gebrauchten Fahrzeuge verlassen können – vor allem mit Blick auf den Zustand der Batterie.

Dies wird allerdings ein schwieriges Unterfangen. Denn nur zwölf Prozent der Befragten der Dekra-Studie halten einen unabhängigen Test des Batteriezustands für hilfreich. Acht Prozent der Skeptiker könnten ihre Meinung ändern, wenn es mehr Lademöglichkeiten gäbe. Bei sieben Prozent wäre es das Thema Garantie, bei jeweils sechs Prozent ein günstiger Preis und die Beratung durch den Händler.

Darum kaufen Deutsche keine gebrauchten Elektroautos: Ein Drittel befürchtet hohes Brandrisiko

Die Online-Umfrage „Vorurteile gegen gebrauchte Elektrofahrzeuge“ der BMW Bank kommt zu den gleichen Ergebnissen wie die Dekra-Studie. Demnach können sich 45 Prozent der Befragten grundsätzlich vorstellen, ein gebrauchtes Elektroauto zu kaufen.

So lange ist das her? Diese 15 Autos feiern 2025 ein rundes Jubiläum

Die vierte Generation des BMW 5er
30 Jahre BMW 5er (E39): Mit einer Neuauflage des BMW 5ers (vierte Generation) konterte der Münchner Autobauer ab 1995 die gleichzeitig erneuerte Mercedes E-Klasse (W210). Die Touring-Version folgte im März 1997, das Sportmodell M5 im Herbst 1998. © BMW
Ein Toyota RAV4
30 Jahre Toyota RAV4: Mit dem Japaner feiert ein früher Vertreter des Kompakt-SUV Jubiläum. Zunächst wurde der RAV4 nur als Dreitürer angeboten – die fünftürige Version mit deutlich besserem Platzangebot wurde jedoch bald nachgeschoben. © Heritage Images/Imago
Ein Toyota MR2
40 Jahre Toyota MR2: Noch ein Japaner feiert Geburtstag. Der keilförmige Mittelmotorsportwagen mit Klappscheinwerfern wurde in Frankreich nur als MR bezeichnet. Weil sich „MR2“ dort ausgesprochen nach einem Fäkalwort anhört. © Toyota
Ein VW Polo der ersten Generation
50 Jahre Volkswagen Polo: Noch vor Ford Fiesta und Opel Corsa brachte der erste Polo den modernen deutschen Kleinwagen in Fahrt – dies allerdings als Parallelmodell zum Audi 50. © VW
Fahraufnahme eines Porsche 924
50 Jahre Porsche 924: Nachfolger des VW-Porsche 914 und Auftakt zu einer Serie erfolgreicher Sportwagen in Transaxle-Bauweise. Wegen seiner vom Volkswagen-Konzern stammenden Teile wurde er oftmals nicht als vollwertiger Porsche angesehen. Spötter bezeichneten das Modell auch als „Hausfrauenporsche“. © Porsche
Ein AMC Pacer
50 Jahre AMC Pacer: Das Design des kompakten Dreitürers darf vorsichtig wohl als „eigenwillig“ bezeichnet werden. Wegen der großen Glasflächen bekam er auch den Spitznamen „rollendes Aquarium“. Ein filmisches Denkmal wurde dem Wagen durch seine Rolle in der Komödie „Wayne‘s World“ (1992) gesetzt. © Dreamstime/Imago
Ein Mercedes W123
50 Jahre Mercedes 200 D bis 280 E (W123): Ein Bestseller mit dem Ruf fast unzerstörbarer Robustheit. Bis zum Januar 1986 liefen fast 2,7 Millionen Fahrzeuge der Baureihe vom Band. © Mercedes
EIn Opel Manta B
50 Jahre Opel Manta B: Nach nur fünf Jahren Bauzeit des Opel Manta A kam 1975 der Opel Manta B auf den Markt. Der hatte einen längeren Radstand und große Rechteck-Scheinwerfer. Das Foto zeigt ein Exemplar aus dem Jahr 1985. Kult-Status erlangte der Opel Manta B durch den Film „Manta, Manta“ (1991) mit Til Schweiger und Tina Ruland in den Hauptrollen. © Sebastian Geisler/Imago
Ein Rallye-Opel-Ascona-B
50 Jahre Opel Ascona B: Und noch ein Opel feiert 2025 einen runden Geburtstag. Rallyechampion Walter Röhrl gewann mit der Mittelklasse-Limousine Opel Ascona B 1982 sogar die Fahrer-Weltmeisterschaft. © Opel
Ein BMW 3er der ersten Generation
50 Jahre BMW 3er (E21): Die kompakte Sportlimousine ersetzte ab 1975 die BMW 02-Typen und avancierte zur bis heute erfolgreichsten Modellreihe des Münchner Autobauers. Das Sportmodell M3 kommt aber erst 1986 mit der nächsten 3er-Generation (E30) auf den Markt. © BMW
Toyota Corolla der 3. Generation
50 Jahre Toyota Corolla (3. Generation): Im März 1975 kam die dritte Corolla-Generation in Deutschland auf den Markt. Mit dem 1,2-Liter-Motor (55 PS) kostete der Corolla damals ab 8.490 D-Mark. © Depositphotos/Imago
Ein Peugeot 403
70 Jahre Peugeot 403: Im Jahr 1955 wurde der Peugeot 403 erstmals in Paris der Öffentlichkeit vorgestellt. Es war das erste Modell der Franzosen, dass sich mehr als eine Million mal verkaufte. Bekannt wurde die Cabrio-Version des 403 vor allem durch die 1970er-Jahre-Serie Columbo, in der der Hauptdarsteller (Peter Falk) einen solchen Wagen fuhr.  © Pond5 Images/Imago
Ein Fiat 600
70 Jahre Fiat 600: Auf dem Genfer Autosalon 1955 feiert der Fiat „Seicento“ Premiere – noch im selben Jahr startete die Prodktion. Die ersten Modelle – im Gegensatz zum Fahrzeug auf dem Foto – hatten noch sogenannte Selbstmördertüren, die hinten angeschlagen waren. © Depositphotos/Imago
Eine BMW Isetta
70 Jahre BMW Isetta: Im Jahr 1955 startete das Rollermobil BMW Isetta. Das ungewöhnliche Konzept mit der Fronttür ist heute Kult – und findet mit dem elektrischen Microlino sogar eine Art Neuauflage.  © Imagebroker/Imago
Ein Citroën DS
70 Jahre Citroën DS: Auf dem Pariser Salon 1955 feierte die futuristische Limousine ihre Weltpremiere – mit gigantischem Erfolg. Angeblich wurden am ersten Abend nach der Präsentation 12.000 Bestellungen aufgenommen, bis Messeende 80.000 Kaufverträge abgeschlossen. Der Spitzname des damals technisch herausragenden und außergewöhnlich designten Fahrzeugs lautete in Deutschland „die Göttin“. © DS

Hauptgrund für die Zurückhaltung ist auch hier die Sorge um die Batterie. 53 Prozent befürchten, dass die Batterie nicht mehr zuverlässig funktioniert. 47 Prozent sehen eine zu geringe Reichweite als Hindernis und 41 Prozent zu wenige Lademöglichkeiten. 34 Prozent befürchten ein hohes Brandrisiko.

Preisverfall bei gebrauchten Elektroautos: Betroffen sind alle Segmente

Eine Folge des schwierigen Gebrauchtwagenmarktes ist der gravierende Wertverlust gebrauchter E-Autos. Laut einer aktuellen Berylls-Analyse haben gebrauchte E-Autos nach drei Jahren im Durchschnitt einen um 6.400 Euro geringeren Restwert als vergleichbare Benziner. Wie das Handelsblatt unter Berufung auf Vergleichsdaten der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) und von AutoScout24 berichtet, sank der Restwert drei Jahre alter Luxus-E-Autos von knapp 70 Prozent Anfang 2023 auf nur noch 49 Prozent Ende 2024.

Studien zu Gebrauchtwagen

Dekra-Studie: Digitalisierung und Trends im Gebrauchtwagenmarkt - Marktstudie 2025

Für die Online-Studie befragte Ipsos im Auftrag von Dekra im Juli 2025 insgesamt 1000 Personen, von denen die Hälfte innerhalb der letzten zwei Jahre einen Gebrauchtwagen gekauft hat und die andere Hälfte einen Gebrauchtwagenkauf in nächster Zeit erwägt.

BMW-Bank-Studie: Vorurteile gegen gebrauchte Elektrofahrzeuge

Für die Studie wurden 1000 Bundesbürger im Juli 2025 online befragt. Die Auswahl der Befragten ist repräsentativ nach Alter, Geschlecht und Bundesland erfolgt.

Auch das Branchenblatt Elektroauto News berichtet, dass E-Autos, die neu über 100.000 oder gar 150.000 Euro kosten, nach ein bis eineinhalb Jahren nicht selten für rund die Hälfte des Neupreises zu haben sind. Von größerer Bedeutung ist der Gebrauchtmarkt für Klein- und Mittelklassemodelle. Doch auch hier zeigt sich das gleiche Bild. So ist laut Elektroauto News ein neuer Fiat 500e mit Tageszulassung und ohne echte Kilometer bereits für weniger als 20.000 Euro zu haben. Ein Opel Corsa kostet unter den gleichen Voraussetzungen weniger als 25.000 Euro. Eine ähnliche Entwicklung lässt sich demnach auch beim VW ID.3 beobachten.

Rubriklistenbild: © Frank Hoermann/SVEN SIMON/Imago

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