VonMarkus Hofstetterschließen
Der Gebrauchtwagenmarkt für E-Autos kommt nicht in Gang. Die Bedenken potenzieller Käufer sind zu groß. Daran wird sich wohl auch nichts ändern. Das hat Folgen für die Preise.
Stuttgart – Laut einer Studie des auf die Automobilbranche spezialisierten Beratungsunternehmens Berylls wechselten 2024 in Deutschland 6,5 Millionen gebrauchte Autos den Besitzer. Das ist mehr als das Zweieinhalbfache der Neuzulassungen. Allerdings spielen gebrauchte Elektroautos mit einem Anteil von rund drei Prozent nur eine Nebenrolle.
Darum kaufen Deutsche keine gebrauchten Elektroautos: Nur ein Fünftel würde sich dafür entscheiden
An dieser Nebenrolle wird sich offenbar so schnell nichts ändern. Laut einer Studie der Dekra kommt für 64 Prozent der Befragten ein gebrauchtes Elektroauto „eher nicht“ oder „überhaupt nicht“ in Frage. In der Vorgängerstudie aus dem Jahr 2023 waren es 59 Prozent.
„Auf jeden Fall“ oder „sehr wahrscheinlich“ würden sich nur 19 Prozent der Befragten für ein gebrauchtes E-Auto entscheiden, zuvor lag der Wert bei 24 Prozent. Der Anteil derjenigen, die ein gebrauchtes Elektroauto „eher wahrscheinlich“ kaufen würden, ist mit 17 Prozent gleich geblieben.
Darum kaufen Deutsche keine gebrauchten Elektroautos: Hauptgrund sind Zweifel an der Batterie
Die Gründe für die Bedenken sind die gleichen. 43 Prozent der Befragten, für die ein gebrauchtes E-Auto nicht infrage kommt, nennen die Zweifel an der Leistungsfähigkeit der gebrauchten Batterie als Grund für ihre Zurückhaltung. 41 Prozent sorgen sich um die Reichweite. Fehlende Park- und Lademöglichkeiten nennen 27 Prozent, die Restwertentwicklung des Fahrzeugs 24 Prozent. Ein Viertel der Ablehnenden hat generell kein Interesse an Elektrofahrzeugen.
„Angesichts der anziehenden Neuzulassungen von Elektrofahrzeugen wird ein funktionierender Gebrauchtwagenmarkt in Zukunft immer wichtiger“, sagt Jann Fehlauer, Geschäftsführer der Dekra Automobil GmbH. Laut Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes ist der Anteil batterieelektrisch betriebener Pkw bei den Neuzulassungen in den letzten Monaten auf 19 Prozent gestiegen.
Darum kaufen Deutsche keine gebrauchten Elektroautos: Skepsis lässt sich nur schwer entkräften
„Wenn der Gebrauchtwagenhandel mit E-Autos Erfolg haben will – und das wird er früher oder später müssen –, muss er diesen Vorbehalten wirksam begegnen“, so Fehlauer. Die Kunden müssen davon überzeugt werden, dass sie sich auf die Qualität der gebrauchten Fahrzeuge verlassen können – vor allem mit Blick auf den Zustand der Batterie.
Dies wird allerdings ein schwieriges Unterfangen. Denn nur zwölf Prozent der Befragten der Dekra-Studie halten einen unabhängigen Test des Batteriezustands für hilfreich. Acht Prozent der Skeptiker könnten ihre Meinung ändern, wenn es mehr Lademöglichkeiten gäbe. Bei sieben Prozent wäre es das Thema Garantie, bei jeweils sechs Prozent ein günstiger Preis und die Beratung durch den Händler.
Darum kaufen Deutsche keine gebrauchten Elektroautos: Ein Drittel befürchtet hohes Brandrisiko
Die Online-Umfrage „Vorurteile gegen gebrauchte Elektrofahrzeuge“ der BMW Bank kommt zu den gleichen Ergebnissen wie die Dekra-Studie. Demnach können sich 45 Prozent der Befragten grundsätzlich vorstellen, ein gebrauchtes Elektroauto zu kaufen.
So lange ist das her? Diese 15 Autos feiern 2025 ein rundes Jubiläum




Hauptgrund für die Zurückhaltung ist auch hier die Sorge um die Batterie. 53 Prozent befürchten, dass die Batterie nicht mehr zuverlässig funktioniert. 47 Prozent sehen eine zu geringe Reichweite als Hindernis und 41 Prozent zu wenige Lademöglichkeiten. 34 Prozent befürchten ein hohes Brandrisiko.
Preisverfall bei gebrauchten Elektroautos: Betroffen sind alle Segmente
Eine Folge des schwierigen Gebrauchtwagenmarktes ist der gravierende Wertverlust gebrauchter E-Autos. Laut einer aktuellen Berylls-Analyse haben gebrauchte E-Autos nach drei Jahren im Durchschnitt einen um 6.400 Euro geringeren Restwert als vergleichbare Benziner. Wie das Handelsblatt unter Berufung auf Vergleichsdaten der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) und von AutoScout24 berichtet, sank der Restwert drei Jahre alter Luxus-E-Autos von knapp 70 Prozent Anfang 2023 auf nur noch 49 Prozent Ende 2024.
Studien zu Gebrauchtwagen
Dekra-Studie: Digitalisierung und Trends im Gebrauchtwagenmarkt - Marktstudie 2025
Für die Online-Studie befragte Ipsos im Auftrag von Dekra im Juli 2025 insgesamt 1000 Personen, von denen die Hälfte innerhalb der letzten zwei Jahre einen Gebrauchtwagen gekauft hat und die andere Hälfte einen Gebrauchtwagenkauf in nächster Zeit erwägt.
BMW-Bank-Studie: Vorurteile gegen gebrauchte Elektrofahrzeuge
Für die Studie wurden 1000 Bundesbürger im Juli 2025 online befragt. Die Auswahl der Befragten ist repräsentativ nach Alter, Geschlecht und Bundesland erfolgt.
Auch das Branchenblatt Elektroauto News berichtet, dass E-Autos, die neu über 100.000 oder gar 150.000 Euro kosten, nach ein bis eineinhalb Jahren nicht selten für rund die Hälfte des Neupreises zu haben sind. Von größerer Bedeutung ist der Gebrauchtmarkt für Klein- und Mittelklassemodelle. Doch auch hier zeigt sich das gleiche Bild. So ist laut Elektroauto News ein neuer Fiat 500e mit Tageszulassung und ohne echte Kilometer bereits für weniger als 20.000 Euro zu haben. Ein Opel Corsa kostet unter den gleichen Voraussetzungen weniger als 25.000 Euro. Eine ähnliche Entwicklung lässt sich demnach auch beim VW ID.3 beobachten.
Rubriklistenbild: © Frank Hoermann/SVEN SIMON/Imago

