Antriebstechnologie

Markus Söder schwärmt von E-Mobilität – verzögert jedoch Antriebswende bei Lkw

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Die Union positioniert sich 2024 gegen das auf EU-Ebene geplante Verbrenner-Aus. Markus Söder will das offenbar nicht nur im Pkw-Bereich durchsetzen.

Vilshofen/München – Das europäische Kernvorhaben, den Kohlendioxid-Ausstoß im Verkehrssektor zu senken, wackelt: Ab 2035 sollen in der Europäischen Union keine Neuwagen mit Verbrennermotor mehr zugelassen werden. Ob das geplante Aus tatsächlich so kommt, entscheidet sich jedoch erst noch: Das Gesetz enthält eine Revisionsklausel, die eine Überprüfung im Jahr 2026 vorsieht. Auch synthetische Kraftstoffe (E-Fuels) könnten hierbei nach Initiative von Verkehrsminister Volker Wissing noch eine Rolle spielen.

Anders als im Pkw-Sektor ist bei schweren Nutzfahrzeugen kein vollständiges Verbrenner-Aus geplant: Neue Lkw und Busse sollen bis 2040 allerdings mindestens 90 Prozent weniger CO₂ ausstoßen, als im Jahr 2019. Erst im Mai 2024 nahm diese EU-Verordnung mit der Zustimmung des Europäischen Rats die letzte Hürde, während ab 2035 in der EU neue Stadtbusse völlig emissionsfrei sein müssen.

Verbrenner-Aus bei Lkw und Co.: Söder schwärmt von Elektroantrieben

Zweifellos sind diese Ziele mit einem sehr hohen Anteil emissionsfreier Neufahrzeuge verbunden, was für die kommenden Jahre vor allem eines bedeutet: Im Bereich Nutzfahrzeuge und Busse dreht sich fast alles um Elektromobilität.

Doch genau das ist Markus Söder ein Dorn im Auge: Die wichtige Rolle von Fahrzeugen mit Elektroantrieb – egal ob mit Batterie oder Brennstoffzelle – streitet Bayerns Ministerpräsident Söder zwar nicht ab. Bei einem Branchentreffen in Vilsbiburg sprach der CSU-Chef jedoch über Antriebstechnologien - und hielt zunächst ein Plädoyer auf E-Motoren: „Wasserstoff ist sexy und ein entscheidender Player für die Zukunft“, erklärte Söder auf der „PIN21“ genannten Veranstaltung, auf dem Gelände von Lkw-Spezialist Paul Nutzfahrzeuge GmbH.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (hier bei einer Jubiläumsveranstaltung) äußert sich vielsagend zum Verbrenner-Aus bei den Lkw.

„Beides ist sexy und beides hat seine Berechtigung“, wird Söder vom Elektro-Fachportal Electrive.net zitiert - und meinte damit sowohl Wasserstoffantriebe als auch batteriebetriebene E-Mobilität. Der Freistaat Bayern plant den Aufbau von 23 Wasserstoff-Tankstellen im Bundesland zu fördern, mitsamt der Installation entsprechender Systeme, für die Wasserstoffproduktion.

Söder findet E-Antriebe „sexy“ - Verbrenner-Verbot jedoch „das falsche Signal“

Wer bei dem Branchentreffen mit Industrievertretern der Nutzfahrzeugbranche noch dabei war: Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler), ein bekennender Unterstützer von Brennstoffzellentechnologie. Das Brisante: Konkrete Fragen an Ministerpräsident Söder zur Lkw- und Busverordnung der EU offenbaren, dass Söder die Antriebswende im Lkw-Sektor trotz seiner Bekundungen abschwächen will, im Sinne der Technologie-Offenheit.

Der bayerische Staatschef stellte nämlich klar, dass die Union weiter gegen das Verbrenner-Aus im Pkw-Bereich kämpfe, sich aber auch mit der EU-Verordnung zum Ende für Verbrenner bei Lastwagen nicht zufriedengeben will: „Ich denke – und das habe ich auch von der Kommissions-Präsidentin offen so gehört – wir werden dieses Verbot aufheben“, so Söder laut dem Bericht. Auf explizite Nachfrage meine der 57-Jährige auch den Lkw-Sektor: „Ein absolutes Verbrenner-Verbot ist auf Dauer das falsche Signal für alle Technologien – so wie alle, die nur auf Elektromobilität setzen.“

Warum Wasserstoff-Autos den besseren Antrieb bieten

Umweltfreundlichkeit: Wasserstoff-Autos sind umweltfreundlicher als Autos mit Verbrennungsmotoren, da sie nur Wasserdampf als Abgas produzieren. Wasserstoff kann auch aus erneuerbaren Energiequellen wie Sonne und Wind erzeugt werden, was zu einer vollständigen Dekarbonisierung des Verkehrssektors beitragen kann.
Umweltfreundlichkeit: Wasserstoff-Autos sind umweltfreundlicher als Autos mit Verbrennungsmotoren, da sie nur Wasserdampf als Abgas produzieren. Wasserstoff kann auch aus erneuerbaren Energiequellen wie Sonne und Wind erzeugt werden, was zu einer vollständigen Dekarbonisierung des Verkehrssektors beitragen kann. © IMAGO/Tyler Olson.
Schnelles Betanken: Das Betanken eines Wasserstoff-Autos dauert nur wenige Minuten, im Gegensatz zu Elektroautos, bei denen das Aufladen Stunden dauern kann.
Schnelles Betanken: Das Betanken eines Wasserstoff-Autos dauert nur wenige Minuten, im Gegensatz zu Elektroautos, bei denen das Aufladen Stunden dauern kann. © IMAGO/Hans Martin Issler
Reichweite: Wasserstoff-Autos haben eine größere Reichweite als Elektroautos und können mehrere hundert Kilometer mit einer Tankfüllung zurücklegen.
Reichweite: Wasserstoff-Autos haben eine größere Reichweite als Elektroautos und können mehrere hundert Kilometer mit einer Tankfüllung zurücklegen. © IMAGO/Jochen Tack
Leistung: Wasserstoff-Autos bieten eine vergleichbare Leistung wie herkömmliche Autos mit Verbrennungsmotor und sind in der Lage, hohe Geschwindigkeiten zu erreichen.
Leistung: Wasserstoff-Autos bieten eine vergleichbare Leistung wie herkömmliche Autos mit Verbrennungsmotor und sind in der Lage, hohe Geschwindigkeiten zu erreichen. © IMAGO
Keine CO2-Emissionen: Im Gegensatz zu herkömmlichen Autos mit Verbrennungsmotoren stoßen Wasserstoff-Autos keine Kohlendioxid-Emissionen aus.
Keine CO₂-Emissionen: Im Gegensatz zu herkömmlichen Autos mit Verbrennungsmotoren stoßen Wasserstoff-Autos keine Kohlendioxid-Emissionen aus. © IMAGO/Kabir Jhangiani
Keine Geräuschemissionen: Wasserstoff-Autos sind leiser als Autos mit Verbrennungsmotoren und tragen somit zur Reduzierung des Lärms in der Umgebung bei.
Keine Geräuschemissionen: Wasserstoff-Autos sind leiser als Autos mit Verbrennungsmotoren und tragen somit zur Reduzierung des Lärms in der Umgebung bei. © IMAGO/Michael Gstettenbauer
Weniger Wartung: Wasserstoff-Autos haben weniger Verschleißteile als Autos mit Verbrennungsmotoren und erfordern somit weniger Wartung.
Weniger Wartung: Wasserstoff-Autos haben weniger Verschleißteile als Autos mit Verbrennungsmotoren und erfordern somit weniger Wartung. © IMAGO
Verfügbarkeit: Wasserstoff ist das häufigste Element im Universum und kann aus verschiedenen Quellen wie Erdgas, Biomasse und Wasser erzeugt werden.
Verfügbarkeit: Wasserstoff ist das häufigste Element im Universum und kann aus verschiedenen Quellen wie Erdgas, Biomasse und Wasser erzeugt werden. © IMAGO/Ulrich Stamm
Sicherheit: Wasserstoff ist sicherer als Benzin und Diesel, da es leichter als Luft ist und bei einer Leckage schnell verfliegt.
Sicherheit: Wasserstoff ist sicherer als Benzin und Diesel, da es leichter als Luft ist und bei einer Leckage schnell verfliegt. © IMAGO/Christoph Hardt
Technologischer Fortschritt: Die Entwicklung von Wasserstoff-Autos trägt zur weiteren Verbesserung der Technologie bei und fördert die Innovation in der Automobilbranche.
Technologischer Fortschritt: Die Entwicklung von Wasserstoff-Autos trägt zur weiteren Verbesserung der Technologie bei und fördert die Innovation in der Automobilbranche. © IMAGO/Wladimir Bulgar

Söder und Aiwanger machen sich für Wasserstoff stark - „Fehler rasch korrigieren“

Electrive erklärt in diesem Zusammenhang, dass Söders Auftritt nicht nur im Kontext der versammelten Fachkompetenz zu sehen ist, sondern auch im Hinblick der Europawahl am vergangenen Sonntag. So wurde auf Spitzen gegen die Berliner Ampel-Regierung nicht verzichtet, welche die Förderung für Wasserstoff-Programme mittlerweile gestutzt hat. Aiwanger fordert nun neue finanzielle Mittel für die Antriebstechnologie: „Bayern setzt auf Wasserstoff (...) Dieser Fehler muss rasch korrigiert werden“, so der 53-Jährige.

Alternative Antriebsmethoden stellen auch eine Herausforderung hinsichtlich der Infrastruktur dar: Das Netzwerk Euractiv weist darauf hin, dass die EU die Mitgliedstaaten verpflichten möchte, bis zum Jahr 2030 alle 60 Kilometer Ladestationen für Lkw und alle 200 Kilometer Wasserstofftankstellen auf den wichtigsten Routen der EU-Staaten zu errichten. „Die Lkw-Branche hat in Europa den zweitgrößten Anteil an den CO2-Emissionen des Verkehrs, sie steht vor einem tiefgreifenden Wandel“, wird Felipe Rodríguez, Direktor für schwere Nutzfahrzeuge beim International Council of Clean Transportation (ICCT), zitiert. (PF)

Rubriklistenbild: © Frank Hoermann/SVEN SIMON/Imago

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