Finanzen der Vereinten Nationen

Chronisch pleite: Wie der UN-Finanzhaushalt geopolitische Krisen katalysiert

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Die UN steckt in einer dauerhaften Finanzkrise. Zahlungsrückstände in Milliardenhöhe lähmen die Organisation. Unterfinanzierte Friedensmissionen gefährden globale Stabilität.

New York City – Während die Welt von Krisen erschüttert wird – vom Ukraine-Krieg über den Gaza-Konflikt bis hin zu humanitären Katastrophen in Afrika – steht ausgerechnet die wichtigste internationale Organisation vor massiven finanziellen Herausforderungen: die Vereinten Nationen. Gegründet als Garant für Weltfrieden und internationale Zusammenarbeit, kann sie ihre elementarsten Aufgaben nicht mehr vollständig erfüllen. Der Grund ist simpel wie verheerend: Die mächtigsten Mitgliedsstaaten verweigern systematisch ihre Beitragszahlungen und nutzen die chronische Unterfinanzierung als geopolitisches Druckmittel.

Denn das UN-System funktioniert über ein komplexes Finanzierungsmodell aus drei Säulen: den ordentlichen Haushalt für laufende Kosten, die Friedensmissionen und freiwillige Beiträge. Herzstück sind die sogenannten Assessed Contributions – Pflichtbeiträge, die jeder Mitgliedstaat nach einem festgelegten Beitragsschlüssel zahlen muss. Diese werden alle drei Jahre neu berechnet und basieren auf der Wirtschaftskraft der Länder.

Anders als freiwillige Spenden können sich Staaten diesen Zahlungen theoretisch nicht entziehen – sie sind zur Finanzierung aller UN-Mandate verpflichtet, vom Sekretariat in New York bis zu Peacekeeping-Missionen in Krisengebieten. Doch genau hier liegt das Problem: Ohne effektive Durchsetzungsmechanismen bleiben diese „Pflicht“-Beiträge oft nur Theorie.

UN-Budget kleiner als deutsches Außenministerium – Gefährliche Abhängigkeit von Großmächten

Laut aktuellen UN-Dokumenten vom Oktober 2025 belaufen sich die unbezahlten Pflichtbeiträge zum regulären Haushalt auf 1,87 Milliarden US-Dollar – der höchste Stand der vergangenen fünf Jahre. Diese chronische Unterfinanzierung verstärkt geopolitische Spannungen und schwächt die internationale Friedenssicherung genau dann, wenn sie am dringendsten benötigt wird.

„Die UN kann im Moment nicht für ihre laufenden Verpflichtungen bezahlen und das ist die akute Krise, die gelöst werden muss“, warnt Professor Ekkehard Strauß von der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin. In der Phoenix-Sendung Forum Demokratie erläuterte der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN) die strukturellen Probleme, die die Weltorganisation in eine akute Liquiditätskrise stürzen.

Um die Dimensionen zu verdeutlichen, stellt Strauß das UN-Gesamtbudget von 3,7 Milliarden US-Dollar dem prognostizierten Budget des deutschen Auswärtigen Amtes für 2025 von 5,9 Milliarden Euro (etwa 6,9 Milliarden US-Dollar) gegenüber. „Nur um mal diese Relationen deutlich zu machen“, betont der Rechtswissenschaftler die bescheidenen finanziellen Mittel der Weltorganisation.

USA und China als Hauptschuldner: Geopolitische Machtspiele auf Kosten der Weltgemeinschaft

Das reguläre Budget wird wie gesagt durch festgelegte Beitragssätze finanziert: Die USA zahlen in der Regel dabei 22 Prozent, China 20 Prozent, gefolgt von Japan mit sieben und Deutschland mit weniger als sechs Prozent. „Es sind eigentlich zehn Staaten, die fast 80 Prozent des gesamten Budgets der UN bezahlen“, erklärt Strauß.

Diese Abhängigkeit wird zur Achillesferse der Organisation. Die USA schulden der UN 1,495 Milliarden US-Dollar für den regulären Haushalt – eine Steigerung von 995 Millionen US-Dollar gegenüber dem Vorjahr. China folgt mit 192 Millionen US-Dollar Rückständen, während Russland lediglich 72 Millionen US-Dollar schuldet. Nur 61 Staaten haben laut Strauß 2025 ihre Pflichtbeiträge vollständig bezahlt.

Die Auswirkungen dieser Finanzlücken zeigen sich vor allem bei den UN-Friedensmissionen. Hier stehen 3,73 Milliarden US-Dollar an unbezahlten Beiträgen aus – mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Die USA allein schulden 2,356 Milliarden US-Dollar für Peacekeeping-Operationen, China 685 Millionen und Russland 199 Millionen US-Dollar.

Unterdrückung in Afghanistan: Frauen und Mädchen leiden unter dem Taliban-Regime

Kabul Flughafen
Im Jahr 2021 zogen sich die USA aus Afghanistan zurück. Zugleich rückten auch die übrigen NATO-Truppen ab, darunter die deutsche Bundeswehr. Nachdem ein Großteil der ausländischen Truppen das Land verlassen hatte, eroberten die Taliban Afghanistan in Windeseile zurück. Am 15. August 2021 übernahmen sie die Macht in dem Land.  © Imago
Frauen in Afghanistan
Trotz anfänglicher Versprechen, Frauenrechte im Rahmen der Scharia zu respektieren, erließen die Taliban bereits in den ersten Monaten zahlreiche Verbote. Diese hinderten Frauen und Mädchen daran, ihre grundlegenden Rechte auf Meinungsäußerung, Freiheit, Arbeit und Bildung wahrzunehmen. In nur wenigen Monaten höhlten die Taliban mit unvergleichlicher Härte das Recht von Frauen auf Selbstbestimmung aus. © Mads Nissen/dpa
Mädchen in Afghanistan
Als eine der ersten politischen Handlungen verboten die Taliban Mädchen den Besuch von weiterführenden Schulen. Zwar liefen einige Kurse online weiter, doch zu den Prüfungen waren die Studentinnen nicht zugelassen. Ohne Bildung steigt das Risiko für Mädchen, ausgebeutet, missbraucht oder früh verheiratet zu werden. © Aref Karimi/AFP
Afghan refugee
Seit der Machtübernahme der Taliban sind die Berufsmöglichkeiten für Frauen stark eingeschränkt. Vielen wurde gekündigt, andere dürfen nur noch von zu Hause aus arbeiten. Wer noch einen Arbeitsplatz hat, braucht für den Weg dorthin einen männlichen Begleiter (Mahram). Die Berufsverbote der Frauen stürzen viele Familien noch tiefer in die Armut. Im Jahr 2023 versinnbildlichte Liza Anvary mit dieser Aufnahme, dass Frauen in Afghanistan wie in einem Gefängnis leben. Anvary arbeitete für die afghanische Regierung, ehe sie nach zwei Mordanschlägen über Pakistan nach Spanien flüchtete. © Ximena Borrazas/Imago
Lage in Afghanistan
Die Taliban erließen strenge Bewegungsfreiheits- und Kleidervorschriften für Frauen. Frauen dürfen in der Öffentlichkeit nur unterwegs sein, wenn sie von einem männlichen Verwandten begleitet werden. Generell dürfen sie das Haus nur zu dringenden Besorgungen und nur vollständig verschleiert verlassen. Halten sich Frauen nicht an die Kleidervorschriften, droht ihren männlichen Verwandten Haft. © Julian Frank/dpa
Lage in Afghanistan
Das landesweite Unterstützungssystem für Überlebende sexualisierter Gewalt, das Frauenrechtlerinnen in den vergangenen 20 Jahren aufgebaut hatten, ist fast vollständig zusammengebrochen. Frauenhäuser mussten schließen, Mitarbeitende von Organisationen werden bedroht oder müssen verdeckt arbeiten. Das Gesetz zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen hat keine Gültigkeit mehr. © Ahmad Sahel Arman/AFP
Taliban in Aghanistan
Auf ihrem Eroberungszug durch das Land ließen die Taliban 2021 systematisch Gefangene frei. Viele von ihnen waren wegen geschlechtsspezifischer Gewalt verurteilt worden. Das Frauenministerium wurde abgeschafft und durch das berüchtigte „Ministerium für die Verbreitung der Tugend und die Verhütung des Lasters“ ersetzt, das die frauenfeindlichen Erlasse des Regimes umsetzt. © Bashir Darwish/Imago
Taliban in Afghanistan
Schon vor dem Sieg der Taliban war eines von drei Mädchen vor ihrem 18. Geburtstag zwangsverheiratet worden. Diese hohe Zahl stieg bis 2023 weiter an. Um nicht zu verhungern, verheiraten immer mehr Eltern ihre oft noch sehr jungen Töchter gegen einen Brautpreis. Manche Familien verheiraten ihre Töchter auch, um sie vor einer Zwangsheirat mit einem Mitglied der Taliban-Miliz zu schützen. © Ahmad Sahel Arman/AFP
Taliban in Afghanistan
Frauen sind seit der Machtübernahme aus dem politischen Leben völlig ausgeschlossen. Vor der Taliban-Herrschaft waren dank einer Quotenregel 27 Prozent der Abgeordneten im Parlament Frauen. Landesweit gab es 21 Prozent Strafverteidigerinnen und 265 von insgesamt 1951 Richterinnen waren Frauen. In der neuen Regierung gibt es keine einzige Ministerin. © Wakil Kohsar/AFP
Taliban in Afghanistan
Aus Angst vor Repressionen hörten seit der Machtergreifung der Taliban 84 Prozent der Frauen, die im Journalismus tätig waren, auf, weiter in dieser Branche zu arbeiten. Die, die weitermachen, tun das unter Lebensgefahr. Inländische Medien müssen sich an strenge Inhaltsvorschriften halten. © Wakil Kohsar
Taliban in Afghanistan
Frauen, die dringend benötigte humanitäre Projekte umsetzen, können nicht mehr oder nur sehr eingeschränkt arbeiten. Seit April 2023 dürfen sie nicht mehr für die UN tätig sein. Das gleiche Bild zeigt sich im Bildungs- oder Gesundheitssektor. Ärztinnen dürfen beispielsweise keine männlichen Patienten behandeln oder sich mit ihren männlichen Kollegen austauschen. © Javed Tanveer/AFP
Taliban in Afghanistan
Afghanistan hat eine der höchsten Raten an Müttersterblichkeit der Welt. Nach UN-Schätzungen stirbt alle zwei Stunden eine afghanische Frau während der Schwangerschaft oder bei der Geburt. Ursachen sind das oft junge Alter, Mangelernährung und schlechte medizinische Versorgung der Schwangeren. Das Verkaufsverbot von Verhütungsmitteln, das die Taliban Anfang 2023 erließen, kann tödliche Folgen für Frauen haben. © Hoshang Hashimi
Frauen unter dem Taliban Regime
Die Schließung von Beauty Salons wurde im Juni 2023 angeordnet, was einen weiteren Eingriff in den Bereich der persönlichen Körperpflege, des Wohlbefindens und der Arbeitsmöglichkeiten von Frauen darstellt. Diese Maßnahme traf Tausende von Frauen, die in diesen Salons arbeiteten und ihre Familien ernährten. Ein Beispiel für die Veränderungen zeigt das Bild: Sofort nach der Taliban-Machtübernahme übermalte eine Mitarbeiterin eines Schönheitssalons in Kabul ein großes Foto einer Frau.  © Imago
Demo in Dänemark
Die mehrheitlich schiitischen Hazara sind seit langer Zeit Diskriminierung und Rassismus ausgesetzt. Mit der Machtübernahme der Taliban hat die Unterdrückung zugenommen. Insbesondere Frauen und Mädchen sind von multiplen Formen der Diskriminierung und Gewalt betroffen. Zahlreiche Anschläge wurden gezielt auf Frauen und Mädchen der ethnischen Minderheit Hazara verübt. In Europa kommt es deswegen häufiger zu Demonstrationen, wie hier im Oktober 2022 in Kopenhagen. © Thibault Savary/Imago
Taliban in Afghanistan
Mit Sorge beobachten Frauenrechtsaktivistinnen, wie überall islamische Schulen entstehen. Weil sie sonst keine Chance auf Unterricht haben, besuchen auch immer mehr Mädchen und junge Frauen diese Madrasas. Dort verbreiten die Lehrenden islamistisches und radikales Gedankengut, das die Schülerinnen in ihre Familien tragen. © Mustafa Noori/Imago
Flucht aus Afghanistan
Die Angst vor der Gewaltbereitschaft der neuen Taliban-Machthaber haben zu noch mehr Fluchtbewegungen geführt. Annähernd 700.000 Menschen haben laut dem UN-Flüchtlingswerk UNHCR allein im Jahr 2021 ihre Dörfer und Städte verlassen. Rund 3,25 Millionen Afghaninnen und Afghanen leben aktuell als Binnenvertriebene im eigenen Land. © Diego Radames/Imago
Taliban in Afghanistan
Die wirtschaftliche Situation verschlechterte sich nach der Machtübernahme rapide: Inflation und Arbeitslosenrate stiegen stark an, das Bankensystem kollabierte. Die USA froren Milliarden-Reserven der Zentralbank des Landes ein. Kontoinhaber konnten nur noch kleine Beträge abheben, es gab keine Kredite mehr und vielen Afghaninnen und Afghanen fehlt das Geld zum Leben. © Ramin Sulaimankhail/Imago
Tomatensaison in Afghanistan
Afghanistan gehört zu den Ländern auf der Welt, die am meisten unter den Folgen des Klimawandels leiden. Die ausbleibenden Niederschläge führen dazu, dass Ernten ausfallen, Tierfutter und Trinkwasser knapp sind. Zugleich haben sich die Preise für Lebensmittel, Dünger und Treibstoff in den vergangenen drei Jahren mehr als verdoppelt. Die Lage der Bauern ist so dramatisch, dass Eltern teilweise ihre Kinder verkaufen müssen. © Ahmad Zubair/dpa
Humanitäre Lage in Afghanistan
Nach Angaben der Vereinten Nationen leben etwa 97 Prozent der Bevölkerung in Armut und zwei Drittel sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, um zu überleben. Vier Millionen Menschen sind akut unterernährt, darunter 3,2 Millionen Kinder unter fünf Jahren. Laut World Food Programme sind zwei Drittel der Bevölkerung 2023 auf humanitäre Hilfe angewiesen – fast dreimal so viel wie 2021. © Khibar Momand/dpa
Afghanistan Pakistan
Zwangsrückführungen verschlimmern die Krise. Hunderttausende Geflüchtete sehen sich nach einer Ankündigung der pakistanischen Behörden im Oktober 2023 mit ihrer Abschiebung konfrontiert. Iran und Pakistan haben im Rahmen staatlicher Maßnahmen gegen Migranten und Geflüchtete fast zwei Millionen Menschen zurück nach Afghanistan abgeschoben. Viele der Abgeschobenen hatten Jahrzehnte oder ihr ganzes Leben außerhalb Afghanistans verbracht. © Hussain Ali/Imago
Konflikt in Afghanistan
Die Kürzungen bei den US-Hilfsprojekten durch die Trump-Regierung haben Programme zum Erliegen gebracht, die für die Ernährungssicherheit unverzichtbar waren. Die Hälfte der afghanischen Bevölkerung – rund 23 Millionen Menschen – ist auf Nahrungsmittelhilfen angewiesen. Bis Juli mussten mehr als 400 Gesundheitseinrichtungen aufgrund fehlender Mittel schließen, die zum Großteil aus der offiziellen Entwicklungshilfe von Geberregierungen stammten. © Saifurahman Safi/dpa
Demo Berlin
Seit August 2021 demonstrieren afghanische Frauen und afghanische Frauen- und Diasporagruppen (wie hier in Berlin) immer wieder friedlich für Bildung, Arbeit, Gerechtigkeit und Frieden. Ihre Proteste setzten sie trotz der Brutalität des Regimes, trotz Verhaftungen und Entführungen von Demonstrantinnen fort. Afghaninnen, die friedlich für ihre Rechte protestieren, werden bedroht, verhaftet und gefoltert. Frauenrechtsaktivistinnen berichten von Entführungen, Kinderehen, Zwangsverheiratungen und Vergewaltigungen. © Gerald Matzka/dpa
Frauen in Afghanistan
Die Taliban setzen seit 2024 ein drakonisches Gesetz zur „Verbreitung von Tugend und Verhinderung von Laster“ rigoros durch, das Kleidungs- und Verhaltensweisen reglementiert. Lokale Komitees führen Razzien an Arbeitsplätzen durch, überwachen öffentliche Plätze und haben Kontrollpunkte eingerichtet, um Mobiltelefone zu überprüfen. Die Taliban haben Menschen wegen angeblicher Verstöße festgenommen. © Wakil Kohsar/AFP
Achundsada
Im Juli 2025 erließ der Internationale Strafgerichtshof Haftbefehle gegen den Taliban-Führer Haibatullah Achundsada und den obersten Richter, Abdul Hakim Hakkani. Ihnen werden wegen der Entrechtung von Frauen und Mädchen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. Nach Auffassung des Gerichts betreiben die Taliban eine Politik, die zu schweren Verletzungen der Grundrechte und -freiheiten der Zivilbevölkerung führt: Mord, Inhaftierung, Folter und Vergewaltigung.  © Mohd Rasfan/AFP
Flughafen Hannover - Ankunft Afghanen mit Aufnahmezusage
Im September 2025 konnten mehrere afghanische Familien nach Deutschland einreisen. Sie hatten in Deutschland geklagt, um ihre Einreise durchzusetzen. Die schwarz-rote Koalition hatte das Aufnahmeprogramm im Mai gestoppt. Am 18. Juli 2025 hatte Deutschland 81 Betroffene nach Kabul abgeschoben – die ersten Abschiebungen nach Afghanistan unter der neuen Regierung. In den USA hat die Trump-Regierung den vorübergehenden Schutzstatus für afghanische Staatsangehörige aufgehoben und Afghanistan in die Liste der Länder mit Einreiseverbot aufgenommen. Tausenden afghanischen Staatsangehörigen droht somit die Abschiebung, auch in Drittländer. © Michael Matthey/dpa

UN-Friedensmissionen in Gefahr: Wenn Geldmangel Konflikte anheizt

Die Auswirkungen der Finanzkrise treffen besonders die UN-Friedensmissionen hart. Von 193 Mitgliedstaaten haben Laut UN-Dokumenten nur 136 Länder ihre regulären Beiträge für 2025 vollständig bezahlt, bei den Friedensmissionen sind es sogar nur 54 Länder. Im ersten Quartal 2025/26 konnten nach UN-Informationen nur 1,442 Milliarden Dollar für Peacekeeping-Operationen eingesammelt werden – der niedrigste Wert der vergangenen fünf Jahre. Missionen wie UNMISS im Südsudan (949 Millionen US-Dollar Rückstände) oder MINUSCA in der Zentralafrikanischen Republik (492 Millionen US-Dollar-Defizit) stehen daher vor massiven Finanzierungsproblemen.

Strauß erklärt das System der „Assessed Contributions“ als Zwangsfinanzierung: „Jedes dieser Mandate, die sie erlassen, muss finanziert werden. Das heißt, ich bin verpflichtet als Mitgliedstaat von diesen Kosten, die eine UN-Mission im Nahen Osten kostet, prozentual auch zu tragen. Da kann ich mich nicht gegen wehren“.

Doch genau diese Verpflichtung wird systematisch missachtet. Besonders prekär ist die Situation bei der Rückerstattung an truppenstellende Länder. 333 Millionen Dollar stehen für Ausrüstungskosten aus, wobei Bangladesch (30 Millionen), Rwanda (30 Millionen) und Nepal (31 Millionen) zu den größten Gläubigern zählen. Diese Verzögerungen demotivieren Entwicklungsländer, weiterhin Truppen für UN-Missionen bereitzustellen.

Freiwillige Beiträge als politisches Steuerungsinstrument verstärken Abhängigkeit

Den dritten Finanzierungsbaustein stellen die freiwilligen Beiträge, auf die die Vereinten Nationen zunehmend angewiesen sind. Für das Jahr 2023 betrugen diese etwa 3,2 Milliarden US-Dollar. Ohne diese zusätzlichen Mittel könnte die Organisation laut DGVN nicht funktionieren. Beim UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR stammen zum Beispiel 99 Prozent der Einnahmen aus freiwilligen Beiträgen und Privatspenden.

Diese Abhängigkeit schafft jedoch neue Probleme: Freiwillige Beiträge sind meist zweckgebunden und kurzfristig ausgerichtet, was strategische Planung erschwert. Zudem können Geberländer politischen Druck ausüben und Prioritäten nach eigenen Interessen setzen. „Das bedeutet, dass es immer schwieriger wird, Prioritäten zu setzen und dafür zu sorgen, dass das Geld letztendlich da ankommt, wo es am dringendsten gebraucht wird“, heißt es in den DGVN-Unterlagen.

Die chronische Unterfinanzierung wird so selbst zum Sicherheitsrisiko für die internationale Gemeinschaft – genau in einer Zeit, in der multilaterale Lösungen für globale Herausforderungen dringender denn je benötigt werden.

Finanzierungsvorbehalt blockiert Reformen und verstärkt geopolitische Krisen

Die chronische Unterfinanzierung wird zum strukturellen Hindernis für notwendige Reformen. Strauß analysiert: „Jede Maßnahme, die der Sicherheitsrat ergreift, steht unter einem Finanzierungsvorbehalt, den diese Länder blockieren können und das zurzeit ja auch tun“. Dies macht echte Reformen des UN-Systems praktisch unmöglich. Die Folgen sind verheerend: Gerade in Krisenzeiten, wenn internationale Koordination entscheidend wäre, fehlen der UN die Mittel für effektive Interventionen.

Konflikte in der Ukraine, Gaza oder anderen Brennpunkten können nicht angemessen bearbeitet werden, was das Vertrauen in die Organisation untergräbt und weitere Beitragszahlungen gefährdet – ein Teufelskreis. Ohne grundlegende Reformen der Finanzierungsstruktur und verbindlichere Zahlungsmechanismen droht die UN zu einem zahnlosen Tiger zu werden. Mehrmalige Presseanfragen blieben seitens der UN unbeantwortet. (ls)

Rubriklistenbild: © Lennart Niklas Johansson Schwenck

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