Trumps Haushaltsentwurf

Vertrauensverlust beim Dollar: Die lauernde Gefahr der US-Schulden

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Die US-Staatsschulden wachsen weiter. Experten warnen vor einem Bruch. Wie Anleger sich aktuell vorbereiten können, verrät ein prominenter Investor.

New York – Die US-Staatsschulden sind seit Jahren ein wachsendes Problem. Unter dem „großem, schönem“ Haushaltsplan von US-Präsident Donald Trump könnten sie weiter ansteigen. Der Anleihemarkt, der als Kreditmarkt für den US-Staat fungiert, zeigt bisher keine akuten Warnsignale. Dennoch warnen führende Wirtschaftsexperten vor einem möglichen Bruch, der nicht in Form eines Staatsbankrotts, sondern durch eine Wachstums- und Investitionsbremse auftreten könnte. Ein bekannter US-Investor gibt Ratschläge, wie sich Anleger auf eine mögliche Krise vorbereiten können.

Der US-Investor Ray Dalio warnt vor einer Schuldenkrise in den USA und empfiehlt unter anderem Investitionen in Gold.

Trotz steigender Staatsschulden: US-Anleihemarkt bleibt stabil

Der Schuldenstand der USA beträgt derzeit etwa 36 Billionen US-Dollar, was 125 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entspricht. Das ist fast das Dreifache des Niveaus von 2009. Die Haushaltsbehörde des US-Kongresses prognostiziert, dass die Schulden bis 2055 auf etwa 156 Prozent des BIP ansteigen werden.

Die steigenden Staatsschulden haben ihren Preis: Die Risikoprämien auf zehnjährige US-Staatsanleihen nehmen zu, und Ratingagenturen wie Moody’s haben das US-Rating herabgestuft. Eine höhere Verschuldung erhöht theoretisch das Risiko einer Zahlungsunfähigkeit. Dennoch bleibt der Anleihemarkt stabil.

Ein Grund für diese Stabilität ist die Rolle des US-Dollars als wichtigste Weltwährung. Im Jahr 2022 machten US-Dollar rund 60 Prozent der weltweiten Devisenreserven aus – also jener Reserven, die Zentralbanken anderer Länder zur Absicherung ihrer Finanzsysteme halten. Sollte das Vertrauen in die USA schwinden, könnte auch die Rolle des US-Dollars als Weltwährung unter Druck geraten. Viele Ökonomen sehen nicht die Staatspleite als Hauptgefahr, sondern den Vertrauensverlust in den Dollar, was zu Inflation oder einer Rezession führen könnte.

Wirtschaftsexperten sind besorgt über US-Schuldenlage

Führende Ökonomen sind „etwas beunruhigt“ über das US-Staatsdefizit. Jacob Lew, ehemaliger US-Finanzminister, sagte: „Ich denke, man kann mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass im Falle eines Zahlungsausfalls die Wahrscheinlichkeit einer Rezession so gut wie sicher ist.“ John Waldron, Präsident von Goldman Sachs, bezeichnete das Defizit als „etwas beunruhigend“ und nannte als größtes Risiko die Auswirkungen auf den Anleihemarkt: „Das große Risiko besteht darin, dass die langfristigen Zinsen weiter steigen, die Kapitalkosten in der Wirtschaft steigen und das Wirtschaftswachstum grundsätzlich stärker bremsen.“

Der Vorstandsvorsitzende von JPMorgan Chase, einer US-Großbank, warnte vor einem „Riss im Anleihemarkt“. Er sagte, der US-Kreditmarkt werde unter der steigenden Verschuldung „zerbrechen“. Wann dies geschehen könnte, sei unklar; die Krise könnte in „sechs Monaten oder sechs Jahren“ eintreten. Er forderte Trump auf, das Staatsdefizit zu reduzieren.

Obwohl Trump mit seiner Zollpolitik das Handelsdefizit senken möchte und durch Maßnahmen wie die Einführung der Kommission für mehr Effizienz (DOGE) das Staatsdefizit durch Einsparungen zu verringern versucht, wird Trumps „großer, schöner“ Haushaltsentwurf das Defizit eher erhöhen. Das unabhängige Komitee für einen verantwortungsvollen Bundeshaushalt prognostiziert, dass die US-Schulden bis 2034 um 3,3 Billionen Dollar steigen werden. Moody’s warnte, dass das Defizit von 6,4 Prozent des BIP im letzten Jahr auf knapp 9 Prozent bis 2035 ansteigen könnte.

Ray Dalio warnt: So schützen Anleger ihr Vermögen vor der Schuldenkrise

Ray Dalio, ein bekannter US-Investor, gibt Tipps, wie Anleger ihr Vermögen schützen können. Er empfiehlt „inflationsindexierte Anleihe“ als sichere Anlage. Diese Anleihen passen ihren Wert automatisch an die Inflation an und bieten hohe Sicherheit. In den USA gibt es die inflationsgeschützten Wertpapiere des Schatzamtes (TIPS), die alle sechs Monate auf Basis fester Zinssätze angepasst werden. „Sie erhalten eine reale Rendite von etwas mehr als 2 Prozent über der Inflationsrate“, erklärt Dalio. Bei Deflation sinken jedoch die Zinszahlungen, da sich die Anleihewerte nach unten korrigieren.

Dalio betont auch die Bedeutung von Gold: „Es gibt ein Sprichwort, das besagt, dass Gold der einzige Vermögenswert ist, den man haben kann, der nicht die Haftung von jemand anderem ist.“ Er hält „es eine kluge Sache, 10 bis 15 Prozent des Portfolios in Gold zu haben.“ Gold bietet Schutz vor Inflation und Absicherung gegen geopolitische Krisen. Die Preise stiegen im Zuge des Ukraine-Kriegs und anderer Unsicherheiten, sind jedoch seit Mitte des Monats wieder rückläufig. Gründe sind die Deeskalation des Kriegs zwischen Israel und Iran sowie die Beruhigung des Handelskonflikts durch Trump.

Abschließend spricht sich Dalio für Bitcoin aus. Er selbst besitzt seit 2021 Anteile, empfiehlt jedoch, nur einen kleinen Prozentsatz des Portfolios in die Kryptowährung zu investieren. Die Volatilität von Bitcoin zeigt sich auch im politischen Kontext: Trumps Versprechen, den Kryptomarkt zu stärken, ließ den Kurs nach seinem Wahlsieg steigen, doch fehlende Maßnahmen führten später zu einem Rückgang. Der Bitcoin-Preis liegt aktuell bei fast 110.000 US-Dollar.

Rubriklistenbild: © Imago/ Pedro Fiuza

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