Ökonomen sehen Reformbedarf

Pensionen stellen Merz-Regierung vor Dilemma – wie viele Milliarden ehemalige Beamte kosten

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Deutschland investiert Milliarden in die Beamtenvorsorge. Der Trend soll noch eine Weile halten. Ökonomen sprechen bereits Warnungen aus.

Berlin – Der demografische Wandel sorgt in der Rentenversicherung und in der Pflege für Kopfzerbrechen. Ökonomen warnen vor hohen Summen, die der Staat auf absehbare Zeit für die entsprechende Versorgung aufbringen muss. Gleichzeitig verschwindet mit den Babyboomern eine geburtenstarke Gruppe vom Arbeitsmarkt – dementsprechend fehlen die Rentenzahlungen. Das Institut der deutschen Wirtschaft ging bis 2036 von einer Lücke über sieben Millionen Arbeitnehmer aus. In der Beamtenversorgung befürchtet die Politik jetzt eine ähnliche Entwicklung.

Beamten-Pension kostet den Staat Milliarden – „1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts“

Beamte nehmen kurz- bis mittelfristig einen hohen Anteil derjenigen ein, die durch Gelder des deutschen Haushalts versorgt werden müssen. Wie das in Zahlen aussieht, verraten Daten des Statistischen Bundesamts (Destatis). Anfang 2024 soll es rund 1,4 Millionen Pensionäre gegeben haben, deren durchschnittliches Ruhegehalt im Monat 3.240 Euro betragen hat. Dieser Wert liege deutlich über der monatlichen Standardrente (laut Handelsblatt beträgt diese nach 45 Beitragsjahren 1.769 Euro).

Rentner-Paar im Garten (Symbolfoto).

Für 2023 kommt Destatis auf eine Summe von 54,8 Milliarden Euro, die der Staat 2023 für Pensionen ehemaliger Beamter ausgeben musste. „Zusammen mit der Hinterbliebenenversorgung in Höhe von 8,6 Milliarden Euro entsprach das rund 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts“, zitierte die WirtschaftsWoche das Statistische Bundesamt. Ein Minus um 0,1 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr.

Dazu kommt noch die Beihilfe. Dabei handelt es sich um eine zusätzliche Unterstützung, die der Staat bei Behandlungskosten im Gesundheitssystem für Beamte leistet. Der Satz für pensionierte Beamte sei gegenüber der aktiven Dienstzeit höher. Für 2024 bilanzierten sich allein die Beihilfe-Leistungen des Bundes auf 6,6 Milliarden Euro – das habe der Bundestag im Auftrag des Grünen-Abgeordneten Linda Heitmann verraten.

Senkung bei Pension „nicht erlaubt“ – solange es nur um den Haushalt geht

Ökonomen halten diese Belastungen des Staatshaushalts für ein Problem, das es zu lösen gilt. Die große Frage dabei ist nur das Wie. Während einige Stimmen schon davon sprechen, Beamte mit in die gesetzliche Rente zu holen, will der Ökonom Benedikt Runschke die Praxis der Verbeamtung an sich verändern. Ein entsprechender Vorschlag beinhaltet die Beschränkung von Verbeamtungen. Diese sollen künftig auf klassische hoheitliche Aufgaben beschränkt werden, darunter Sicherheit, Justiz und Verteidigung. Das berichtete das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Eine Autorin der Wirtschaftswoche zog dagegen eine Parallele zum „Herbst der Reformen“, den die Bundesregierung regelmäßig propagiert. Der Hintergedanke: Die Pensionierung und weitere Gelder an Beamte müssten reformiert werden, weil sie sonst in enormem Maße den Haushalt belasten.

Rente für Auswanderer: Die begehrtesten Länder für Deutsche im Ruhestand

Den ersten Platz belegt Österreich mit Zahlungen an knapp 29.000 deutsche Rentner.
Laut Statistik der Deutschen Rentenversicherung belegt Österreich mit Zahlungen an knapp 29.000 deutsche Rentner den ersten Platz als Auswanderland für Ruheständler. (Stand 31.12.2023) Besonders beliebt sind die Metropolen Wien, Salzburg und Innsbruck. Für Deutsche ist das Nachbarland vergleichsweise mit geringen Hürden verbunden, schließlich müssen sie keine neue Sprache erlernen. © SEPA.Media/IMAGO
An andere Berechtigte wurden 2023 rund 98.000 Zahlungen getätigt.
An Renten-Berechtigte aus anderen Ländern wurden 2023 rund 98.000 Zahlungen nach Österreich getätigt, wie der Rentenatlas 2024 zeigt. Kein Wunder, schließlich kürte die Unternehmensberatung Mercer Wien im Jahr 2023 zur lebenswertesten Stadt weltweit.  © Zoonar/IMAGO
Die Schweiz ist mit rund 26.000 Zahlungen das zweitbeliebteste Land.
Die Schweiz ist mit rund 26.000 Renten-Auszahlungen das zweitbeliebteste Land für Ruheständler. Die Höhe der bezogenen deutschen Rente ändert sich zwar nicht, wer in der Schweiz lebt. Aber Portale mit Informationen zum Auswandern in die Schweiz weisen auch daraufhin: Für einen dauerhaften Aufenthalt in der Schweiz müssen Deutsche, die nicht der EU/EFTA-Staaten angehören, eine Aufenthaltsbewilligung beantragen. © Panthermedia/IMAGO
Zahlungen an andere ausländische Beteiligte sind jedoch im Vergleich zu anderen Ländern mit knapp 34.000 wenig.
Zahlungen an ausländische Rentner, die in der Schweiz leben, sind jedoch im Vergleich mit knapp 34.000 wenig. Die Lebenshaltungskosten in der Schweiz sind deutlich höher als beispielsweise in Deutschland. © Imagebroker/IMAGO
Knapp 23.000 deutsche Rentenzahlungen gingen nach Spanien. Das drittbeliebteste Land.
Knapp 23.000 deutsche Rentenzahlungen gingen nach Spanien. Damit ist es laut der Statistik der deutschen Rentenversicherung das drittbeliebteste Land. Deutsche Rentner können in Spanien von günstigeren Lebenshaltungskosten profitieren. © Westend61/IMAGO
Im Vergleich dazu wurden rund 178.000 Rentenzahlungen an andere ausländische Berechtigte mit Wohnsitz in Spanien ausbezahlt.
Im Vergleich dazu wurden rund 178.000 Rentenzahlungen an ausländische Berechtigte mit Wohnsitz in Spanien ausbezahlt. Eine hohe Zahl – das milde Klima und die vielfältigen Landschaften locken Auwandernde. © NurPhoto/IMAGO
Auf dem vierten Platz landet Amerika mit knapp 21.000 deutschen Zahlungen.
Auf dem vierten Platz landen laut Rentenatlas die USA mit knapp 21.000 deutschen Rentenzahlungen. Die wichtigste Voraussetzung für ein Leben dort: eine Aufenthaltsgenehmigung. Es existiert kein Rentenvisum für die Vereinigten Staaten, wie americandream.de erklärt. Eine Green Card ermöglicht einen dauerhaften Aufenthalt. © Pond5 Images/IMAGO
Zahlungen an andere ausländische Berechtigte sind in Amerika bei rund 43.000.
Zahlungen an ausländische Berechtigte liegen laut Deutscher Rentenversicherung in den USA bei rund 43.000. Durch die englische Sprache sind die USA für viele niederschwelliger als andere Länder – das US-Gesundheitssystem ist allerdings komplex und Krankheiten können teuer werden. © Zoonar/IMAGO
In Frankreich gab es rund 18.000 Zahlungen an deutsche Rentner.
In Frankreich gab es rund 18.000 Zahlungen an deutsche Rentner, wie die Statistik zeigt. Wie „Connexion Emploi“ beschreibt, ist eine Aufenthaltserlaubnis nicht zwingend erforderlich, kann aber beantragt werden.  © blickwinkel/Imago
Die Zahl an anderen ausländischen Berechtigten betragen in Frankreich knapp 88.0000.
Die Zahl an ausländischen Rentner betragen in Frankreich knapp 88.0000. Mehr also als in der Schweiz oder den USA. © Propaganda Photo/IMAGO
Urlauber müssen sich in den Niederlanden nächstes Jahr auf eine mögliche Änderung einstellen.
In die Niederlande gingen 2023 knapp 10.000 Zahlungen an Deutsche, womit das Land auf Platz sechs rutscht. © Manngold/Imago
Dagegen gingen in diesem Land knapp 59.000 Zahlungen an andere ausländische Berechtigte.
Für ausländische Rentner sind die Niederlande aber offenbar attraktiv: Laut der deutschen Rentenversicherung werden 59.000 Zahlungen dorthin geleistet. © SOPA Images/IMAGO
Nach Kanada gingen rund 7.900 Zahlungen an deutsche Rentner.
Nach Kanada gingen rund 8000 Zahlungen an deutsche Ruheständler, wie die deutsche Rentenversicherung berichtet. Es gibt laut kanadischer Einwanderungsbehörde verschiedene Einwanderungsmöglichkeiten für Rentner, unter anderem Express Entry, Provincial Nominee Program und Familiensponsoring. Für Rentner könnten auch das Business/Investor Programs oder das Self-employed Program infrage kommen. Das Super-Visum berechtigt für einen Aufenthalt für fünf Jahre. © Cavan Images/IMAGO
An andere Berechtigte gingen knapp 29.000 Zahlungen.
An ausländische Rentenberechtigte gingen knapp 29.000 Zahlungen nach Kanada. © Addictive Stock/IMAGO
Die Zahlungen an deutsche Berechtigte in Italien waren bei rund 7.800.
Ein anderes Nachbarland zu Deutschland zieht Rentner deutlich weniger an: Nach Italien werden laut Rentenversicherung rund 8000 Renten ausgezahlt.  © Bihlmayerfotografie/IMAGO
Die Zahlungen an andere ausländische Berechtigte sind hier vergleichsweise mit knapp 349.000 am Höhepunkt.
Im Gegensatz zu den Deutschen ist Italien bei Rentnern anderer Länder durchaus attraktiv. Die Zahlungen an ausländische Berechtigte sind hier mit knapp 349.000 vergleichsweise am Höhepunkt. © Steinsiek.ch/IMAGO
Nach Polen wurden rund 6.000 Zahlungen an deutsche Berechtigte geleistet.
Nach Polen wurden rund 6000 Zahlungen an deutsche Rentner geleistet. Laut Deutscher Rentenversicherung muss einmal jährlich ein Lebensnachweis erbracht werden. © NurPhoto/IMAGO
Dagegen gab es knapp 37.000 Zahlungen an andere ausländische Berechtigte in Polen.
Dagegen gab es knapp 37.000 Zahlungen an ausländische Renten-Berechtigte in Polen, wie der Rentenatlas 2024 zeigt. © Dreamstime/IMAGO
In die Türkei gingen knapp 4000 Zahlungen an deutsche Berechtigte.
In die Türkei gingen nur knapp 4000 Zahlungen an deutsche Rentner. Bei einem Aufenthalt länger als 90 Tage ist ein Visum erforderlich. © NurPhoto/IMAGO
Im Gegensatz dazu gingen rund 84.000 Zahlungen an andere ausländische Rentner.
Im Gegensatz zu deutschen Ruheständlern gingen aber rund 84.000 Zahlungen an andere ausländische Rentner. Die Deutsche Rentenversicherung empfiehlt, sich vor dem Umzug in die Türkei beraten zu lassen, um mögliche Probleme zu vermeiden. © Zoonar/IMAGO
Nach Griechenland sind laut deutscher Rentenversicherung knapp 3000 Zahlungen gegangen.
Nach Griechenland sind laut deutscher Rentenversicherung nur knapp 3000 deutsche Rentenzahlungen gegangen. Griechenland hat eine lange Geschichte wirtschaftlicher Krisen, was für Rentner ein Unsicherheitsfaktor sein könnte. © NurPhoto/IMAGO
Zahlungen an andere ausländische Berechtigte gab es rund 90.000.
Zahlungen an andere ausländische Renten-Berechtigte gab es rund 90.000.  © Imagebroker/IMAGO
Nach Kroatien wurden wiederum knapp 1500 Zahlungen geleistet, womit Kroatien unter mit unter die drei letzten Plätze fällt.
Kroatien ist zwar eines der Top-Urlaubsländer für Deutsche – doch Ruheständler zeiht es nicht so sehr zum Auswandern dorthin, wie in andere Länder. Gerade einmal 1500 Rentenzahlungen werden laut Rentenatlas dorthin geleistet. Kroatien fällt damit unter die drei letzten Plätze.  © Pixsell/IMAGO
In Serbien gingen 655 Zahlungen an deutsche Berechtigte. Damit belegt dieses Land den vorletzten Platz.
In Serbien gingen 655 Zahlungen an deutsche Berechtigte. Damit belegt dieses Land den vorletzten Platz. Immerhin: Etwa 41.000 Zahlungen an ausländische ausgewanderte Rentner flossen laut Deutscher Rentenversicherung in das Land. © Despositphotos/IMAGO
Mit 333 Rentenzahlungen (Stand 31.12.2023) an Deutsche gehen laut der deutschen Rentenversicherung die wenigsten nach Bosnien Herzegowina.
Bosnien Herzegowina bildet mit nur 333 Rentenzahlungen an Deutsche das Schlusslicht. Laut der Deutschen Rentenversicherung gehen aber etwa 37.500 Rentenzahlungen an ausländische Rentner. © Capital Pictures/IMAGO

Der dbb beamtenbund und tarifunion hat sich klar dagegen ausgesprochen. Eine Bemühung vonseiten des Gesetzgebers, Ausgaben zu sparen, sei keine ausreichende Legitimation für eine Kürzung bei der Altersversorgung von Beamten. Reformmaßnahmen in der Beamtenversorgung allein aus Haushaltsgründen seien „nicht erlaubt“, teilte der dbb dazu mit. Auch das Ansteigen der Versorgungsausgaben wegen „zurückliegender Personalausweitung“ seien kein Grund für Einschnitte.

Demografischer Wandel wirkt sich auf Beamte aus – massive Pensionen voraus?

Was der dbb damit meint, zeigt ein Blick auf die Zahlen von Destatis. Innerhalb der letzten 30 Jahre habe sich die Zahl der Pensionäre mehr als verdoppelt. Außerdem zeigen die Zahlen, dass seit 2009 wieder ein Personalanstieg im öffentlichen Dienst zu beobachten sei. Dieser resultiere aus dem Ausbau des Kinderbetreuungsangebots und aus Personalzuwächsen bei Polizei und in der Bildung.

Mehr noch: Was der demografische Wandel schon im regulären Rentensystem verursacht, soll in der Beamten-Pension noch einmal verstärkt passieren. Der Hintergrund dazu sind laut dem RND vielfache Einstellungen von Lehrpersonal in den 70er- und 80er-Jahren. Damals waren die Schülerzahlen enorm gestiegen, was dazu geführt hat, dass mehr Lehrer benötigt wurden. Diese verbeamteten Lehrer treten nun verstärkt in den Ruhestand ein.

Wie geht es weiter? Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte die Reform bei Pensionen erst im Mai 2025 abgelehnt. Ob sich kurz- bis mittelfristig Anpassungen durchsetzen lassen, bleibt abzuwarten.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Westend61

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