Nächstes Start-up vor der Pleite?

Volocopter-Chef macht Aiwanger Vorwürfe: „Kann mir Absage nicht so recht erklären“

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Das Start-up Volocopter wird keine Subventionen erhalten. CEO Dirk Hoke ist irritiert. Steht das Flugtaxi Unternehmen jetzt vor dem Aus?

München – Großes Unverständnis beim Flugtaxi-Start-up Volocopter. Nachdem das bayerische Wirtschaftsministerium dem Flugtaxi-Herstellers Volocopter nun staatliche Förderung verwehrt, reagiert CEO Dirk Hoke mit Irritation. „Ich kann mir die Absage nicht so recht erklären“, gab er in einem Interview am 6. Mai gegenüber dem Magazin Capital bekannt. 

Volocopter-Chef Dirk Hoke ist überzeugt vom Modell Flugtaxi, offenbar entgegen der Ansicht Bayerns und Baden-Württembergs. (Archivbild)

Die Verhandlungen über die Subventionen zogen sich über mehrere Monate hin. Und wie es nun seitens des Ministeriums unter Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) hieß - ohne Erfolg. „Es ging um insgesamt 100 Mio. Euro. Dann wurden jedoch zusätzliche 50 Mio. Euro von den existieren Investoren zur Absicherung gefordert.“ Der CEO fühle sich hintergangen.

Das Umfeld an den Kapitalmärkten sei seit Ende 2022 schwierig. So müsse man sich in einer derart technologisch komplexen und kapitalintensiven Branche auch an den Staat richten. „Wir brauchen jetzt kurz vor der Kommerzialisierung Unterstützung“, drängte er. 75 Millionen Euro werden laut Angaben Hokes benötigt, um den kommerziellen Flugbetrieb aufzunehmen. 

Nach Absage aus Baden-Württemberg: Aiwanger sagt erst zu und dann ab

Das deutsche Luftfahrtunternehmen mit Sitz in Bruchsal, Baden-Württemberg, entwickelt elektrische VTOL-Flugtaxis (Senkrechtstart und -landung) für Passagiere sowie Lastandrohen. Aiwanger konnte sich bereits auf dem Dach bei einem persönlichen Besuch von der Technologie überzeugen.

„Wir haben Hubert Aiwanger unser Fluggerät präsentiert und er konnte einem Flug beiwohnen“, beschrieb Hoke den Besuch des Ministers. Der CEO wertete das Treffen als „positiv“. Er habe sogar signalisiert, nicht zu blockieren, falls ein anderes Ressort unterstützen wolle. Nachdem das Start-up eigenen Angaben zufolge gute Gespräche mit dem Wissenschaftsministerium geführt hatte, wurde dennoch in Veto eingelegt. 

Zuvor schon bemühte man sich um staatliche Förderungen aus Baden-Württemberg. „Wir haben direkt mit der Bundesregierung gesprochen“. Baden-Württemberg habe den Bund schriftlich über die Ablehnung der Bürgschaft informiert. „Da darf man sich zumindest wundern.“, so Hoke. Über die Absage hat das Start-up allerdings erst aus Berlin erfahren. „Natürlich haben wir unsererseits nochmals das Gespräch gesucht, leider erfolglos“, so der Volocopter-Chef.

Die Entscheidung habe man seitens Baden-Württemberg verschleppt: „Aber diese Art und Weise der Kommunikation des Landes Baden-Württemberg mit Blick auf ein Unternehmen, das knapp 650 hochqualifizierte Mitarbeiter in Bruchsal beschäftigt, war nicht okay“, ärgerte sich der Chef des Start-ups.

Nächste Insolvenz? Jungunternehmen kämpfen um ihr Bestehen

Dirk Hoke hatte sich bereits zuvor gegenüber der Süddeutschen Zeitung über mögliche Konsequenzen einer ausbleibenden, dringend benötigten Finanzierung geäußert. So habe man die rund 50 Anteilseigner des Unternehmen – unter ihnen auch Mercedes-Benz, dem chinesischen Autohersteller Geely oder Intel – um Unterstützung gebeten. Sollte diese ausbleiben, „müssen wir in absehbarer Zeit eine Insolvenz in Betracht ziehen“, so Hoke.

Im Jahr 2023 sind so viele Start-ups wie noch nie in Schieflag geraten. So mussten laut Startupdetector fast 297 Jungunternehmen Insolenz anmelden, woraus sich im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg um 65 Prozent ergibt. Für das laufende Jahr prognostizieren Experten eine weitere Zunahme der Pleiten. Gründe für die gestiegen Zahlungsunfähigkeiten liegen hauptsächlich darin, dass Investoren Zurückhaltung auf dem europäischen Markt zeigten. Zudem mussten viele Start-ups zusätzliche Corona-Hilfen zurückzahlen.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Arnoux Thomas/ABACA

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