- VonMax Schäferschließen
Ein Ökonom rechnet mit den Renten-Plänen der Merz-Regierung ab. Ohne das Paket wären wir gut auf die kommenden Herausforderungen vorbereitet.
Berlin – Die Rente ist gerade doppelt unter Druck, die Debatte darüber ist hitzig: Auf der einen Seite müssen viele Ältere mit Renten auskommen, mit denen sie akut armutsgefährdet sind. Gleichzeitig gerät die Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung immer stärker unter Druck, weil weniger Erwerbstätige Menschen im Ruhestand finanzieren müssen. Die Beträge sollen steigen, dazu schießt der Bund Milliarden zu.
„Wir stehen bei der Rente vor einer großen Herausforderung, und die Regierung macht das Gegenteil dessen, was sinnvoll wäre“, erklärte Axel Börsch-Supan, Ökonom und Direktor des Munich Research Institute for the Economics of Aging and Share Analyses, der Zeit. „Wenn bald die Babyboomer in Rente gehen, werden die Ausgaben der Rentenversicherung drastisch steigen, während die Einnahmen stark zurückgehen.“
Ohne Rentenpaket der Regierung wären wir gut auf Herausforderungen vorbereitet – sagt Experte
„Ohne das geplante Rentenpaket wären wir darauf gut vorbereitet gewesen“, sagte Börsch-Supan. Im Rahmen des Pakets planen Union und SPD, das Rentenniveau von 48 Prozent bis 2031 zu verlängern. Dadurch steigen die Renten stärker mit der Lohnentwicklung mit. Doch wegen der zunehmenden Zahl an Beziehern gerät damit die Finanzierung weiter unter Druck. Kritiker wie die Junge Union, die sich derzeit gegen das Vorhaben stellt, bemängeln, dass die junge Generation die Kosten der Demografie damit alleine tragen muss.
Um die Finanzierung angesichts der Demografie zu sichern, hatte die Regierung unter SPD-Kanzler Gerhard Schröder den Nachhaltigkeitsfaktor eingeführt. Börsch-Supan war damals bei der Rürup-Kommission dabei, die diesen Schritt empfohlen hatte. Er lasse die Renten etwas weniger steigen als die Löhne, „aber immer noch mehr als die Inflation“, erklärte der Experte. „Gleichzeitig legen dadurch die Rentenbeiträge der Jüngeren zwar weiter zu, aber nicht mehr ganz so stark.“
Renten-Plan der Merz-Regierung ist „enorme Mehrbelastung für junge Generation“
Wenn die Bundesregierung das Rentenniveau bis 2031 stabilisiert, setzt sie diesen Nachhaltigkeitsfaktor aus. „Die jetzige Bundesregierung will davon nichts mehr wissen und die Kosten vollständig den Jungen aufbürden“, sagte Börsch-Supan der Zeit. „Das ist unfair.“ Die Verlängerung schaffe nur für die Rentner Sicherheit, „die Jungen hingegen müssen mit steigenden Beiträgen und Steuerzuschüssen zur Rente rechnen – vermutlich, ohne dass sie selbst im Alter etwas davon haben“. Wobei hier eine Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung zu einem anderen Ergebnis kommt. Auch Jüngere profitierten von einer Stabilisierung des Sicherungsniveaus durch höhere eigene Renten.
„Das Vorgehen der Bundesregierung kostet Milliarden“, sagte Börsch-Supan. „Das ist eine enorme Mehrbelastung für die junge Generation.“ Der Rentenexperte schlug vor, das Rentenniveau nur für Geringverdiener stabil zu halten. „Denn diese Menschen bräuchten mehr Geld im Alter“, sagte er. „Wer hingegen als Rentner schon jetzt finanziell gut dasteht, der kann und sollte an den Kosten des demografischen Wandels beteiligt werden.“
Rentenexperte findet große Reform unnötig – was er stattdessen fordert
Eine große Renten-Reform brauche es nicht, erklärte der Experte. Er begrüßt zwar, eine Ergänzung des Umlageverfahrens der gesetzlichen Rente durch beispielsweise mehr Betriebsrenten. Das dauere jedoch. „Wir sollten damit anfangen, sind aber für die nächsten beiden Jahrzehnte auf die Wirkung des Nachhaltigkeitsfaktors angewiesen, wenn wir die Beitrags- und Steuerlast halbwegs erträglich halten wollen“, erklärte Börsch-Supan.
Die übrigen Lösungsansätze des Experten ähneln den Vorschlägen der Wirtschaftsweisen für eine Renten-Reform: Die Lebensarbeitszeit müsse perspektivisch an die Lebenserwartung gekoppelt werden, die „Rente mit 63“ will er abschaffen. „Davon profitieren vor allem gesunde Gutverdiener“, erklärte er. Statt der „Aktivrente“ schlägt er höhere Abschläge für einen früheren Ruhestand vor. Wer länger arbeite, könne höhere Zuschläge erhalten.
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