- VonStephanie Schoenschließen
Das Rentenniveau steht im Fokus und wird gegenwärtig heftig in der Politik erörtert. Doch verfügt diese Kennzahl über praktische Relevanz für unsere Rente? Warum sie mit unserer zukünftigen Rentenhöhe wenig zusammenhängt, erfahren Sie hier.
Berlin – Alle sprechen vom Rentenniveau und dessen Stabilisierung, doch viele Bürger wissen gar nicht so genau, was sich dahinter verbirgt und inwiefern die Kennzahl überhaupt etwas mit der eigenen Rente zu tun hat. Das Rentenniveau ist eine abstrakte Größe, deren genaue Bedeutung eigentlich überhaupt nichts über die individuelle, zukünftige Rente aussagt.
Was ist das Rentenniveau und wie wird es berechnet?
Das Rentenniveau ist eine Kennzahl, die die Entwicklung der Renten im Verhältnis zu den Arbeitseinkommen angibt. Dabei misst sie das Verhältnis der sogenannten Standardrente zum Durchschnittseinkommen. Die Standardrente ist diejenige gesetzliche Rente, die jemand nach 45 Jahren mit dem jeweiligen Durchschnittseinkommen erhalten würde. Verglichen werden dabei die beiden Werte nach Abzug der Sozialversicherungsbeiträge, aber vor Abzug der Steuern.
Bleibt dieses Rentenniveau stabil, dann bedeutet dies, dass die Standardrente im Laufe der Jahre genauso steigt wie die durchschnittlichen Löhne. Für den Fall, dass das Rentenniveau allerdings sinkt, steigen die Löhne und Gehälter schneller als die Standardrente. Konkret berechnet sich das Rentenniveau also folgendermaßen:
Rentenniveau = (Standardrente / Durchschnittseinkommen) x 100
Aktuell wird noch darüber diskutiert, wie dieses Rentenniveau auf 48 Prozent der Durchschnittseinkommen bis 2031 stabilisiert werden kann und was das kostet. In Deutschland gibt es aufgrund der demografischen Entwicklung immer mehr Rentner, die immer länger leben und immer weniger Beitragszahler in der gesetzlichen Rentenkasse. Es entstehen also immer größere Löcher in der Rentenkasse, die durch das bisherige Umlagesystem nicht mehr finanziert werden können. Die Frage ist also, wie trotzdem die Entwicklung der Renten mit der Lohnentwicklung Schritt halten kann.
Warum das Rentenniveau mit der individuellen Rente nichts zu tun hat
Das Rentenniveau hat allerdings nichts mit der individuellen Rente zu tun, da es eine statistische Kenngröße für Durchschnittsverdiener ist und nichts über die individuelle Rente aussagt, die von den eigenen Beitragsjahren und dem Einkommen abhängt. Während das Rentenniveau nur das Verhältnis der Durchschnittsrente zum Durchschnittseinkommen abbildet, bestimmt sich die individuelle Rente individuell nach Einzahlungen, Beitragsjahren und eventuellen Lücken im Versicherungsverlauf.
Die Standardrente, die für das Rentenniveau herangezogen wird, hat also mit der Realität nichts zu tun. Sie gibt eben nur an, wie viel Rente jemand bekommt, der tatsächlich 45 Jahre lang in Vollzeit als Durchschnittsverdiener gearbeitet hat. Auf 45 Beitragsjahre in Vollzeitbeschäftigung kommen in Deutschland allerdings viele Menschen nicht. Aktuell liegt die Standardrente bei ca. 1.770 Euro pro Monat und sie entspricht damit ungefähr 48 Prozent eines durchschnittlichen Vollzeitverdienstes. In der Realität liegt die durchschnittlich gezahlte Rente in Deutschland aber um einige hundert Euro niedriger.
Es ist also ein großes Missverständnis, anzunehmen, dass man als Rentner bei einem Rentenniveau von 48 Prozent Anspruch auf 48 Prozent seines letzten Lohnes hätte. Das ist durch das Rentenniveau in keiner Weise ausgedrückt.
Warum das Rentenniveau in der Politik so heiß diskutiert wird
Die Koppelung der Entwicklung der Renten an die Entwicklung der Löhne hatte ursprünglich zum Ziel, die Rentner nicht nur finanziell im Alter abzusichern, sondern sie auch an der allgemeinen Entwicklung des Lebensstandards partizipieren zu lassen. Deshalb war eine reine Anpassung der Renten an die Inflation auch nicht gewollt. Allerdings hat man durch die sich abzeichnende demografische Entwicklung der Bevölkerung schon vor über drei Jahrzehnten abgesehen, dass die Entwicklung hin zu immer mehr Rentnern und immer weniger Beitragszahlern geht. Darum war schon lange klar, dass die Renten dauerhaft nicht mehr analog der Arbeitseinkommen steigen können. Deshalb wurde auch ein zusätzlicher Faktor zur Berechnung der zukünftigen Renten eingeführt, der sogenannte Nachhaltigkeitsfaktor.
Der Nachhaltigkeitsfaktor ist ein Bestandteil der Rentenformel, der die jährliche Rentenanpassung dämpft, wenn das Verhältnis der Rentner zu den Beitragszahlern ungünstiger wird. Er wurde eingeführt, um die gesetzliche Rentenversicherung langfristig zu finanzieren. Vereinfacht gesagt: Wenn die Zahl der Beitragszahler im Verhältnis zu den Rentenbeziehern sinkt (z. B. wegen des demografischen Wandels), fällt die Rentenerhöhung kleiner aus. Umgekehrt wird die Erhöhung stärker, wenn mehr Beitragszahler als Rentner da sind.
Wird das Rentenniveau niedriger, heißt dies jedoch nicht, dass Renten auch gekürzt werden dürfen. Das wird durch die in Deutschland geltende Rentengarantie gewährleistet. Ein sinkendes Rentenniveau bedeutet deshalb immer, dass Renten auch weiterhin steigen können, aber eben nicht mehr auf dem gleichen Niveau wie die Arbeitseinkommen.
Wie der aktuelle Stand der Rentenpolitik zum Rentenniveau ist
Im Jahr 2019 wurde die Berechnung der Rentenentwicklungen mit dem Nachhaltigkeitsfaktor allerdings durch die damalige Regierung gestoppt. Sie führte sogenannte „Haltelinien“ ein, durch die das Rentenniveau bis Ende 2025 nicht unter 48 Prozent des Durchschnittslohnes sinken soll und auch die Rentenbeiträge bei maximal 20 Prozent gedeckelt werden. Die aktuelle schwarz-rote Koalition will nun diese Haltelinien bis Ende 2031 verlängern. Problematisch ist das Rententhema vielmehr für die Zeit nach 2031 und die möglichen Modelle werden zurzeit heftig diskutiert. Im Gesetzentwurf der aktuellen Regierungskoalition ist für die Zeit danach eine Wiedereinführung des Nachhaltigkeitsfaktors vorgesehen, der dann dazu führen würde, dass das Rentenniveau sinken würde.
Der aktuelle Gesetzentwurf sieht der schwarz-roten Koalition sieht vor, diese Haltelinie für das Rentenniveau bis 2031 zu verlängern. Ohne diese Maßnahme würden die Alterseinkommen laut Regierung deutlich sinken, da die Haltelinie sonst Ende 2025 auslaufen würde. Der Gesetzentwurf sieht vor, dass das Rentenniveau auch nach 2031 um etwa einen Prozentpunkt höher bleibt als es das geltende Recht vorsehen würde. Allerdings soll nach 2031 der Nachhaltigkeitsfaktor wieder greifen. Dies würde zu einer Senkung des Niveaus auf 46,3 Prozent bis 2040 führen, wie die Deutsche Rentenversicherung mitteilte. Strittig ist in diesem Modell vor allen Dingen die Bezahlbarkeit. Kritiker der aktuellen Entwürfe mahnen an, dass der Regierungsentwurf bis zu 120 Milliarden Euro Mehrkosten in den kommenden neun Jahren verursachen wird. (Quellen: Deutsche Rentenversicherung, ntv, wmn, Deutschlandfunk, Gabler (sts))
Rubriklistenbild: © Michael Bihlmayer/Imago
