Konflikt im Westpazifik

China sanktioniert Rüstungsgiganten der USA – „Waffenverkäufe an Taiwan einstellen“

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China reagiert im Taiwan-Konflikt auf die militärische Unterstützung durch die USA mit Sanktionen. Die Regierung in Peking nimmt zwei Riesen der Rüstungsindustrie ins Visier.

Peking/München - Abseits des Ukraine-Kriegs stehen geopolitisch seit geraumer Zeit auch beim Taiwan-Konflikt die Zeichen auf Konfrontation zwischen China und dem Westen. Die Regierung in Peking sieht speziell die politische Verbindung der Vereinigten Staaten zum kleinen Inselstaat Taiwan kritisch und nimmt daher zwei US-Rüstungsunternehmen ins Visier, die von der Aufrüstung Taiwans profitieren.

Laut Mao Ning, Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, hat Peking im Zuge seines „Anti-Ausland-Sanktionsgesetzes“ beschlossen, Sanktionen gegen Lockheed Martin und Northrop Grumman zu verhängen. Damit einhergehend fordert China die USA auf, Waffenlieferungen an Taiwan einzustellen. Falls nicht, werde die chinesische Führung eine „starke und entschlossene Reaktion“ in die Wege leiten.

Waffen im Taiwan-Konflikt: China erhebt Sanktionen gegen US-Unternehmen

Die Maßnahme im Reich der Mitte folgt als Reaktion auf den „Taiwan Relations Act“ des US-Kongresses, Taiwan mit Waffen zu verteidigen. Gab es aus Washington zuvor den Verkauf von Waffen und anderer Rüstungsgegenstände, erfolgt nun auch eine direkte Militärhilfe, basierend auf einem Unterstützungsprogramm für ausländische Militärfinanzierung. Zwar sei das im August genehmigte US-Waffenpaket mit einem Wert von 80 Millionen US-Dollar (umgerechnet rund 75 Mio. Euro) im Vergleich zu vorherigen Verkäufen noch relativ gering. Jedoch handelt es sich offenbar um die erste direkte Unterstützung, die Taipeh im Rahmen des US-Programms erhielt, statt durch Zuschüsse oder Darlehen.

Taiwanesischer Soldat mit Waffe bei einer Zeremonie in der Hauptstadt Taipeh.

Obwohl China derartige Hilfen entschieden ablehnt, ist die US-Regierung angeblich „entschlossen, Waffen an Taiwan zu liefern“, ließ die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums wissen. Der Grund: Chinas Souveränität und Sicherheitsinteressen seien bedroht, wenn der „riskante Weg“ der US-Amerikaner eingeschlagen wird, Taiwan immer weiter zu bewaffnen. Dem Vernehmen nach ist Lockheed Martin der Hauptauftragnehmer für die Waffenlieferungen an Taiwan (24. August), das zweite Unternehmen Northrop Grumman sei demnach an vielen Waffengeschäften mit Taiwan beteiligt. Daher richten sich die China-Sanktionen gegen jene Rüstungsfirmen.

UN-Treffen in New York: Annäherung zwischen China und USA?

Am Rande der UN-Vollversammlung in New York verlangte derweil der Vize-Präsident Chinas von den USA, sich stärker für gute Beziehungen zwischen den beiden Großmächten einzusetzen. Laut Xinhua-Berichten erklärte Han Zheng während eines Treffens mit US-Außenminister Antony Blinken, dass Chinas Entwicklung für die USA ein Gewinn und kein Risiko sei. Vom US-Außenministerium wurde der Dialog als „offene und konstruktive Diskussion“ bezeichnet.

Eine darauffolgende Mitteilung von Blinken beinhaltet, dass die USA Diplomatie nutzen wollten, um die Interessen und Werte der Vereinigten Staaten voranzubringen und Konflikte zu lösen. Wie amerikanische Medien berichten, ging es bei dem Gespräch neben der Taiwan-Frage auch um den Krieg in der Ukraine sowie Nordkorea.

Taiwan-Konflikt mit China betrifft auch USA: Darum geht es

Seit der politischen Trennung 1949 zwischen Festlandchina und Taiwan betrachtet Peking die selbstverwaltete Insel als abtrünniges Gebiet und möchte sie wieder mit dem Festland vereinigen. Flächenmäßig ist Taiwan (rund 23 Mio. Einwohner) mit 35.801 km² übrigens gerade mal so groß wie Baden-Württemberg.

China und Taiwan: Darum geht es in dem Konflikt

Taiwans F-16-Kampfjet (links) überwacht einen der beiden chinesischen H-6-Bomber, die den Bashi-Kanal südlich von Taiwan und die Miyako-Straße in der Nähe der japanischen Insel Okinawa überflogen.
Seit Jahrzehnten schon schwelt der Taiwan-Konflikt. Noch bleibt es bei Provokationen der Volksrepublik China; eines Tages aber könnte Peking Ernst machen und in Taiwan einmarschieren. Denn die chinesische Regierung hält die demokratisch regierte Insel für eine „abtrünnige Provinz“ und droht mit einer gewaltsamen „Wiedervereinigung“. Die Hintergründe des Konflikts reichen zurück bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. © Taiwan Ministry of Defence/AFP
Chinas letzter Kaiser Puyi
Im Jahr 1911 zerbricht das viele Jahrtausende alte chinesische Kaiserreich. Der letzte Kaiser Puyi (Bild) wird abgesetzt, die Xinhai-Revolution verändert China für immer. Doch der Weg in die Moderne ist steinig. Die Jahre nach der Republikgründung waren von Wirren und internen Konflikten geprägt.  © Imago
Porträt von Sun Yatsen auf dem Tiananmen-Platz in Peking
Im Jahr 1912 gründet Sun Yat-sen (Bild) die Republik China. Es folgen Jahre des Konflikts. 1921 gründeten Aktivisten in Shanghai die Kommunistische Partei, die zum erbitterten Gegner der Nationalisten (Guomindang) Suns wird. Unter seinem Nachfolger Chiang Kai-shek kommt es zum Bürgerkrieg mit den Kommunisten. Erst der Einmarsch Japans in China ab 1937 setzt den Kämpfen ein vorübergehendes Ende. © Imago
Mao Zedong ruft die Volksrepublik China aus
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs und der Kapitulation Japans flammt der Bürgerkrieg wieder auf. Aus diesem gehen 1949 die Kommunisten als Sieger hervor. Mao Zedong ruft am 1. Oktober in Peking die Volksrepublik China aus (Bild).  © Imago Images
Chiang Kai-shek
Verlierer des Bürgerkriegs sind die Nationalisten um General Chiang Kai-shek (Bild). Sie fliehen 1949 auf die Insel Taiwan. Diese war von 1895 bis 1945 japanische Kolonie und nach der Niederlage der Japaner an China zurückgegeben worden. Auf Taiwan lebt seitdem die 1912 gegründete Republik China weiter. Viele Jahre lang träumt Chiang davon, das kommunistisch regierte Festland zurückzuerobern – während er zu Hause in Taiwan mit eiserner Hand als Diktator regiert. © Imago
Richard Nixon und Zhou Enlai 1972
Nach 1949 gibt es zwei Chinas: die 1949 gegründete Volksrepublik China und die Republik China auf Taiwan, die 1912 gegründet wurde. Über Jahre gilt die taiwanische Regierung als legitime Vertreterin Chinas. Doch in den 70er-Jahren wenden sich immer mehr Staaten von Taiwan ab und erkennen die kommunistische Volksrepublik offiziell an. 1972 verliert Taiwan auch seinen Sitz in den Vereinten Nationen, und Peking übernimmt. Auch die USA brechen mit Taiwan und erkennen 1979 – sieben Jahre nach Richard Nixons legendärem Peking-Besuch (Bild) – die Regierung in Peking an. Gleichzeitig verpflichten sie sich, Taiwan mit Waffenlieferungen zu unterstützen. © Imago/UIG
Chiang Ching-Kuo in Taipeh
Im Jahr 1975 stirbt Taiwans Dikator Chiang Kai-shek. Neuer Präsident wird drei Jahre später dessen Sohn Chiang Ching-kuo (Bild). Dieser öffnet Taiwan zur Welt und beginnt mit demokratischen Reformen. © imago stock&people
Chip made in Taiwan
Ab den 80er-Jahren erlebt Taiwan ein Wirtschaftswunder: „Made in Taiwan“ wird weltweit zum Inbegriff für günstige Waren aus Fernost. Im Laufe der Jahre wandelt sich das Land vom Produzenten billiger Produkte wie Plastikspielzeug zur Hightech-Nation. Heute hat in Taiwan einer der wichtigsten Halbleiter-Hersteller der Welt - das Unternehmen TSMC ist Weltmarktführer. © Torsten Becker/Imago
Tsai Ing-wen
Taiwan gilt heute als eines der gesellschaftlich liberalsten und demokratischsten Länder der Welt. In Demokratie-Ranglisten landet die Insel mit ihren knapp 24 Millionen Einwohnern immer wieder auf den vordersten Plätzen. Als bislang einziges Land in Asien führte Taiwan 2019 sogar die Ehe für alle ein. Regiert wurde das Land von 2016 bis 2024 von Präsidentin Tsai Ing-wen (Bild) von der Demokratischen Fortschrittspartei. Ihr folgte im Mai 2024 ihr Parteifreund Lai Ching-te. © Sam Yeh/AFP
Xi Jinping
Obwohl Taiwan nie Teil der Volksrepublik China war, will Staats- und Parteichef Xi Jinping (Bild) die Insel gewaltsam eingliedern. Seit Jahrzehnten droht die kommunistische Führung mit der Anwendung von Gewalt. Die meisten Staaten der Welt – auch Deutschland und die USA – sehen Taiwan zwar als einen Teil von China an – betonen aber, dass eine „Wiedervereinigung“ nur friedlich vonstattengehen dürfe. Danach sieht es derzeit allerdings nicht aus. Die kommunistiche Diktatur Chinas ist für die meisten Taiwaner nicht attraktiv. © Dale de la Rey/AFP
Militärübung in Kaohsiung
Ob und wann China Ernst macht und in Taiwan einmarschiert, ist völlig offen. Es gibt Analysten, die mit einer Invasion bereits in den nächsten Jahren rechnen – etwa 2027, wenn sich die Gründung der Volksbefreiungsarmee zum 100. Mal jährt. Auch das Jahr 2049 – dann wird die Volksrepublik China 100 Jahre alt – wird genannt. Entscheidend dürfte sein, wie sicher sich China ist, einen Krieg auch zu gewinnen. Zahlenmäßig ist Pekings Armee der Volksrepublik den taiwanischen Streitkräften überlegen. Die Taiwaner sind dennoch gut vorbereitet. Jedes Jahr finden große Militärübungen statt; die Bevölkerung trainiert den Ernstfall, und die USA liefern Hightech-Waffen.  © Sam Yeh/AFP
Xi Jinping auf einem chinesischen Kriegsschiff
Analysten halten es für ebenso möglich, dass China zunächst nicht zu einer Invasion Taiwans blasen wird, sondern mit gezielten Nadelstichen versuchen könnte, den Kampfgeist der Taiwaner zu schwächen. So könnte Xi Jinping (Bild) eine Seeblockade anordnen, um die Insel Taiwan vom Rest der Welt abzuschneiden. Auch ein massiver Cyberangriff wird für möglich gehalten.  © Li Gang/Xinhua/Imago
Protest in Taiwan
Auch wenn die Volksrepublik weiterhin auf eine friedliche „Wiedervereinigung“ mit Taiwan setzt: Danach sieht es derzeit nicht aus. Denn die meisten Taiwaner fühlen sich längst nicht mehr als Chinesen, sondern eben als Taiwaner. Für sie ist es eine Horrorvorstellung, Teil der kommunistischen Volksrepublik zu werden und ihre demokratischen Traditionen und Freiheiten opfern zu müssen. Vor allem das chinesische Vorgehen gegen die Demokratiebewegung in Hongkong hat ihnen gezeigt, was passiert, wenn die Kommunistische Partei den Menschen ihre Freiheiten nimmt. © Ritchie B. Tongo/EPA/dpa

In den letzten Jahren hat die Zahl der chinesischen Kriegsschiffe und Flugzeuge in der Region um Taiwan dem Vernehmen nach enorm zugenommen. Derweil nahm Taiwans Außenminister gegenüber Medienvertretern (auch von IPPEN.MEDIA) Stellung zur deutschen China-Politik. (PF mit Material von dpa und afp)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Thomas Maresca

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