Fehlerhafter Code wohl gefunden

Weltweite Störung durch CrowdStrike hält an: Flughafen BER gibt Auskunft über Lage aktuell

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Chaos an Flughäfen: Eine weltweite IT-Störung stelle die Menschen vor Probleme.
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Nach einer Software-Panne der Firma Crowdstrike erholen sich IT-Systeme weltweit nur langsam von den Folgen. Vor allem im Flugverkehr sind die Probleme noch spürbar.

Update vom 20. Juli, 10:49 Uhr: Nach der großen IT-Störung am Freitag läuft der Betrieb am Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld wieder weitgehend normal. Die startenden Maschinen seien mit Ausnahme einiger geringfügiger Verspätungen im Plan, sagte ein Flughafensprecher der dpa. Einzig zwei Ankünfte aus New York und Newark seien von Airlines gestrichen worden, weil es in den USA offenbar noch Probleme gebe. 

Die Situation an den BER-Terminals sei ruhig und entspannt, schilderte der Sprecher. Insgesamt erwartet der BER am Samstag demnach 70.000 Passagiere. Damit erreicht das Passagieraufkommen nicht das Niveau von Spitzentagen, obwohl es sich um das erste Ferienwochenende in Berlin und Brandenburg handelt. 

150 Flüge am BER gestrichen – Flugzeuge durften in der Nacht starten

Nach Angaben des BER-Sprechers wurden 150 von 552 Flügen gestrichen - es handelte sich um Abflüge und Ankünfte. Tausende Passagiere mussten am Airport ausharren oder wurden in Hotels gebracht, andere wurden umgebucht. 19 Flugzeuge starteten in der Nacht zum Samstag, weil Airlines eine Ausnahme vom Nachtflugverbot zwischen Mitternacht und 05.00 Uhr beantragten und von der Luftfahrtbehörde genehmigt

Erstmeldung vom 20. Juli, 07:06 Uhr:

München – Am Tag nach der globalen Computerpanne, die weltweit für Chaos sorgte, erholen sich Systeme langsam. In der Nacht von Donnerstag (18. Juli) auf Freitag (19. Juli) wurde ein Software-Update der Cybersicherheitsfirma Crowdstrike durchgeführt – was sich jedoch als fehlerhaft erwies und Microsoft Windows Systeme rund um den Globus ausschaltete. Auch nachdem das Problem gefunden und behoben wurde, dauerten Störungen jedoch noch an, da das Update teilweise auf jedem einzelnen betroffenen Computer manuell zurückgenommen werden musste.

Weltweite Störung: Flughafen BER erholt sich langsam

Entsprechend dauern auch noch am Samstagmorgen die Probleme an. Am sichtbarsten betroffen war am Freitag der Flugverkehr, in Deutschland war vor allem der Hauptstadtflughafen BER lahmgelegt. Am frühen Samstagmorgen konnten Flüge wieder starten und landen, allerdings war überall mit Verspätungen zu rechnen. Bei der Airline Eurowings war es erst am Abend wieder möglich, Check-ins und Buchungen vorzunehmen. Entsprechend ist auch am Wochenende mit Beeinträchtigungen zu rechnen, allerdings geht Eurowings davon aus, dass am Samstag wieder alles rund läuft. Insgesamt wurden weltweit am Freitag nach Angaben der BBC über 4000 Flüge gestrichen.

Während Unternehmen, Verwaltungen und Banken ihre Systeme wieder zum Laufen bringen, fragen sich die Menschen weltweit, wie es zu so einer Mega-Störung kommen konnte. Nach Einschätzung von Cyber-Sicherheitsexperten ist das Update der IT-Sicherheitssoftware der Firma Crowdstrike vor seiner Bereitstellung nicht ausreichend geprüft worden.

Sicherheitsforscher Patrick Wardle, der sich auf die Untersuchung von Bedrohungen für Betriebssysteme spezialisiert hat, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, seine Analyse habe den für den Ausfall verantwortlichen Code identifiziert. Es ist unklar, wie der fehlerhafte Code in das Update gelangen konnte und warum er nicht entdeckt wurde, bevor er für die Kunden freigegeben wurde. „Idealerweise wäre das Update zuerst an einen begrenzten Kundenkreis freigegeben worden“, sagte der leitende Sicherheitsforscher von Huntress Labs. „Dies wäre sicherer gewesen und hätte das Chaos vermeiden können.“

IT-Störung sorgt weltweit für Chaos – BSI-Präsidentin kündigt Maßnahmen an

Als Reaktion auf die globale Störung hat Claudia Plattner, Präsidentin des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Maßnahmen angekündigt, um solche Pannen künftig möglichst auszuschließen. „Es gibt ein paar Stellen und Hebel, an denen wir etwas tun können und auch müssen. Die Frage ist: Wie können wir sicherstellen, dass uns das nicht nochmal passiert“, sagte Plattner am Freitag dem Fernsehsender Phoenix.

Blaue Bildschirme, Flughafen-Chaos: Bilder zur weltweiten IT-Störung

Ein Anblick, den am Freitag viele kennen: Wegen einer weltweiten IT-Störung kommt es häufig zu Fehlermeldungen und Bluescreens.
Ein Anblick, den am Freitag viele kennen: Wegen einer weltweiten IT-Störung kommt es häufig zu Fehlermeldungen und Bluescreens. © IMAGO/STEINSIEK.CH
Die Auswirkungen der IT-Störung sind riesig: Unter anderem ist auch das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein von der Windows-Störung betroffen.
Die Auswirkungen der IT-Störung sind riesig: Unter anderem ist auch das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein von der Windows-Störung betroffen. © dpa/TNN | Volker Gersmann
Besonders Flughäfen sind vom IT-Chaos betroffen. Hier warten etliche Reisende in der Halle am Flughafen in Brüssel.
Besonders Flughäfen sind vom IT-Chaos betroffen. Hier warten etliche Reisende in der Halle am Flughafen in Brüssel. © dpa/AP | Harry Nakos
Ein Fluggast bedient vergeblich am Hauptstadtflughafen BER einen Selbst-Checkin-Terminal.
Ein Fluggast bedient vergeblich am Hauptstadtflughafen BER einen Selbst-Checkin-Terminal. Über den Tag verteilt musste die Fluggesellschaft Eurowings etliche Flüge wegen der IT-Probleme streichen. © dpa | Christoph Soeder
Weltweite IT-Ausfälle - Die Probleme wirken sich auf Flughäfen weltweit aus. Hier etwa checken Reisende in Zürich, ob ihre Flüge von der IT-Störung betroffen sind. Kloten in Zürich
Die Probleme wirken sich auf Flughäfen weltweit aus. Hier etwa checken Reisende in Zürich, ob ihre Flüge von der IT-Störung betroffen sind. © dpa/KEYSTONE | Gaetan Bally
Chaos: Auch am Baltimore/Washington International Thurgood Marshall Airport in den USA
Anderer Flughafen, gleiches Chaos: Auch am Baltimore/Washington International Thurgood Marshall Airport in den USA macht die Störung Probleme. © Stephanie Scarbrough
Auch des deutschen liebste Urlaubsinsel erwischt die IT-Störung. Hier warten Fluggäste am Airport Palma de Mallorca.
Auch des deutschen liebste Urlaubsinsel erwischt die IT-Störung. Hier warten Fluggäste am Airport Palma de Mallorca. © Clara Margais / dpa
Erneut der Flughafen von Palma de Mallorca. Etliche Reisende wissen wegen der IT-Störung nicht, ob ihr Flug wirklich abhebt.
Erneut der Flughafen von Palma de Mallorca. Etliche Reisende wissen wegen der IT-Störung nicht, ob ihr Flug wirklich abhebt. © dpa | Clara Margais
Verzweiflung bei Reisenden, die unter den Auswirkungen der weltweiten IT-Störung leiden. Hier eine Szene vom Flughafen in Rom.
dpa/AP | Gregorio Borgia © dpa/AP | Gregorio Borgia
Auch im Fernsehen gibt es Probleme durch die IT-Störung. Der Sender Sky News etwa musste seine Übertragung zwischenzeitlich unterbrechen.
Auch im Fernsehen gibt es Probleme durch die IT-Störung. Der Sender Sky News etwa musste seine Übertragung zwischenzeitlich unterbrechen. © dpa/PA Media | Sky News
Sondersituation im Sky-News-Studio: Die Moderatoren mussten aus einem Skript vorlesen, ehe der Sender wegen der IT-Störung gleich zwei Mal vom Netz genommen wurde.
dpa/PA Media | Sky News © dpa/PA Media | Sky News
Nicht nur im TV und an Flughäfen gab es Chaos. Die IT-Störung legte etwa auch die Kassensystem des Lebensmittelhändlers Tegut lahm.
Nicht nur im TV und an Flughäfen gab es Chaos. Die IT-Störung legte etwa auch die Kassensysteme des Lebensmittelhändlers Tegut lahm. 340 Filialen in Deutschland mussten vorübergehend schließen. © dpa | Andreas Arnold

Vor allem gehe es darum, bei den Herstellern deutlicher auf die Qualität der Produkte zu achten. „Da werden wir deutlich tiefer reinschauen“, fuhr die BSI-Präsidentin fort. In der jüngeren Vergangenheit sei bereits viel geschehen, um die Sicherheit zu erhöhen. „Der heutige Tag hat uns aber gezeigt, dass es in der Lieferkette durchaus noch einige Themen gibt, wo wir alle noch mehr machen müssen“, sagte Plattner. Eine absolute Sicherheit vor Ausfällen dieser Größenordnung könne jedoch niemand versprechen.

CEO von Crowdstrike entschuldigt sich für weltweite Computer-Störung

„Wir entschuldigen uns für die Probleme, die wir bei Kunden, Reisenden und allen Betroffenen, einschließlich unseres Unternehmens, verursacht haben“, sagte Crowdstrike-Chef George Kurtz im US-Sender NBC News am Freitag. Bei vielen werde das System schnell wieder betriebsbereit sein. „Bei einigen Systemen, die sich nicht automatisch wiederherstellen lassen, könnte es einige Zeit dauern.“ An der US-Technologiebörse Nasdaq brachen die Crowdstrike-Aktien um knapp 14 Prozent ein. Die Titel der Konkurrenten Palo Alto Networks und SentinelOne konnten zulegen. (mit Material von dpa und AFP)

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