Vereinbarung läuft aus

ZF Friedrichshafen: An deutschem Werk droht hohe Zahl betriebsbedingter Kündigungen

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ZF Friedrichshafen bleibt in Aufruhr. Mit dem Auslaufen einer Vereinbarung Ende Juni erwartet der Betriebsrat viele betriebsbedingte Kündigungen an einem Standort.

Friedrichshafen/Schweinfurt – Der Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen befindet sich nach wie vor in einer groß angelegten Neuaufstellung, die bis 2028 bis zu 14.000 Stellen kosten soll. Um schnell Personalkosten einsparen zu können, hatte der Stiftungskonzern vom Bodensee am Standort Schweinfurt (Bayern) die Arbeitszeit von 5.500 Mitarbeitern gekürzt. Diese Vereinbarung läuft allerdings Ende Juni aus und der Betriebsrat am Standort hat eine Verlängerung abgelehnt, wie die WirtschaftsWoche aktuell berichtet. Nun wird befürchtet, dass es zu einer hohen Zahl an betriebsbedingten Kündigungen kommt.

Das sind die 12 größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Die Zentrale der Schwarz-Gruppe, derSchwarz Finanz und Beteiligungs GMBH & Co. KG und derLIDL Stiftung & Co. KG in Neckarsulm.
Sagt Ihnen die Schwarz-Gruppe etwas? Der Mischkonzern ist mit 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Marijan Murat/dpa
Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Weltweit bekannt sind die Discounter Lidl und Kaufland, die zur Schwarz-Gruppe gehören, aber dennoch Konkurrenten sind.  © Christian Johner/dpa
Die Hinterhof-Werkstatt von Robert Bosch, die er in den Jahren 1897 bis 1901 in der Kanzleistraße 22 in Stuttgart betrieb.
In diesem Hinterhof in Stuttgart wurde der größte Industriekonzern Baden-Württembergs gegründet. Wissen Sie welcher?  © Robert Bosch GmbH
Das Logo des Industriekonzerns Bosch ist an der Hauptverwaltung zu sehen.
Richtig: Die Robert Bosch GmbH mit weltweit 417.900 Mitarbeitern.  © Bernd Weißbrod/dpa
Das Werk der Daimler-Motoren-Gesellschaft in Stuttgart-Untertürkheim im Jahr 1908.
Wir bleiben historisch: Daimler-Motoren-Gesellschaft, Daimler-Benz, DaimlerChrysler, Daimler AG und heute... © Mercedes-Benz AG – Communications
Der Besuchereingang an der Mercedes-Benz Konzernzentrale in Stuttgart-Untertürkheim.
... Mercedes-Benz Group: Der Stuttgarter Autokonzern mit weltweit rund 175.000 Mitarbeitern darf hier nicht fehlen.  © Corporate Communication (MS/CC)
Die Stadt Friedrichshafen liegt am Bodensee, während im Hintergrund die Alpen in der Schweiz und in Österreich zu sehen sind.
Von Stuttgart an das Bodenseeufer: Hier hat ein weiterer global bedeutender Technologiekonzern seinen Hauptsitz.  © Felix Kästle/dpa
Das Forum der ZF Friedrichshafen wird von der Abendsonne angestrahlt.
Die ZF Friedrichshafen ist mit über 161.600 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer der Welt.  © Felix Kästle/dpa
Blick auf Gebäudeteile der Firmenzentrale des Software-Unternehmens SAP in Walldorf.
Darüber hinaus hat auch das wertvollste Unternehmen Europas seinen Sitz in Baden-Württemberg.  © Uwe Anspach/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
Genau, die SAP: der Softwarekonzern beschäftigt weltweit mehr als 109.000 Mitarbeiter. Nun geht es aber zurück in die Industrie.  © Uwe Anspach/dpa
Ein Mitarbeiter putzt vor der Präsentation den Mercedes-Stern des neuen Fernverkehrs-Lkw eActros 600.
Mercedes hatten wir doch schon in der Liste! Richtig, es gibt aber noch ein Unternehmen, das dieses legendäre Logo tragen darf.  © Jonas Walzberg/dpa
Ein Mercedes-Benz Lastwagen steht vor der Zentrale von Daimler Truck.
Daimler Truck gilt mit rund 102.900 Mitarbeitern als größter Nutzfahrzeughersteller der Welt.  © Bernd Weißbrod/dpa
Influencerin Pamela Reif (l) kassiert in einer dm Filiale für einen guten Zweck.
Na gut, ein Export-Schlager aus Karlsruhe darf auch nicht fehlen. Und damit ist nicht Influencerin Pamela Reif gemeint.  © Christoph Schmidt/dpa
Eine dm-Filiale in Homburg, Saarland.
Sondern dm. Die Drogeriemarktkette gilt mit 4.100 Filialen und knapp 90.000 Mitarbeitern als größte der Welt. © IMAGO/Lobeca
Eine Zweigstelle von Würth in Kempten im Allgäu, Bayern.
Wenn wir schon bei Superlativen sind: Auch das weltgrößte Unternehmen für Befestigungstechnik hat seinen Sitz im Ländle.  © IMAGO/imageBROKER/Manfred Bail
Der Konzernsitz der Würth-Gruppe in Künzelsau, Baden-Württemberg.
Würth: Aus einem Schraubenhandel in Künzelsau entwickelte sich ein Weltkonzern mit heute über 88.000 Mitarbeitern. © IMAGO/Arnulf Hettrich
Arnd Franz, der Vorstandsvorsitzende des Automobilzulieferers Mahle, betrachtet bei der Bilanz-Pressekonferenz am Stammsitz in Stuttgart ein Gravel-Bike mit einem Mahle Antrieb.
Ein bekannter Fahrrad-Hersteller aus Baden-Württemberg? Nein, hier geht es um den Antrieb.  © Bernd Weißbrod/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen.
Autozulieferer Mahle, der natürlich nicht nur Fahrrad-Antriebe baut, beschäftigt weltweit knapp 70.000 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Die Werkszentrale von Freudenberg in Weinheim.
Freudenberg? Hier geht es nicht um die bayerische Gemeinde, sondern um einen echten Hidden Champion. © Ronald Wittek/dpa
: Ein Putzgerät der Marke Vileda liegt im Showroom des Technologiekonzerns Freudenberg.
Der Freudenberg-Konzern beschäftigt mehr als 52.000 Mitarbeiter und ist vor allem für die Marke Vileda bekannt.  © Uwe Anspach/dpa
Eine Firmenlogo des Baustoffkonzerns „Heidelberg Materials“, ehemals „HeidelbergCement“, ist an einem vor der Firmenzentrale geparkten Betonmischer angebracht.
Von Reinigungsprodukten zum weltgrößten Baustoffhersteller? So ist das halt mit Listen, die nach Mitarbeiterzahl geordnet sind.  © Uwe Anspach/dpa
Firmenzentrale des börsennotierten Baustoffkonzerns Heidelberg Materials in Heidelberg, Baden-Württemberg.
Heidelberg Materials, ehemals unter anderem HeidelbergCement, beschäftigt rund 51.000 Mitarbeiter auf fünf Kontinenten.  © IMAGO/Udo Herrmann
Eine Mitarbeiterin geht im Lager des Pharma-Großhändlers Phoenix in Gotha (Thüringen) zwischen Regalen entlang.
Und was wird hier gelagert? Schrauben, Werkzeuge? Nein, Pharmazubehör - und Ausrüstung.  © Martin Schutt/dpa
Ein Firmenschild mit dem Unternehmenslogo steht vor der Firmenzentrale des Pharmahändlers Phoenix.
Der Pharmagroßhändler Phoenix Pharma mit Hauptsitz in Mannheim beschäftigt über 48.000 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa
Das Logo des Optikkonzerns Zeiss auf Flaggen vor dem Firmensitz (links). Das Wappen von Sportwagenbauer Porsche (rechts).
Weitere große Unternehmen sind Zeiss (rund 46.000 Mitarbeiter) und der Sportwagenbauer Porsche (mehr als 42.000 Angestellte).  ©  IMAGO/CHROMORANGE & Marijan Murat/dpa

Mit der Vereinbarung zur Arbeitszeitkürzung, die für die Mitarbeiter auch mit einer entsprechenden Gehaltskürzung einherging, sollte ein Stellenabbau in Schweinfurt vermieden werden. Im Frühjahr 2025 kam aber erneut Unruhe an dem Standort auf, als sich ZF gegen Schweinfurt entschied und stattdessen ankündigte, im Ausland investieren zu wollen. Durch eine mit den Arbeitnehmervertretern geschlossene Vereinbarung sind betriebsbedingte Kündigungen an dem Standort aber eigentlich bis Ende Juni 2028 ausgeschlossen. Genau solche befürchtet der Betriebsrat nun aber.

ZF Friedrichshafen: Betriebsrat befürchtet mindestens 650 Kündigungen in Schweinfurt

Oliver Moll, der Betriebsratsvorsitzende am ZF-Standort Schweinfurt, bestätigte der WirtschaftsWoche, dass eine Verlängerung der Arbeitszeitkürzung abgelehnt worden sei. Der Konzern aus Friedrichshafen (Baden-Württemberg) teilte dagegen mit, weiterhin für Gespräche über eine Verlängerung der Maßnahme offen zu sein. An Spekulationen zu den Folgen einer Nichtverlängerung der Vereinbarung wolle sich ZF nicht beteiligen, sagte ein Sprecher. Moll hat dagegen sehr klare Vorstellungen von den Folgen. „Mit der Ablehnung müssen wir in Schweinfurt jetzt betriebsbedingte Kündigungen von mindestens 650 Arbeitsplätzen befürchten“, erklärte er.

Name ZF Friedrichshafen AG
Gründungsjahr1915
HauptsitzFriedrichshafen, Baden-Württemberg
BrancheAutomobilzulieferer, Mobilitätssysteme
GeschäftsbereicheAutomobilzulieferer, Antriebs- und Fahrwerktechnik, E-Mobilität, Automatisierungstechnik, Industrietechnik, Nutzfahrzeugtechnik
Mitarbeiterzahl161.600 (Stand: Ende 2024)
Produktionsstandorte168 in 32 Staaten
Hauptentwicklungsstandorte\t19 in neun Ländern
Umsatz41,4 Milliarden Euro (2024)
Geschäftsführung\tHolger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender)
Anteilseigner93,8 Prozent Zeppelin Stiftung (Stiftungsträger ist die Stadt Friedrichshafen), 6,2 Prozent Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung

Die Kürzung der Arbeitszeit von 35 auf 32,5 Stunden pro Woche hat laut der ZF Friedrichshafen bislang das Ziel erfüllt, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Der Konzern konnte dadurch die Gehälter von rund 300 Vollzeitkräften einsparen. Anfang Mai hatte der Konzern auch am Stammsitz die Arbeitszeit von rund 2.800 Mitarbeitern gekürzt; diese Kurzarbeit schürte am Standort aber nur die Sorge vor einem Arbeitsplatzabbau.

Am ZF-Standort Schweinfurt läuft Ende Juni die Vereinbarung zur Arbeitszeitkürzung aus. Der Betriebsrat befürchtet betriebsbedingte Kündigungen.

ZF Friedrichshafen hat mit hohen Schulden und der Transformation zu kämpfen

Dass der nach Bosch zweitgrößte deutsche Automobilzulieferer derzeit auf eine massive Kostenreduzierung setzen muss, hat mehrere Gründe. Zum einen belasten den Stiftungskonzern Milliardenschulden durch die Übernahme der Konkurrenten Wabco und TRW Automotive, zum andern machen der ZF auch die schwierige Transformation und der stockende Hochlauf der Elektromobilität zu schaffen. Im Geschäftsjahr 2024 erwirtschaftete ZF einen Milliardenverlust und rutschte noch tiefer in die Krise. Diesen Problemen will der Traditionskonzern mit Sparmaßnahmen und einer Neuaufstellung entgegenwirken.

Rubriklistenbild: © Laurenz Weipert/ZF Friedrichshafen AG

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