ZF Friedrichshafen: An deutschem Werk droht hohe Zahl betriebsbedingter Kündigungen
VonJulian Baumann
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ZF Friedrichshafen bleibt in Aufruhr. Mit dem Auslaufen einer Vereinbarung Ende Juni erwartet der Betriebsrat viele betriebsbedingte Kündigungen an einem Standort.
Friedrichshafen/Schweinfurt – Der Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen befindet sich nach wie vor in einer groß angelegten Neuaufstellung, die bis 2028 bis zu 14.000 Stellen kosten soll. Um schnell Personalkosten einsparen zu können, hatte der Stiftungskonzern vom Bodensee am Standort Schweinfurt (Bayern) die Arbeitszeit von 5.500 Mitarbeitern gekürzt. Diese Vereinbarung läuft allerdings Ende Juni aus und der Betriebsrat am Standort hat eine Verlängerung abgelehnt, wie die WirtschaftsWoche aktuell berichtet. Nun wird befürchtet, dass es zu einer hohen Zahl an betriebsbedingten Kündigungen kommt.
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Mit der Vereinbarung zur Arbeitszeitkürzung, die für die Mitarbeiter auch mit einer entsprechenden Gehaltskürzung einherging, sollte ein Stellenabbau in Schweinfurt vermieden werden. Im Frühjahr 2025 kam aber erneut Unruhe an dem Standort auf, als sich ZF gegen Schweinfurt entschied und stattdessen ankündigte, im Ausland investieren zu wollen. Durch eine mit den Arbeitnehmervertretern geschlossene Vereinbarung sind betriebsbedingte Kündigungen an dem Standort aber eigentlich bis Ende Juni 2028 ausgeschlossen. Genau solche befürchtet der Betriebsrat nun aber.
ZF Friedrichshafen: Betriebsrat befürchtet mindestens 650 Kündigungen in Schweinfurt
Oliver Moll, der Betriebsratsvorsitzende am ZF-Standort Schweinfurt, bestätigte der WirtschaftsWoche, dass eine Verlängerung der Arbeitszeitkürzung abgelehnt worden sei. Der Konzern aus Friedrichshafen (Baden-Württemberg) teilte dagegen mit, weiterhin für Gespräche über eine Verlängerung der Maßnahme offen zu sein. An Spekulationen zu den Folgen einer Nichtverlängerung der Vereinbarung wolle sich ZF nicht beteiligen, sagte ein Sprecher. Moll hat dagegen sehr klare Vorstellungen von den Folgen. „Mit der Ablehnung müssen wir in Schweinfurt jetzt betriebsbedingte Kündigungen von mindestens 650 Arbeitsplätzen befürchten“, erklärte er.
Name
ZF Friedrichshafen AG
Gründungsjahr
1915
Hauptsitz
Friedrichshafen, Baden-Württemberg
Branche
Automobilzulieferer, Mobilitätssysteme
Geschäftsbereiche
Automobilzulieferer, Antriebs- und Fahrwerktechnik, E-Mobilität, Automatisierungstechnik, Industrietechnik, Nutzfahrzeugtechnik
Mitarbeiterzahl
161.600 (Stand: Ende 2024)
Produktionsstandorte
168 in 32 Staaten
Hauptentwicklungsstandorte\t
19 in neun Ländern
Umsatz
41,4 Milliarden Euro (2024)
Geschäftsführung\t
Holger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender)
Anteilseigner
93,8 Prozent Zeppelin Stiftung (Stiftungsträger ist die Stadt Friedrichshafen), 6,2 Prozent Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung
Die Kürzung der Arbeitszeit von 35 auf 32,5 Stunden pro Woche hat laut der ZF Friedrichshafen bislang das Ziel erfüllt, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Der Konzern konnte dadurch die Gehälter von rund 300 Vollzeitkräften einsparen. Anfang Mai hatte der Konzern auch am Stammsitz die Arbeitszeit von rund 2.800 Mitarbeitern gekürzt; diese Kurzarbeit schürte am Standort aber nur die Sorge vor einem Arbeitsplatzabbau.
ZF Friedrichshafen hat mit hohen Schulden und der Transformation zu kämpfen
Dass der nach Bosch zweitgrößte deutsche Automobilzulieferer derzeit auf eine massive Kostenreduzierung setzen muss, hat mehrere Gründe. Zum einen belasten den Stiftungskonzern Milliardenschulden durch die Übernahme der Konkurrenten Wabco und TRW Automotive, zum andern machen der ZF auch die schwierige Transformation und der stockende Hochlauf der Elektromobilität zu schaffen. Im Geschäftsjahr 2024 erwirtschaftete ZF einen Milliardenverlust und rutschte noch tiefer in die Krise. Diesen Problemen will der Traditionskonzern mit Sparmaßnahmen und einer Neuaufstellung entgegenwirken.