Zukunft der Gigafabrik mit 2.000 Jobs in Deutschland ungewiss - Blick richtet sich auf Frankreich
VonJulian Baumann
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Die vorgesehene Batterieproduktionsstätte von ACC in Kaiserslautern bleibt vorerst auf der Strecke. Das Gemeinschaftsunternehmen plant, sich zunächst auf die Fabrik in Frankreich zu fokussieren.
Kaiserslautern – Der Hochlauf der Elektromobilität schwächelt massiv, was sich aktuell unter anderem beim einstigen Weltmarktführer Tesla auf dramatische Weise bemerkbar macht. Diese Entwicklung schlägt sich auch in der Nachfrage nach Lithium-Ionen-Batterien nieder und eine bereits 2021 genehmigte Gigafactory auf dem ehemaligen Opel-Gelände in Kaiserslautern (Rheinland-Pfalz) rückt weiter in die Ferne. Ursprünglich wollte das Unternehmen Automotive Cells Company (ACC), an dem auch Autobauer Mercedes-Benz beteiligt ist, bereits zu Beginn des Jahres 2025 Batterien für 600.000 Autos produzieren, das engagierte Projekt liegt aber seit vergangenem Jahr auf Eis.
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Bereits Mitte 2024 hieß es, dass die geplante Batteriefabrik, die 2.000 Arbeitsplätze in Kaiserslautern schaffen soll, auf der Kippe stehen könnte. Als Grund nannte das Gemeinschaftsunternehmen des Autokonzerns Stellantis und des französischen Energieanbieters Total Energies die stark zurückgegangene Nachfrage nach elektrischen Fahrzeugen in Europa. Doch wie steht es beinahe ein Jahr später um das Projekt, das die damalige rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) als „Sternstunde“ bezeichnet hatte und an dem Bund und Land mit 437 Millionen Euro beteiligt sind?
ACC hält an Batteriefabrik in Kaiserslautern fest - will aber vorrangig in Frankreich investieren
Nach Recherchen des SWR hält ACC trotz des Baustopps zum aktuellen Stand weiterhin an den Plänen für die Batteriefabrik auf dem ehemaligen Opel-Gelände in Kaiserslautern fest. Die Fabrik soll allerdings deutlich kleiner ausfallen und nur 1.500 statt 2.000 Stellen schaffen; im schlimmsten Fall könnte das Projekt sogar ganz zum Erliegen kommen. Der Grund dafür ist, dass sich ACC vorrangig auf die Steigerung der Produktionseffizienz in der Gigafactory in Billy-Berclau/Douvrin (Frankreich) konzentrieren will. Eine finale Entscheidung über die Zukunft des Projektes in Kaiserslautern „wird nicht vor Ende 2025 erwartet“, heißt es demnach von dem Joint-Venture.
Name
Automotive Cells Company (ACC)
Gründung
3. September 2020
Sitz
Bruges, Frankreich
Branche
Elektrotechnik, Batterieproduktion
Anteilseigner
Stellantis, Mercedes-Benz, Saft (Tochtergesellschaft von TotalEnergies)
Mitarbeiter
1.500 (2023)
Dass die Nachfrage nach Batterien für Elektrofahrzeuge bei der aktuell weltweit schwächelnden Autoindustrie stark zurückgegangen ist, ist kein Geheimnis. Der europäische Hoffnungsträger Northvolt musste sogar in seiner schwedischen Heimat Insolvenz anmelden. Im Falle von ACC in Kaiserslautern war bereits im vergangenen Jahr die Rede von einer „Pause“ und auch aktuell scheint das Unternehmen weiterhin an dem Projekt festhalten zu wollen, investiert aber eben zunächst in Frankreich. Laut dem SWR liegt auch eine dritte geplante Batteriefabrik in Italien auf Eis.
Nach Wolfspeed im Saarland und Intel in Magdeburg: Nächste Batteriefabrik vor dem endgültigen Aus?
Die Automotive Cells Company wurde im Jahr 2020 mit dem Ziel gegründet, eine europäische Batteriezellenfertigung für den Hochlauf der Elektromobilität aufzubauen. Durch die schwache Nachfrage nach elektrischen Fahrzeugen hat das Joint Venture aktuell aber scheinbar sogar Probleme, die Kapazität der bislang einzigen fertiggestellten Fabrik auszulasten. Eine seit langem geplante Batteriefabrik im Saarland war Ende 2024 endgültig eingestellt worden, da sich der Autozulieferer ZF Friedrichshafen von dem Projekt zurückzog und auch die Intel-Fabrik in Magdeburg (Sachsen-Anhalt) ist gescheitert.
Neben dem Rückschlag für die deutsche Industrie wäre das Scheitern der ACC-Batteriefabrik in Kaiserslautern auch ein massiver Verlust für die Wirtschaft im Südwesten. Nach dem aktuellen Stand sollen auf dem ehemaligen Opel-Gelände zwar noch immer 1.500 neue Arbeitsplätze entstehen, da ACC aber erst Ende 2025 über die Fortführung des Projektes entscheiden will, rückt der Produktionsstart in weite Ferne. Zuletzt hatte ein Traditionsunternehmen aus Rheinland-Pfalz einen weiteren Stellenabbau bestätigt.