VonLisa Mayerhoferschließen
Die Merz-Regierung diskutiert über das Rentenpaket 2025. Zwei Wissenschaftler verlangen einen Verzicht der Maßnahmen, um das deutsche Rentensystem zukunftsfähig zu halten.
Berlin – Die schwarz-rote Koalition unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) zofft sich heftig über das Rentenpaket 2025. Darin enthalten sind Wahlgeschenke von CDU/CSU und SPD an Rentnerinnen und Rentner, wie die Haltelinie beim Rentenniveau und die ausgeweitete Mütterrente. Die Junge Gruppe der Union möchte das Vorhaben blockieren. Die Rentenbeschlüsse stoßen auch bei Ökonomen und Experten auf harte Kritik.
Dazu gehören unter anderem der Gesundheitsforscher Stefan Fetzer (Hochschule Aalen) und der Finanzwissenschaftler Christian Hagist (WHU – Otto Beisheim School of Management), die in einem Beitrag in der Zeitschrift Wirtschaftsdienst harte Einschnitte in das Rentensystem fordern. Ohne passende Reformen werde der Gesamtbeitragssatz für die Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung nach 2044 auf über 50 Prozent steigen, warnen die Wissenschaftler: „Demografie und steigende Ausgaben bedrohen den Generationenvertrag und die Finanzierungsbasis der Sozialen Marktwirtschaft.“
Rente vor dem Aus? Forscher fordern Verzicht auf Rentenpaket der Merz-Regierung
Sie fordern deshalb einen Verzicht auf die im Rentenpaket vorgesehene Verlängerung der Haltelinie für das Rentenniveau von 48 Prozent und die Streichung der Verbesserung der Mütterrente, wie auch ihre-vorsorge.de berichtet. Das Renteneintrittsalter solle an die Lebenserwartung gekoppelt werden. Zudem verlangen sie eine Wiedereinführung des derzeit de facto unwirksamen Nachhaltigkeitsfaktors in der Rentenanpassungsformel. Der Nachhaltigkeitsfaktor müsse allerdings nicht nur wieder wirksam, sondern auch „schärfer“ geschaltet werden, schreiben die Wissenschaftler. Dies führe dann aber auch dazu, dass das Rentenniveau noch deutlicher sinken würde.
Alternativen gebe es aber keine. Und: „Die Zeit dafür scheint nicht nur reif, sondern überreif zu sein“, mahnen Hagist und Fetzer aber zur Eile. Ansonsten drohe Deutschland wegen zu hoher Lohnnebenkosten nicht nur im Hinblick auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit weiter ins Hintertreffen zu geraten. Auch das ganze Sozialversicherungssystem könnte wegen der wegbrechenden Einnahmenbasis kippen. „Die Grausamkeit der dann notwendigen Reformen können sich die heutigen Entscheider vermutlich gar nicht vorstellen“, warnen die Wissenschaftler.
Wissenschaftler mahnen schnelle Renten-Reformen an: „Sonst ist es zu spät“
Doch da solche Vorschläge auf Wählerinnen und Wähler eher abschreckend wirken dürften, ist es mehr als fraglich, ob die Merz-Regierung ihr Rentenpaket zurücknimmt und stattdessen die von den Wissenschaftlern vorgeschlagenen Reformen in Angriff nehmen wird. Immerhin ist aber geplant, dass das Kabinett noch in diesem Jahr die Einsetzung einer Kommission beschließt, die Vorschläge zur Zukunft der Rente machen soll.
Diese soll dann am Jahresanfang ihre Arbeit aufnehmen und könnte bis Mitte 2026 Ergebnisse vorlegen, schreibt die Tagesschau. Hagist und Fetzer warnen dazu: „Die Kommissionen müssen schnellstens zu Ergebnissen kommen, die politische Verantwortlichen diese zügig umsetzen – sonst ist es zu spät.“ (Quellen: Wirtschaftsdienst, ihre-vorsorge.de, Tagesschau, dpa) (lima)
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