VonLars-Eric Nievelsteinschließen
Die russische Zentralbank senkt die Leitzinsen. Ein Grund dafür ist die Abkühlung in der Wirtschaft. Allerdings bleibt die Inflation hoch.
Moskau – Russlands Wirtschaft steht von mehreren Seiten aus unter Druck. Einerseits drücken Sanktionen auf die Wirtschaftsleistung und verhindern wichtige Transaktionen. Andererseits haben Maßnahmen von Kreml-Chef Wladimir Putin selbst dazu geführt, dass die Inflation drastisch gestiegen ist. Jetzt kommt es zu einer kleinen Erleichterung. Die Zentralbank unternimmt einen neuen Zinsschnitt.
Russlands Zentralbank senkt die Leitzinsen – Inflationserwartung bleibt jedoch „anhaltend hoch“
Am Freitag (12. September) gab sie bekannt, den Leitzins um 1,0 Prozent auf 17,0 Prozent zu kürzen. Der Wirtschaft kommt das gelegen: Die hohen Kreditkosten und eine deutlich abgekühlte Konjunktur sorgen für Druck. Allerdings gehen die Entscheider bei der russischen Zentralbank vorsichtig vor. Noch im September 2024 hatten sie den Leitzins auf ein historisches Hoch von 21 Prozent angehoben. Diese Senkung ist die zweite in nur kurzer Zeit. Im Juli erst hatte die Zentralbank den Leitzins von 20 Prozent auf 18 Prozent gesenkt.
Damit will die Bank die hohe Inflation bekämpfen. Diese hatte vorrangig wegen erheblicher Investitionen des Kremls in den Militärsektor zugenommen. Zugleich wollen die Währungshüter in der Zentralbank ihre straffe Geldpolitik beibehalten. Die Inflationserwartungen seien „anhaltend hoch“, zitierte die Moscow Times. Anfang September lag die jährliche Inflationsrate bei 8,2 Prozent – die Zentralbank peilt ein Ziel um die 4,0 Prozent an. Bis Ende 2025, so jedenfalls die Prognose aus Moskau, soll die Inflation sich auf sechs bis sieben Prozent abkühlen.
Verschiedene Schwächen in Russlands Wirtschaft – hohe Zinsen erschweren Investments
Für Kreml-Chef Wladimir Putin sind das gute Nachrichten. Er hatte sich einige Male beschwert, dass die Zentralbank ihre Zinsschritte nicht schnell genug durchführe. Seit einigen Monaten knirscht es zunehmend im Getriebe von Russlands Wirtschaft. Die hohen Zinsen hatten sowohl die Investmentlaune der Unternehmen gedrückt, als auch private Haushalte dazu gebracht, weniger Geld zu leihen.
Zugleich geht im Bankensektor die Sorge vor schlechten Krediten um. Im Sommer waren bereits Gerüchte darüber aufgekommen, dass in den Führungsetagen einiger wichtiger Banken bereits eine Rettungsaktion durch den Kreml besprochen werde.
Diese Entwicklung habe sich auch in den Zahlen am Kreditmarkt widergespiegelt. Im Juli 2025 war der russische Kreditmarkt um 1,7 Billionen Rubel gewachsen und hatte einen Schuldenstand von 150 Billionen Rubel erreicht (umgerechnet 1,6 Billionen Euro). Die jährliche Wachstumsrate betrug im Juli 10,1 Prozent – das niedrigste Tempo seit 2021.
Wirtschaft kühlt weiter ab – wichtige Einkommensquellen schwächeln
Für das Jahr 2025 steht Russlands Wirtschaft eine erhebliche Abkühlung bevor. Erst Ende August hatte der russische Finanzminister Anton Siluanow mitgeteilt, dass das Land die jährliche Wachstumsprognose herunterschraubt. Vorher betrug das prognostizierte Wachstum 2,5 Prozent, nach neuer Prognose sollen es nurmehr 1,5 Prozent sein.
Wichtige Sektoren schwächeln deutlich. Große Öl- und Gasfirmen hatten zuletzt erhebliche Verluste berichtet. Weil der Kreml dafür gesorgt hatte, dass Banken Unternehmen, die an den Rüstungssektor angedockt sind, zu großzügige Kreditangebote machen mussten, sahen westliche Ökonomen großes Potenzial für schlechte Kredite innerhalb des Marktes für Unternehmenskredite. Harvard-Forscher und ehemaliger Investment-Banker Craig Kennedy mahnte gar vor einem Grundstock aus „toxischen Schulden“.
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