„Harte Bedingungen“

Kriegswirtschaft in Putins Russland stockt – Kreml senkt Wachstumserwartungen

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Russlands Wirtschaft enttäuscht bei der Wachstumsprognose. Der Kreml hat neue, niedrigere Zahlen bekanntgegeben. Die Gründe sind vielfältig.

Moskau – Für Russlands Wirtschaft häufen sich derzeit die schlechten Nachrichten. Ein wichtiger Drohnenproduzent steht vor der Insolvenz, in der Kohlebranche kommt es ebenfalls zu Schließungen, die Einnahmen aus dem Verkauf von Öl brachen ein und die Haushalte sehen von neuen Krediten ab. Vom Finanzminister kam bereits die Warnung: Russland steht am Rande der Rezession. Jetzt passt der Kreml die Prognose an.

„Harte Bedingungen“ – Kreml-Offizieller sieht schwächeres Wachstum in Russlands Wirtschaft voraus

Neue Zahlen zeigen, dass auch der Kreml sich auf ein schwächeres Wirtschaftswachstum vorbereitet. Am Mittwoch (27. August) teilte der russische Finanzminister Anton Siluanow seinem Präsidenten Wladimir Putin mit, dass das Land seine jährliche Wachstumsprognose senken wird. Anstatt eines prognostizierten Wachstums von 2,5 Prozent sollen es 1,5 Prozent sein. Das zeigt deutlich: Die Kriegswirtschaft ist an ihre Grenzen gestoßen.

Bildmontage aus Wladimir Putin (links) und Maxim Reschetnikow (rechts) (Symbolfoto). Russlands Wirtschaft soll ein schwächeres Wachstum hinlegen als gedacht. Das zeigen neue Zahlen aus dem Kreml. Die Gründe sind vielfältig.

„Auch wenn wir in diesem Jahr eher harte Bedingungen für die Umsetzung der Geld- und Kreditpolitik sehen, gehen wir davon aus, dass die Wirtschaftswachstumsrate in diesem Jahr nicht weniger als 1,5 Prozent betragen wird, zumindest nach Einschätzung des Wirtschaftsministeriums“, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters Siluanow.

Die Nachricht kommt kaum überraschend. Schon im Juni hatte die Chefin der russischen Zentralbank, Elvira Nabiullina, gewarnt, dass Russlands Wirtschaft an ihre Grenzen gestoßen sei. Der Wirtschaftsminister Maxim Reschetnikow sprach im Juli gar davon, dass das Land am Rande der Rezession stehe. Westliche Sanktionen, vermischt mit den massiven Kriegsinvestitionen, haben zu einem erheblichen Druck auf Russlands Wirtschaft geführt. Unter anderem berichtete das ukrainische Nachrichtenportal Kyiv Independent.

Ökonomen warnen vor Rezession – erhebliche Schwäche in Russlands Wirtschaft

Verschiedene Ökonomen hatten nur kurz zuvor ebenfalls vor einer Rezession in Russland gewarnt. Die genauen Prognosen sind dabei unterschiedlich. Der Ökonom Dmitri Polevoi geht laut der Moscow Times von einem Wachstum nahe null Prozent aus. Bloomberg schrieb von einem „leichten“ Wachstum im Vergleich zum Vorquartal. Liam Peach von Capital Economics und Stanislaw Muraschow (Raiffeisenbank Moskau) sprachen von plus 0,3 Prozent – hier würde Russland also an einer Rezession vorbeikommen.

Zum Vergleich: In den Jahren 2023 und 2024 hatte Russland noch ein Wachstum von jeweils 4,1 Prozent berichtet. Die Botschaft dahinter war klar, Russland zeigte dem Westen, dass es trotz erheblicher wirtschaftlicher Sanktionen weiter wachsen und erfolgreich Handel treiben konnte.

Allerdings hatten Ökonomen früh erkannt, dass dieses Wachstum nur wegen der immensen Kriegsausgaben zustande kam. Der Kreml wendete nicht nur Geld aus dem Staatshaushalt für die Finanzierung der Kriegsanstrengungen auf, sondern sorgte dafür, dass Banken denjenigen Unternehmen, die mit der Kriegswirtschaft zu tun hatten, Kredite zu günstigen Konditionen anboten. Das Problem dabei: Der Markt gab solche Kredite eigentlich nicht her.

Insolvenz-Angst in Russland – im Bankensektor brodeln die Probleme

Der Harvard-Forscher und ehemalige Banker Craig Kennedy sieht in diesem speziellen Kreml-Plan den „hauptsächlichen Treiber“ für Russlands Inflation (im Juli 2025 lag sie bei 8,8 Prozent, berichtete Trading Economics) und die daraus folgenden Schritte der Zentralbank, die den Leitzins zwischenzeitlich bis 21 Prozent angehoben hat. Das wiederum sorgt seit Monaten für Probleme in der Wirtschaft; erst recht in Sektoren, die nicht zur Kriegsindustrie gehören und daher nicht von den günstigeren Krediten profitieren. Unternehmen und Privatverbraucher haben ihre Kreditaufnahme zurückgefahren; Investitionen bleiben aus.

Außerdem steigt die Angst vor großflächigen Insolvenzen. Dass diese berechtigt ist, zeigen die jüngsten Nachrichten aus wichtigen Branchen wie Kohle und Öl. Obendrein gibt es in den großen russischen Banken bereits Geraune über eine mögliche Kreml-Rettungsaktion wegen zu vieler Kredite, die nicht ausreichend bedient werden.

Angesichts all dessen scheinen auch die 1,5 Prozent, die Siluanow nun prognostiziert hat, optimistisch. Die Zahlen für das volle Jahr 2025 werden jedoch erst im Winter vorliegen.

Rubriklistenbild: © IMAGO / ITAR-TASS & IMAGO / ZUMA Press

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