Klima könnte völlig kippen

Alarmierende Prognose: Mächtigster Meeresstrom könnte durch antarktische Eisschmelze kollabieren

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Aktuelle Berechnungen offenbaren: Die Eisauflösung in der Antarktis gefährdet das weltweite Gleichgewicht stärker als bisher vermutet.

Frankfurt – Der antarktische Zirkumpolarstrom ist der mächtigste Meeresstrom der Erde – fünfmal stärker als der Golfstrom. Er verbindet Atlantik, Pazifik und Indischen Ozean wie ein riesiges Förderband. Doch dieses „Förderband“ könnte ins Stocken geraten.

Der stärkste Strom der Welt in Gefahr: Klimakrise droht zu eskalieren

Ein internationales Forscherteam hat mit Hochleistungsrechnern simuliert, was passiert, wenn das antarktische Eis weiter schmilzt. Dabei würden enorme Mengen Süßwasser in den Ozean eingespeist, was den Salzgehalt und damit die Strömungen massiv beeinflussen könnte. Diplom-Meteorologe Dominik Jung von wetter.net erklärt: „Die Meeresströmungen sind das Rückgrat unseres globalen Klimasystems. Wenn sich der antarktische Zirkumpolarstrom abschwächt, drohen weitreichende Folgen – nicht nur für den Süden der Erde.“

Das Eis der Antarktis schmilzt immer mehr dahin. Das bleibt nicht ohne Folgen.

Das Team aus norwegischen, indischen und australischen Forschern hat die Ergebnisse nun in der Fachzeitschrift Environmental Research Letters veröffentlicht. Die Berechnungen zeigen: Eine Verlangsamung dieses gewaltigen Stroms könnte die Fähigkeit der Ozeane, CO₂ aus der Atmosphäre aufzunehmen, stark verringern.

Dadurch würde die Erderwärmung zusätzlich beschleunigt. Schon jetzt, so betont Klimaforscher Taimoor Sohail, sei das Ziel des Pariser Klimaabkommens von 1,5 Grad Erderwärmung wohl überschritten. Mit weiter steigenden Temperaturen drohen mehr Extremwetterereignisse, Dürren und Überschwemmungen weltweit.

Eisschmelze in der Antarktis mit drastischen Folgen: Ökosysteme vor dem Kollaps

Neben den Folgen für das Klima wäre auch das empfindliche antarktische Ökosystem bedroht. Durch veränderte Strömungen könnten sich Algen und Muscheln an neuen Stellen ansiedeln. Das würde das ökologische Gleichgewicht durcheinanderbringen – mit drastischen Folgen für die Fischerei und die Lebensgrundlage vieler Küstengemeinden. Auch das marine Nahrungsnetz würde empfindlich gestört, was auf andere Ozeane überschwappen könnte. Ein Dominoeffekt, dessen Ende nicht absehbar ist.

Noch sind viele Fragen offen, Antarktis wenig erforscht

Die Forscher selbst mahnen allerdings zur Vorsicht: Die Antarktis sei eine der am wenigsten erforschten Regionen der Erde. Frühere Studien deuteten teilweise sogar auf eine Beschleunigung des Stroms hin. Nun zeigen aktuelle Modelle das Gegenteil. Es wird weitere Forschung nötig sein, um genau zu verstehen, was in den kommenden Jahrzehnten auf die Erde zukommt.

Doch schon jetzt ist klar: Die Schmelze des antarktischen Eises ist nicht nur ein regionales Problem, sondern könnte die gesamte Erde aus dem Gleichgewicht bringen. Indes könnten Riesenviren helfen, die Eisschmelze in Grönland zu verlangsamen.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/Kyodo

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