Eisschmelze mit großen Auswirkungen: Ganzer Kontinent hebt sich
VonKristina Geldt
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Das Eis in der Antarktis schmilzt und der Meeresspiegel steigt. Eine aktuelle Studie zeigt die potenziellen Auswirkungen auf den Kontinent.
Frankfurt – Mit voranschreitendem Anstieg des Meeresspiegels drohen weltweit niedrig liegenden Küstenregionen Überflutungen. Auch Regionen in Deutschland sind laut Angaben der Forschungseinrichtung GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel von diesem Phänomen betroffen. In Schleswig-Holstein liegen demnach fast 25 Prozent der Landesfläche knapp über dem Meeresspiegel, darunter beispielsweise das Marschland an der Nordseeküste. Überschwemmungen sind allerdings nicht die einzige Konsequenz. Dieser Anstieg hat auch Auswirkungen auf das Land unter dem Eis in der Antarktis. Die Ergebnisse einer neuen Studie zeigen, dass sich das Land hebt.
Eis in der Antarktis schmilzt und verursacht, dass das Land sich hebt – mögliche Konsequenzen sind enorm
Das Eisschmelzen in der westlichen Antarktis befindet sich laut Forschungsergebnissen in einem sogenannten „feedback loop“, berichtet die Online-Plattform Colorado Sun. Das sei eine Rückkopplungsschleife, die das Schmelzen des westantarktischen Eisschildes weiter begünstige. Wasser dringe dabei in die „Schüssel“ aus kontinentalem Gestein ein, die einen massiven Gletscher hält, und bringe das Eis so schneller zum Schmelzen. Einfach gesagt, bedeutet das, dass je mehr Eis schmilzt, desto mehr steigt das Wasser. Daraus resultierend dringe mehr Wasser zum Gletscher vor und bringe noch mehr Eis zum Schmelzen. Eine weitere Bedrohung für die Eismassen: Eine Hitzewelle rollt aktuell über die Antarktis und sorgt für rekordverdächtige Temperaturen.
Untersuchungen im Rahmen der Studie zeigen, wie sich das auch auf das Land unter dem Eis auswirkt. Wenn das Eis schmilzt, verringere sich der Druck auf das Gestein, erklären die Fachleute. Dadurch werde das Land nach oben gedrückt und der Verlust weiteren Eises an das Meer verlangsame sich. Berichten der kanadischen McGill Universität zufolge, werde dieses Phänomen „postglaziale Hebung“ genannt.
„in einigen wichtigen Bereichen besonders weich“: Zustand des Landes unter dem Eis begünstigt Anstieg
Auch der Erdmantel unter der antarktischen Eisdecke wurde laut sciencealert.com im Rahmen der Studie untersucht. Dabei sei herausgekommen, dass er „in einigen wichtigen Bereichen besonders weich ist“. Das könne den unerwartet schnellen Anstieg des Landes verursachen. Genauso unerwartet verhält sich der größte Eisberg der Welt, der sich vom Schelfeis der Antarktis vor 30 Jahren löste und sich nun um seine eigene Achse dreht.
Die Gletscher schmelzen – So verändert der Klimawandel die Erde
Das Gestein in der westlichen Antarktis steige Erkenntnissen des Forscherteams zufolge um ungefähr fünf Zentimeter im Jahr, berichtet Colorado Sun. Wenn das Schmelzen auf einem niedrigen oder moderaten Niveau bleibe, könne das also die Bedrohung durch den wachsenden Meeresspiegel beheben. Die McGill Universität erklärt, dass dieser Effekt wie eine natürliche Bremse für den Verlust der Eismassen wirke. Laut Studie könne damit der Beitrag der Antarktis zum Anstieg des Meeresspiegels um bis zu 40 Prozent reduziert werden.
Erderwärmung spielt eine große Rolle: Land kann womöglich nicht mit Schmelzgeschwindigkeit mithalten
Wenn die Erderwärmung bis 2500 verringert werde, dann steige der Meeresspiegel um bis zu 1,7 Meter. Das haben die Forscher mithilfe eines 3D-Modells herausgefunden, erklärt sciencealert.com. Bei ungebremster Erderwärmung liege dieser Wert jedoch bei 19,5 Metern. Sollte das Eisschild schneller schmelzen, als sich das Land heben kann, dann gelange mehr Wasser ins Meer und der Meeresspiegel steige rasanter.
Dann könne das Kontinentalgestein nicht mit der Geschwindigkeit, in der die Gletscher schmelzen, mithalten. Stattdessen könne das den Anstieg des Meeresspiegels entlang besiedelter Küstenregionen beschleunigen. „Sollte es zu einer noch höheren Schmelzgeschwindigkeit kommen, werden noch zu unseren Lebzeiten Miami und New Orleans unter Wasser stehen, sofern sich die Temperaturen nicht stabilisieren“, heißt es in einem Bericht der McGill Universität. Sorge bereitet Experte auch der Thwaites-Gletscher in der Antarktis. Warmes Meerwasser dringt laut einer Studie in ihn ein und verursacht ein „kräftiges Schmelzen“. (gel)