Küstenregionen bedroht

Eisschmelze mit großen Auswirkungen: Ganzer Kontinent hebt sich

  • schließen

Das Eis in der Antarktis schmilzt und der Meeresspiegel steigt. Eine aktuelle Studie zeigt die potenziellen Auswirkungen auf den Kontinent.

Frankfurt – Mit voranschreitendem Anstieg des Meeresspiegels drohen weltweit niedrig liegenden Küstenregionen Überflutungen. Auch Regionen in Deutschland sind laut Angaben der Forschungseinrichtung GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel von diesem Phänomen betroffen. In Schleswig-Holstein liegen demnach fast 25 Prozent der Landesfläche knapp über dem Meeresspiegel, darunter beispielsweise das Marschland an der Nordseeküste. Überschwemmungen sind allerdings nicht die einzige Konsequenz. Dieser Anstieg hat auch Auswirkungen auf das Land unter dem Eis in der Antarktis. Die Ergebnisse einer neuen Studie zeigen, dass sich das Land hebt.

Eis in der Antarktis schmilzt und verursacht, dass das Land sich hebt – mögliche Konsequenzen sind enorm

Das Eisschmelzen in der westlichen Antarktis befindet sich laut Forschungsergebnissen in einem sogenannten „feedback loop“, berichtet die Online-Plattform Colorado Sun. Das sei eine Rückkopplungsschleife, die das Schmelzen des westantarktischen Eisschildes weiter begünstige. Wasser dringe dabei in die „Schüssel“ aus kontinentalem Gestein ein, die einen massiven Gletscher hält, und bringe das Eis so schneller zum Schmelzen. Einfach gesagt, bedeutet das, dass je mehr Eis schmilzt, desto mehr steigt das Wasser. Daraus resultierend dringe mehr Wasser zum Gletscher vor und bringe noch mehr Eis zum Schmelzen. Eine weitere Bedrohung für die Eismassen: Eine Hitzewelle rollt aktuell über die Antarktis und sorgt für rekordverdächtige Temperaturen.

Die Erderwärmung beeinflusst das Gletscherschmelzen in der Antarktis maßgeblich.

Untersuchungen im Rahmen der Studie zeigen, wie sich das auch auf das Land unter dem Eis auswirkt. Wenn das Eis schmilzt, verringere sich der Druck auf das Gestein, erklären die Fachleute. Dadurch werde das Land nach oben gedrückt und der Verlust weiteren Eises an das Meer verlangsame sich. Berichten der kanadischen McGill Universität zufolge, werde dieses Phänomen „postglaziale Hebung“ genannt.

„in einigen wichtigen Bereichen besonders weich“: Zustand des Landes unter dem Eis begünstigt Anstieg

Auch der Erdmantel unter der antarktischen Eisdecke wurde laut sciencealert.com im Rahmen der Studie untersucht. Dabei sei herausgekommen, dass er „in einigen wichtigen Bereichen besonders weich ist“. Das könne den unerwartet schnellen Anstieg des Landes verursachen. Genauso unerwartet verhält sich der größte Eisberg der Welt, der sich vom Schelfeis der Antarktis vor 30 Jahren löste und sich nun um seine eigene Achse dreht.

Die Gletscher schmelzen – So verändert der Klimawandel die Erde

Die Erde erwärmt sich, die Gletscher schmelzen. Links zu sehen ist der Okjökull-Gletscher auf dem Gipfel des Vulkans Ok auf Island im September 1986. Im August 2019 (rechtes Bild) ist von dem einstigen Gletscher nur noch ein kleiner Eisfleck übrig geblieben.
Die Erde erwärmt sich, die Gletscher schmelzen. Links zu sehen ist der Okjökull-Gletscher auf dem Gipfel des Vulkans Ok auf Island im September 1986. Im August 2019 (rechtes Bild) ist von dem einstigen Gletscher nur noch ein kleiner Eisfleck übrig geblieben. © dpa/NASA/AP
„Zieht die Notbremse“ steht auf dem Schild, das ein Mädchen in Island trägt. Sie ist unterwegs zu einer Gedenkveranstaltung für den früheren Gletscher Okjökull. Forschende zeigen immer wieder, dass die Zeit drängt: Die Eismassen der Erde schmelzen immer schneller, der Meeresspiegel steigt und die Ozeane werden warm und sauer.
„Zieht die Notbremse“ steht auf dem Schild, das ein Mädchen in Island trägt. Sie ist unterwegs zu einer Gedenkveranstaltung für den früheren Gletscher Okjökull. Forschende zeigen immer wieder, dass die Zeit drängt: Die Eismassen der Erde schmelzen immer schneller, der Meeresspiegel steigt und die Ozeane werden warm und sauer. © Felipe Dana/dpa
Wichtige Gletscherteile des Titlisgletschers werden vor dem Sommer 2018 mit Vlies bedeckt, um sie in den warmen Sommermonaten vor dem Schmelzen zu schützen. Rund 6000 Quadratmeter Vlies sollen bis zum Herbst die Eishöhe von bis zu anderthalb Metern schützen.
Wichtige Gletscherteile des Titlisgletschers werden vor dem Sommer 2018 mit Vlies bedeckt, um sie in den warmen Sommermonaten vor dem Schmelzen zu schützen. Rund 6000 Quadratmeter Vlies sollen bis zum Herbst die Eishöhe von bis zu anderthalb Metern schützen. © Urs Flueeler/dpa
Der Nevado Huascarán ist mit 6768 Metern der höchste Berg Perus. Das Eis am Gipfel des Bergs ist tausend Jahre alt und soll Forschenden Informationen rund um den Klimawandel liefern. Bei einer Expedition im Jahr 2019 wurden Eisproben entnommen.
Der Nevado Huascarán ist mit 6768 Metern der höchste Berg Perus. Das Eis am Gipfel des Bergs ist tausend Jahre alt und soll Forschenden Informationen rund um den Klimawandel liefern. Bei einer Expedition im Jahr 2019 wurden Eisproben entnommen. © Oscar Vilca/INAIGEM/afp
Auch der Rhonegletscher, der älteste Gletscher der Alpen, wird durch spezielle Decken vor dem Schmelzen geschützt. So soll verhindert werden, dass die Gletscher in den Alpen verschwinden.
Auch der Rhonegletscher, der älteste Gletscher der Alpen, wird durch spezielle Decken vor dem Schmelzen geschützt. So soll verhindert werden, dass die Gletscher in den Alpen verschwinden. © Urs Flueeler/dpa
Ein Eisberg schwimmt im Juni 2019 durch die Bonavista Bay in Neufundland. Wasser von Eisbergen gilt als „rein“ und wird für bestimmte Produkte vermarktet – unter anderem für Wodka, Likör, Bier und Kosmetik. Gleichzeitig schmilzt das Eis dieser Erde immer schneller – eine schlechte Kombination.
Ein Eisberg schwimmt im Juni 2019 durch die Bonavista Bay in Neufundland. Wasser von Eisbergen gilt als „rein“ und wird für bestimmte Produkte vermarktet – unter anderem für Wodka, Likör, Bier und Kosmetik. Gleichzeitig schmilzt das Eis dieser Erde immer schneller – eine schlechte Kombination. © Johannes Eisele/afp
Ein Eisberg an der südöstlichen Küste Grönlands kalbt: Eine große Eismasse bricht vom Apusiajik-Gletscher ab und stürzt ins Wasser.
Ein Eisberg an der südöstlichen Küste Grönlands kalbt: Eine große Eismasse bricht vom Apusiajik-Gletscher ab und stürzt ins Wasser. © Jonathan Nackstrand/afp
Der Aletsch-Gletscher ist der größte Gletscher in den Alpen. Wenn nichts getan wird, um den Klimawandel aufzuhalten, könnte er bis zum Ende des Jahrhunderts komplett verschwinden, hat eine Studie im Jahr 2019 gezeigt.
Der Aletsch-Gletscher ist der größte Gletscher in den Alpen. Wenn nichts getan wird, um den Klimawandel aufzuhalten, könnte er bis zum Ende des Jahrhunderts komplett verschwinden, hat eine Studie im Jahr 2019 gezeigt. © Fabrice Coffrini/afp
Das Foto stammt aus dem Jahr 2007, doch an der Situation hat sich seitdem nicht viel geändert: Die massiven Gletscher Tibets leiden unter dem Klimawandel und schmelzen. In den vergangenen Jahrzehnten sei das Eis in dieser Region zehnmal schneller geschmolzen als in den Jahrhunderten davor, heißt es in einer Studie aus dem Jahr 2019. Seit der letzten kleinen Eiszeit seien zwischen 400 und 600 Kubikkilometer Eis verschwunden – das entspricht dem gesamten Eisvolumen der europäischen Alpen, des Kaukasus und von Skandinavien.
Das Foto stammt aus dem Jahr 2007, doch an der Situation hat sich seitdem nicht viel geändert: Die massiven Gletscher Tibets leiden unter dem Klimawandel und schmelzen. In den vergangenen Jahrzehnten sei das Eis in dieser Region zehnmal schneller geschmolzen als in den Jahrhunderten davor, heißt es in einer Studie aus dem Jahr 2019. Seit der letzten kleinen Eiszeit seien zwischen 400 und 600 Kubikkilometer Eis verschwunden – das entspricht dem gesamten Eisvolumen der europäischen Alpen, des Kaukasus und von Skandinavien. © Peter Parks/afp
Der Gletscher Nr. 12 im Laohugou-Tal im westlichen Teil des Qilian-Gebirges in der nordwestchinesischen Provinz Gansu ist der längste Gletscher im Qilian-Gebirge. Da er aufgrund des Klimawandels schrumpft, sind Ausflüge zu dem Gletscher verboten.
Der Gletscher Nr. 12 im Laohugou-Tal im westlichen Teil des Qilian-Gebirges in der nordwestchinesischen Provinz Gansu ist der längste Gletscher im Qilian-Gebirge. Da er aufgrund des Klimawandels schrumpft, sind Ausflüge zu dem Gletscher verboten. © imago/Xinhua
Im Sommer 2010 ist vom Petermann-Gletscher vor der Nordwestküste Grönlands ein gewaltiger Eisbrocken abgebrochen. Das Bruchstück hat etwa zweieinhalb Mal die Fläche der Insel Sylt, mit dem Wasser, aus dem der Eisbrocken besteht, könnte der gesamte Wasserverbrauch der USA für vier Monate gestillt werden.
Im Sommer 2010 ist vom Petermann-Gletscher vor der Nordwestküste Grönlands ein gewaltiger Eisbrocken abgebrochen. Das Bruchstück hat etwa zweieinhalb Mal die Fläche der Insel Sylt, mit dem Wasser, aus dem der Eisbrocken besteht, könnte der gesamte Wasserverbrauch der USA für vier Monate gestillt werden.  © NASA Earth Observatory/Jesse Allen und Robert Simmon/United States Geological Survey/dpa
Während seiner Zeit als Bundesaußenminister besucht Heiko Maas (l., SPD) Gletscher bei Pond Inlet in der kanadischen Arktis. Die Erderwärmung ist in dieser Region zwei bis drei Mal so stark wie in anderen Weltregionen.
Während seiner Zeit als Bundesaußenminister besucht Heiko Maas (l., SPD) Gletscher bei Pond Inlet in der kanadischen Arktis. Die Erderwärmung ist in dieser Region zwei bis drei Mal so stark wie in anderen Weltregionen. © Kay Nietfeld/dpa

Das Gestein in der westlichen Antarktis steige Erkenntnissen des Forscherteams zufolge um ungefähr fünf Zentimeter im Jahr, berichtet Colorado Sun. Wenn das Schmelzen auf einem niedrigen oder moderaten Niveau bleibe, könne das also die Bedrohung durch den wachsenden Meeresspiegel beheben. Die McGill Universität erklärt, dass dieser Effekt wie eine natürliche Bremse für den Verlust der Eismassen wirke. Laut Studie könne damit der Beitrag der Antarktis zum Anstieg des Meeresspiegels um bis zu 40 Prozent reduziert werden.

Erderwärmung spielt eine große Rolle: Land kann womöglich nicht mit Schmelzgeschwindigkeit mithalten

Wenn die Erderwärmung bis 2500 verringert werde, dann steige der Meeresspiegel um bis zu 1,7 Meter. Das haben die Forscher mithilfe eines 3D-Modells herausgefunden, erklärt sciencealert.com. Bei ungebremster Erderwärmung liege dieser Wert jedoch bei 19,5 Metern. Sollte das Eisschild schneller schmelzen, als sich das Land heben kann, dann gelange mehr Wasser ins Meer und der Meeresspiegel steige rasanter.

Dann könne das Kontinentalgestein nicht mit der Geschwindigkeit, in der die Gletscher schmelzen, mithalten. Stattdessen könne das den Anstieg des Meeresspiegels entlang besiedelter Küstenregionen beschleunigen. „Sollte es zu einer noch höheren Schmelzgeschwindigkeit kommen, werden noch zu unseren Lebzeiten Miami und New Orleans unter Wasser stehen, sofern sich die Temperaturen nicht stabilisieren“, heißt es in einem Bericht der McGill Universität. Sorge bereitet Experte auch der Thwaites-Gletscher in der Antarktis. Warmes Meerwasser dringt laut einer Studie in ihn ein und verursacht ein „kräftiges Schmelzen“(gel)

Rubriklistenbild: ©  IMAGO / Panthermedia

Kommentare