„Natur führt das Experiment durch“

Esa-Mission „Ramses“ soll gefährlichen Asteroiden beim Vorbeiflug an der Erde begleiten

  • schließen

Wenn 2029 der große Asteroid „Apophis“ nah an der Erde vorbeifliegt, soll er von einer Esa-Raumsonde verfolgt und beobachtet werden. Was dahinter steckt.

Paris – Am 13. April 2029 wird ein großer Asteroid der Erde ungewöhnlich nah kommen. Der etwa 340 Meter große Asteroid „Apophis“ soll in nur knapp 32.000 Kilometern Entfernung an unserem Planeten vorbeirauschen. Ein Einschlag wurde schon vor längerer Zeit ausgeschlossen – doch die Forschung will trotzdem genau hinschauen. Schließlich kommt es nicht oft vor, dass ein großer Asteroid der Erde nahekommt – etwa alle 5000 bis 10.000 Jahre. Doch bis zu dem nahen Vorbeiflug sind es nicht einmal mehr fünf Jahre – und es wurden bisher kaum Raumfahrt-Missionen in Stellung gebracht.

Esa will Raumsonde „Ramses“ zum Asteroiden „Apophis“ schicken

Nun macht die europäische Raumfahrtorganisation Esa den ersten Schritt für eine Mission, die „Apophis“ bei seinem Vorbeiflug an der Erde begleiten und beobachten soll. „Ramses“ (Rapid Apophis Mission for Space Safety) soll unter anderem untersuchen, was auf dem Asteroiden geschieht, wenn die Schwerkraft der Erde auf ihn einwirkt. Die Erkenntnisse sollen in die sogenannte „planetare Verteidigung“ mit einfließen, das Fachgebiet, das sich damit beschäftigt, wie gefährliche Himmelskörper vor einem Einschlag auf der Erde abgewehrt werden können.

Name:(99942) Apophis
Typ:Asteroid (Aten-Typ)
Durchmesser:ca. 350 Meter
Umlaufzeit:324 Tage
Entdeckung:19. Juni 2004
Entdecker:Roy Tucker, David J. Tholen und Fabrizio Bernardi (Kitt-Peak-Nationalobservatorium)
Besonderheit:nähert sich der Erde am 13. April 2029 bis auf rund 30.000 km an

Asteroid „Apophis“ rauscht in knapp 32.000 Kilometern an der Erde vorbei

„Es gibt noch so viel, was wir über Asteroiden lernen müssen, aber bisher mussten wir tief ins Sonnensystem reisen, um sie zu studieren und selbst Experimente durchführen, um mit ihrer Oberfläche zu interagieren“, erklärt Patrick Michel, der Forschungsdirektor des französischen „Nationalen Zentrum für wissenschaftliche Forschung“ in einer Esa-Mitteilung. Der Forscher fährt fort: „Zum allerersten Mal bringt die Natur einen solchen Stein zu uns und führt das Experiment selbst durch. Wir müssen nur beobachten, wie ‚Apophis‘ durch starke Gezeitenkräfte gedehnt und gequetscht wird, was Erdrutsche und andere Störungen auslösen und neues Material unter der Oberfläche zum Vorschein bringen könnte.“

Um im Februar 2029 – rechtzeitig vor dem nahen Vorbeiflug an der Erde – in Position zu sein, muss „Ramses“ im April 2028 starten. Das Problem: Die nächste Ministerratssitzung der Esa, die Geld für die Mission zur Verfügung stellen könnte, findet erst im November 2025 statt. Es könnte zu spät sein, wenn erst danach mit den Vorbereitungen für „Ramses“ begonnen wird. Deshalb hat die Esa die Erlaubnis erhalten, so bald wie möglich mit den Vorbereitungsarbeiten für die Mission zu beginnen – unter Nutzung der vorhandenen Ressourcen. Ob die Mission in vollem Umfang durchgeführt wird, soll jedoch erst im November 2025 entschieden werden.

„Apophis“ – ein gefährlicher Asteroid, aber keine Gefahr für die Erde

Als der Asteroid „Apophis“ im Jahr 2004 entdeckt wurde, gab es eine Chance, dass er 2029 oder später die Erde trifft. Doch im Laufe der Zeit und weiteren Beobachtungen wurde klar, dass „Apophis“ der Erde zwar mehrfach nahe kommt, sie aber in mindestens den nächsten hundert Jahren nicht treffen wird.

Würde der Asteroid „Apophis“ die Erde treffen, würde er für große Verwüstung sorgen. Er ist nämlich 340 Meter groß – und bereits Objekte ab etwa 50 Metern Größe gelten als „City Killer“, die eine ganze Stadt verwüsten können. Wegen der potenziellen Gefahr, die von „Apophis“ ausgeht, wurde der Asteroid nach dem wurde nach dem altägyptischen Gott des Chaos benannt.

„Ramses“-Mission der Esa soll Asteroid „Apophis“ ab Februar 2029 begleiten

Geplant ist, dass „Ramses“ mithilfe mehrerer wissenschaftlicher Instrumente eine Vorher-Nachher-Beobachtung des Asteroiden durchführt. Interessant sind unter anderem seine Form, seine Oberfläche, seine Flugbahn, Drehung und Orientierung. Durch die Analyse, wie sich „Apophis“ während des Vorbeiflugs an der Erde verhält, kann die Forschung einiges über den Asteroiden – seine innere Struktur, Masse, Dichte, Porosität und Zusammensetzung – erfahren. All diese Informationen sind wichtig, wenn es darum geht, einen möglicherweise gefährlichen Asteroiden von seiner Flugbahn abzubringen.

Bei „Apophis“ gibt es dieses Risiko derzeit jedoch nicht. Astronominnen und Astronomen können ausschließen, dass „Apophis“ in den nächsten hundert Jahren mit unserem Planeten zusammenstößt. Bereits vor einigen Jahren wurde er deshalb von den Risikolisten der Esa und Raumfahrtorganisation Nasa gestrichen.

Esa-Mission „Ramses“ soll in kürzester Zeit gebaut werden

Für die planetare Verteidigung ist „Ramses“ dennoch eine wichtige Mission. Der Leiter der Esa-Asteroidenabwehr, Richard Moissl, erklärt: „‚Ramses‘ wird zeigen, dass die Menschheit in der Lage ist, innerhalb weniger Jahre eine Aufklärungsmission zum Rendezvous mit einem eintreffenden Asteroiden durchzuführen. Diese Art von Mission ist ein Eckpfeiler für die Reaktion der Menschheit auf einen gefährlichen Asteroiden.“

Der Asteroid Apophis („Gott des Chaos“) schrammt im April 2029 ganz knapp an der Erde vorbei. (Symbolbild)

Laut Moissl würde im Ernstfall zuerst eine Aufklärungsmission gestartet, um die Umlaufbahn und Struktur des Asteroiden zu analysieren. Anhand der Ergebnisse könnte man feststellen, wie der Asteroid am besten umgelenkt werden kann, bevor eine teure Deflektor-Mission entwickelt wird. Paolo Martino, der das „Ramses“-Team für die Esa leitet, betont: „Das Missionskonzept von Ramses nutzt einen Großteil der Technologie, des Fachwissens und der industriellen und wissenschaftlichen Gemeinschaften, die für die ‚Hera‘-Mission entwickelt wurden. ‚Hera‘ hat gezeigt, wie die Esa und die europäische Industrie strenge Fristen einhalten können, und Ramses wird diesem Beispiel folgen.“

Die Raumsonde „Hera“ soll im Herbst 2024 starten und am Doppelasteroiden „Didymos“ untersuchen, was die Nasa-Mission „Dart“ bewirkt hat. Sie hatte im Herbst 2022 den kleineren der beiden Asteroiden gerammt – als Test der planetaren Verteidigung.

Asteroid „Apophis“ wird bereits von einer Nasa-Raumsonde verfolgt

Doch zurück zu „Apophis“: Der Asteroid wird derzeit bereits von einer Raumsonde verfolgt. Die US-Raumfahrtorganisation Nasa hat ihre Raumsonde „Osiris-Rex“, die im vergangenen Jahr Material vom Asteroiden „Bennu“ zur Erde gebracht hat, auf „Apophis“ angesetzt. Sie trägt nun den Namen „Osiris-Apex“ und soll den Asteroiden etwa einen Monat nach dem nahen Vorbeiflug an der Erde erreichen. Auch in Deutschland wird an einer möglichen Mission zu Asteroid „Apophis“ gearbeitet. (tab)

Rubriklistenbild: © NASA/JPL-Caltech

Kommentare