Vor 3,8 Milliarden Jahren

Asteroid formte zwei „Grand Canyons“ auf dem Mond – in nur wenigen Minuten

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Durch einen Asteroideneinschlag wurden zwei gigantische Schluchten auf dem Mond geformt. Diese Entdeckung könnte entscheidende Hinweise für kommende Mond-Missionen liefern.

Frankfurt – Vor etwa 3,8 Milliarden Jahren traf ein gigantischer Asteroid den Mond und formte in kürzester Zeit zwei beeindruckende Schluchten – und das in weniger als zehn Minuten. Die beiden Täler tragen die Namen „Vallis Schrödinger“ und „Vallis Planck“ und erstrecken sich in geraden Linien bis zum ursprünglichen Einschlagpunkt in der Nähe des Südpols des Mondes. Der Fund der Täler wurde am 4. Februar in Nature Communications veröffentlicht.

„Grand Canyons“ auf dem Mond entstanden in kurzer Zeit – Kraftfreisetzung unvorstellbar groß

Vallis Schrödinger ist etwa 270 Kilometer lang und 2,7 Kilometer tief, während Vallis Planck 280 Kilometer lang und bis zu 3,5 Kilometer tief ist. Ihr Entdecker, David Kring, Planeten-Geologe am Lunar and Planetary Institute in Houston, zieht einen ungewöhnlichen Vergleich zur Erde: „Die Landschaft am Südpol des Mondes ist so spektakulär. Wenn es sie auf der Erde gäbe, wäre sie ein National- oder internationaler Park.“ Zum Vergleich: Der Grand Canyon auf der Erde ist 446 Kilometer lang und erreicht eine maximale Tiefe von 1,9 Kilometern, so sciencenews.org.

Die beiden Krater auf dem Mond.

Diese Ausmaße geben auch eine Vorstellung, welche gigantische Energie bei dem Einschlag freigesetzt wurde. Gestein wurde mit riesiger Kraft auf die Mondoberfläche zurückgeschleudert, sodass die beiden Krater entstanden. Wie aus der Veröffentlichung hervorgeht, ist die Entstehungsenergie 1200 bis 2200 Mal größer als bei der für den zweiten Panamakanal geplanten Atomexplosion, 700 Mal größer als die gesamte Energie der Atomtests der USA, UdSSR und Chinas und 130 Mal größer als die Energie des globalen Atomwaffenbestands.

David Kring beschreibt die Entstehung der Schluchten als einen „Stakkato-artigen“ Einschlag von Felsbrocken, die mit enormer Geschwindigkeit in weniger als zehn Minuten auf die Mondoberfläche prallten. „Sie landeten Stakkato-artig, peng-peng-peng-peng-peng“, so Kring.

Der Mond – Ein Himmelskörper, viele Facetten

Kein Himmelskörper verändert sein Aussehen so häufig wie der Mond an unserem Himmel. Mal strahlt er als Vollmond so hell, dass die Nacht erleuchtet wird, mal scheint er nur eine schmale Sichel zu sein, die kaum noch sichtbar ist. Die Faszination Mond in Bildern.
Kein Himmelskörper verändert sein Aussehen so häufig wie der Mond an unserem Himmel. Mal strahlt er als Vollmond so hell, dass die Nacht erleuchtet wird, mal scheint er nur eine schmale Sichel zu sein, die kaum noch sichtbar ist. Die Faszination Mond in Bildern. © Imago/MiS
Der Mond bewegt sich recht schnell am Himmel. Im Osten geht er auf und bewegt sich im Laufe der Zeit über den Himmel, bis er im Westen wieder untergeht.
Der Mond bewegt sich recht schnell am Himmel. Im Osten geht er auf und bewegt sich im Laufe der Zeit über den Himmel, bis er im Westen wieder untergeht. © Imago/Alan Dyer
Diese Aufnahme zeigt den Mond etwa zur Hälfte beleuchtet. Der Mond nimmt zu – in den kommenden Tagen wird er immer voller werden, bis er als heller Vollmond am Himmel strahlt.
Diese Aufnahme zeigt den Mond etwa zur Hälfte beleuchtet. Der Mond nimmt zu – in den kommenden Tagen wird er immer voller werden, bis er als heller Vollmond am Himmel strahlt. © Imago/Gottfried Czepluch
In den Tagen rund um Vollmond kann man bei Mondauf- und -untergang ein eindrucksvolles Phänomen beobachten: die Mondtäuschung. Befindet sich der Mond tief am Horizont und in der Nähe von Objekten, erscheint er deutlich größer, als er tatsächlich ist.
In den Tagen rund um Vollmond kann man bei Mondauf- und -untergang ein eindrucksvolles Phänomen beobachten: die Mondtäuschung. Befindet sich der Mond tief am Horizont und in der Nähe von Objekten, erscheint er deutlich größer, als er tatsächlich ist. © Imago/Riccardo Fabi
Ein anderes Phänomen – der sogenannte Supermond – macht den Vollmond am Himmel tatsächlich etwas größer. Der Vollmond befindet sich dann auf seiner Umlaufbahn etwas näher an der Erde als sonst, was regelmäßige Mond-Beobachter am Himmel erkennen können. Auch das Licht des Mondes erscheint dann heller.
Ein anderes Phänomen – der sogenannte Supermond – macht den Vollmond am Himmel tatsächlich etwas größer. Der Vollmond befindet sich dann auf seiner Umlaufbahn etwas näher an der Erde als sonst, was regelmäßige Mond-Beobachter am Himmel erkennen können. Auch das Licht des Mondes erscheint dann heller. © Imago/Pixsell
Das wohl spannendste Phänomen rund um den Mond ist jedoch die Mondfinsternis. Auf diesem Bild ist die Mondfinsternis aus dem November 2022 zu sehen. Der Mond wandert dabei durch den Schatten der Erde im Weltraum und wird von diesem teilweise verdeckt. Verschwindet der Mond komplett im Schatten, wird er zum sogenannten „Blutmond“ – er strahlt für kurze Zeit rostrot.
Das wohl spannendste Phänomen rund um den Mond ist jedoch die Mondfinsternis. Auf diesem Bild ist die Mondfinsternis aus dem November 2022 zu sehen. Der Mond wandert dabei durch den Schatten der Erde im Weltraum und wird von diesem teilweise verdeckt. Verschwindet der Mond komplett im Schatten, wird er zum sogenannten „Blutmond“ – er strahlt für kurze Zeit rostrot. © Imago/ANE Edition
Auch die schmale Mondsichel ist ein interessanter Anblick. Wer den Mond täglich beobachtet sieht, wie sie langsam wächst, bis sie zum Halb- und dann zum Vollmond wird.
Auch die schmale Mondsichel ist ein interessanter Anblick. Wer den Mond täglich beobachtet sieht, wie sie langsam wächst, bis sie zum Halb- und dann zum Vollmond wird. © imago/Silas Stein
An manchen Tagen kann man neben der schmalen Mondsichel auch den sogenannten „Erdschein“ sehen. Obwohl nur die schmale Sichel vom Licht der Sonne beleuchtet ist, sieht man auch den unbeleuchteten Teil des Mondes ganz schwach. Er wird vom Licht, das die Erde reflektiert, beleuchtet.
An manchen Tagen kann man neben der schmalen Mondsichel auch den sogenannten „Erdschein“ sehen. Obwohl nur die schmale Sichel vom Licht der Sonne beleuchtet ist, sieht man auch den unbeleuchteten Teil des Mondes ganz schwach. Er wird vom Licht, das die Erde reflektiert, beleuchtet. © Imago/Jon G. Fuller
Die abnehmende Mondsichel. In wenigen Tagen wird der Mond vom Himmel komplett verschwunden sein, um kurz darauf wieder als schmale Mondsichel aufzutauchen. Die Mondsichel erscheint dann gespiegelt.
Die abnehmende Mondsichel. In wenigen Tagen wird der Mond vom Himmel komplett verschwunden sein, um kurz darauf wieder als schmale Mondsichel aufzutauchen. Die Mondsichel erscheint dann gespiegelt. © Imago/imagebroker
Auf dem Mond gut zu erkennen sind unter anderem Krater und die Mare, Mondmeere – die großen dunklen Flecken auf der Mondoberfläche.
Auf dem Mond gut zu erkennen sind unter anderem Krater und die Mare, Mondmeere – die großen dunklen Flecken auf der Mondoberfläche. © imago/Deutzmann
Der Mond umkreist die Erde, was man auf diesem Bild namens „Earthrise“ besonders eindrücklich erkennen kann. Aufgenommen wurde es von der Crew der Nasa-Mission „Apollo 8“, die den Mond an Weihnachten 1968 umkreiste.
Der Mond umkreist die Erde, was man auf diesem Bild namens „Earthrise“ besonders eindrücklich erkennen kann. Aufgenommen wurde es von der Crew der Nasa-Mission „Apollo 8“, die den Mond an Weihnachten 1968 umkreiste. © imago/Nasa
Die Mondoberfläche ist staubig, wie die Nasa-Astronauten, die dort in den Jahren 1969 bis 1972 landeten, herausfinden mussten. Ein Teil der Astronauten konnte mit Rovern über die Mondoberfläche fahren.
Die Mondoberfläche ist staubig, wie die Nasa-Astronauten, die dort in den Jahren 1969 bis 1972 landeten, herausfinden mussten. Ein Teil der Astronauten konnte mit Rovern über die Mondoberfläche fahren. © Imago/UIG
Auf dem Mond ist die Schwerkraft geringer als auf der Erde, weshalb die Astronauten dort unter anderem große Sprünge machen konnten. Auf dieser Aufnahme untersucht der Nasa-Astronaut Harrison H. Schmitt im Dezember 1972 einen großen Gesteinsbrocken auf dem Mond.
Auf dem Mond ist die Schwerkraft geringer als auf der Erde, weshalb die Astronauten dort unter anderem große Sprünge machen konnten. Auf dieser Aufnahme untersucht der Nasa-Astronaut Harrison H. Schmitt im Dezember 1972 einen großen Gesteinsbrocken auf dem Mond. © imago
Diese Aufnahme der Nasa-Raumsonde „Orion“ zeigt es noch einmal sehr schön: Der Mond umkreist die Erde. Bei der nächsten Mission einer „Orion“-Kapsel sollen sich Menschen an Bord befinden und den Mond umkreisen. Frühestens 2025 sollen wieder Menschen den Mond betreten, plant die Nasa.
Diese Aufnahme der Nasa-Raumsonde „Orion“ zeigt es noch einmal sehr schön: Der Mond umkreist die Erde. Bei der nächsten Mission einer „Orion“-Kapsel sollen sich Menschen an Bord befinden und den Mond umkreisen. Frühestens 2025 sollen wieder Menschen den Mond betreten, plant die Nasa. © Imago/Cover-Images

Ein anderer Asteroid stellte sich indes als Bruchstück des Mondes heraus.

Entdeckung der Mondkrater hat entscheidende Bedeutung für Mondforschung

Die Entdeckung dieser Mondschluchten ist nicht nur geologisch faszinierend, sondern auch von großer Bedeutung für die bevorstehenden Artemis-Missionen der Nasa. Diese Missionen zielen darauf ab, Menschen in die südliche Polarregion des Mondes zu bringen, wo sich das Schrödinger-Becken befindet. Die geologischen Untersuchungen dieses Beckens könnten wertvolle Informationen über die früheste Epoche des Erde-Mond-Systems liefern.

Die Schrödinger-Region enthält einige der ältesten Gesteine des Mondes, die möglicherweise auf seine Entstehung vor etwa vier Milliarden Jahren zurückgehen. Proben von dort könnten helfen, einige der größten Rätsel der Mondgeschichte zu lösen.

Experte weist auf mögliche Probleme bei Schluchten-Erkundung auf dem Mond hin

Ein Problem könnte jedoch die Verteilung des Einschlagsmaterials darstellen. Der Rand des Schrödinger-Beckens liegt etwa 125 Kilometer vom geplanten Landeplatz der Artemis-Astronauten entfernt. Wenn das Material des Einschlags in alle Richtungen verteilt wurde, könnten ältere, interessante Gesteine begraben worden sein. Doch Krings Untersuchungen deuten darauf hin, dass das meiste Material nordwärts geschleudert wurde, weg von der Artemis-Erkundungszone. „Das bedeutet, dass sehr wenig Schrödinger-Material dieses sehr alte Terrain bedecken wird“‚ erklärt Kring.

Auch ein anderer Asteroid mit dem Namen YR4 sorgte zuletzt für sehr viel Wirbel. Seine Wahrscheinlichkeit, auf die Erde zu treffen, ist verschwindend gering. Die, den Mond zu treffen, ist dagegen höher. (jh)

Rubriklistenbild: © NASA\SVS\Ernest T; red

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