VonRobin Dittrichschließen
Die globale Erwärmung beeinflusst unter anderem die Beschaffenheit der Antarktis. Dort ereignete sich kürzlich ein bemerkenswertes Phänomen mit einem Eisberg.
Frankfurt – Der größte Eisberg der Welt ist unter dem wenig spektakulären Namen A23a bekannt. Wie Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen jetzt bekanntgaben, dreht sich der Eisberg bereits seit Monaten auf der Stelle. Eigentlich sollte er sich jedoch mit der Strömung bewegen.
Forschende finden bemerkenswertes Phänomen in der Antarktis
Bereits 2023 wurde darüber berichtet, dass sich A23a überraschend schnell vom antarktischen Weddellmeer in Richtung Südatlantik bewegt. Fachleute befürchteten bereits, dass der 4000 Quadratkilometer große Eisberg schmilzt und in mehrere Teile zerbrechen würde. Dieser Weg wurde durch das Festhängen des Eisbergs in einem gewaltigen Wasserstrudel jedoch vorerst gestoppt. Im Südpolarmeer dreht sich der Koloss seit Monaten um sich selbst. Ein anderer Eisberg rammte im Herbst 2023 hingegen eine deutlich kleinere Insel im Südpolarmeer, auf dem Pinguine leben.
Zu sehen ist das auf Satellitenaufnahmen, die dem britischen Sender BBC vorliegen. Forschende gaben dort an, dass es sogar möglich ist, dass A23a der sogenannten Taylorsäule in den kommenden Jahren nicht entkommen wird. „A23a ist der Eisberg, der sich einfach weigert zu sterben“, sagte Polarexperte Mark Brandon von der Open University gegenüber BBC. Der Eisberg ist 4,5-mal so groß wie Berlin und könnte durch ein Schmelzen ganze Ökosysteme zerstören. Auch in diesem Jahr löste sich ein großer Eisberg vom Antarktis-Schelfeis.
Schmelzen des größten Eisbergs der Welt gilt als wahrscheinlich
Der Weg von A23a weg von der Antarktis zeichnete sich bereits im Jahr 1986 ab. Damals hatte sich der Eisberg vom Filchner-Ronne-Schelfeis gelöst, war jedoch jahrelang am Meeresboden hängengeblieben. Im Jahr 2020 löste er sich schlussendlich, verharrt jedoch jetzt wieder an einer Stelle, an der er sich um sich selbst dreht. Forschende des Polarforschungsinstituts British Antarctic Survey schätzten, dass sich der Eisberg täglich um knapp 15 Grad gegen den Uhrzeigersinn dreht. In nur 24 Tagen schafft er also eine Runde.
Der 4000 Quadratkilometer große Eisberg verhindert bislang zwar sein Schmelzen im Südatlantik, weist jedoch große Vertiefungen auf, die von Wellen und der Witterung stammen. Der Antarktische Zirkumpolarstrom (ACC) erfasste A23a in diesem April, der Eisberg bewegte sich jedoch nicht von Ort und Stelle. Gestoppt wird er aber nicht erneut vom Meeresboden, von dem der Eisberg über 1000 Meter entfernt sein soll.
Laut den Forschenden hängt der Eisberg in einem Wirbeltyp fest, der erstmals in den 1920er-Jahren vom Physiker Sir Geoffrey Ingram Taylor entdeckt wurde – von ihm leitet sich der Begriff Taylorsäule ab. Wie lange der Eisberg A23a noch in der Ozean-Falle feststecken wird, konnten die Forschenden nicht bemessen. Sie sind sich jedoch sicher: A23a zögert sein unausweichliches Ende lediglich hinaus. (rd/dpa)
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