Forschungsteam macht beunruhigende Entdeckung am „Weltuntergangsgletscher“
VonTanja Banner
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Eine neue Studie zeigt: Warmes Meerwasser dringt in den Thwaites-Gletscher ein und verursacht ein „kräftiges Schmelzen“. Die Folgen könnten verheerend sein.
Antarktis – Der Thwaites-Gletscher in der Antarktis macht der Forschung bereits seit Jahren Sorgen. Schmilzt er vollständig ab, hat das einen Anstieg des Meeresspiegels um etwa 60 Zentimeter zur Folge. Gemeinsam mit dem Pine-Island-Gletscher bremst Thwaites den Westantarktischen Eisschild, dessen Abschmelzen einen noch viel größeren Meresspiegelanstieg zur Folge hätte. Weil Thwaites eine so wichtige Rolle spielt und sein Verschwinden gravierende Folgen hat, wird er auch „Weltuntergangsgletscher“ genannt.
Der Thwaites-Gletscher in der Antarktis ist auch als „Weltuntergangsgletscher“ bekannt. Schmilzt er, steigen die Meerespegel weltweit. Außerdem fällt dann seine wichtigste Aufgabe als „Bremsklotz“ für den westantarktischen Eisschild weg. (Archivbild)
„Weltuntergangsgletscher“ Thwaites in der Antarktis wird von warmem Wasser bedroht
Ein Forschungsteam von der University of California in Irvine (UCI) hat hochauflösende Satellitendaten des Thwaites-Gletschers analysiert. Das Team fand Hinweise darauf, dass warmes, unter Druck stehendes Meerwasser tief in das Eis des Gletschers eingedrungen ist. Dieser umfangreiche Kontakt zwischen Ozeanwasser und Gletscher führt laut der Forschungsgruppe zu einem „kräftigen Schmelzen“. Diese neue Erkenntnis könnte eine Neubewertung der Prognosen für den globalen Meeresspiegelanstieg notwendig machen, glaubt das Forschungsteam.
Eric Rignot, der Hauptautor der Studie, erklärt, dass die Satellitendaten ein besseres Verständnis des Verhaltens des Meerwassers an der Unterseite des Gletschers ermöglichen. Das Meerwasser dringt seiner Aussage nach an der Basis des Eisschilds ein, staut sich dort und verteilt sich durch natürliche Kanäle oder sammelt sich in Hohlräumen. „Es gibt Stellen, an denen das Wasser fast dem Druck des darüber liegenden Eises entspricht, sodass nur ein wenig mehr Druck erforderlich ist, um das Eis nach oben zu drücken“, so Rignot in einer Mitteilung. „Das Wasser wird dann so stark gepresst, dass es eine Eissäule von mehr als einer halben Meile hochdrückt.“
Thwaites-Gletscher wird von warmem Meerwasser unterspült
Rignot weist bei USA Today darauf hin, dass die große Menge an Meerwasser im Gletscher problematisch ist. „Diese Einschlüsse machen den Gletscher empfindlicher gegenüber der Erwärmung des Ozeans und erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass er zerfällt, wenn der Ozean wärmer wird“, warnt er. Das warme Meerwasser gelangt unter den Gletscher, da das Schmelzwasser des Gletschers Süßwasser und somit leichter als das salzige, wärmere Meerwasser ist. Das warme Meerwasser sinkt daher nach unten und kann den Gletscher von unten schmelzen.
Die Gletscher schmelzen – So verändert der Klimawandel die Erde
Christine Dow, Mitautorin der Studie, äußert ihre Befürchtungen: „Thwaites ist der instabilste Ort in der Antarktis und enthält das Äquivalent von 60 Zentimetern Meeresspiegelanstieg. Die Sorge ist, dass wir die Geschwindigkeit, mit der sich der Gletscher verändert, unterschätzen, was für die Küstengemeinden auf der ganzen Welt verheerend wäre.“
Thwaites-Gletscher wird in „Jahrzehnten, nicht Jahrhunderten“ abgeschmolzen sein
Doch wie lange wird es dauern, bis der „Weltuntergangsgletscher“ vollständig abgeschmolzen ist? „Im Moment haben wir nicht genügend Informationen, um sagen zu können, wie viel Zeit verbleibt, bevor das Eindringen von Meerwasser unumkehrbar ist“, sagt Dow und fügt hinzu: „Indem wir die Modelle verbessern und unsere Forschung auf diese kritischen Gletscher konzentrieren, werden wir versuchen, diese Zahlen zumindest für Jahrzehnte und nicht für Jahrhunderte festzulegen. Diese Arbeit wird den Menschen helfen, sich an den sich verändernden Meeresspiegel anzupassen.“
Ihr Forscherkollege Rignot betont: „Es wird viele Jahrzehnte, nicht Jahrhunderte, dauern. Ein Teil der Antwort hängt auch davon ab, ob sich unser Klima weiter erwärmt oder nicht, und das hängt ganz von uns ab und davon, wie wir den Planeten verwalten.“ (tab)