Vulkan Reykjanes

Vulkanausbruch in Island: Gibt es wieder Flugausfälle?

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Der Vulkan auf Island bricht aus und lässt Erinnerungen an das Flugchaos von 2010 aufkommen. Was Fachleute zu möglichen Flugbeeinträchtigungen sagen.

Update vom 19. Dezember, 12.10 Uhr: Nach zahlreichen Erdbeben in den vergangenen Wochen ist der Vulkan auf der Halbinsel Reykjanes in Island nun tatsächlich ausgebrochen. Doch was bedeutet das für den Flugverkehr? Am Tag nach dem Beginn des Ausbruchs gibt es für den Flugverkehr offenbar keine Einschränkungen. Derzeit sei der Flughafen Reykjavík–Keflavík auf Island „voll funktionsfähig“, teilt der staatliche isländische Flughafenbetreiber Isavia auf seiner Website mit. Passagierinnen und Passagieren wird geraten, vor einem Flug die Flugpläne der Airlines online zu prüfen.

Vulkanausbruch nach Erdbeben auf Island – Bilder vom Naturspektakel

Der Himmel färbt sich orange: Der Vulkanausbruch auf der Reykjanes-Halbinsel ist von der isländischen Hauptstadt Reykjavik aus zu sehen. Zahlreiche Menschen fotografierten das Naturspektakel.
Der Himmel färbt sich glühend hell: Der Vulkanausbruch auf der Reykjanes-Halbinsel ist von der isländischen Hauptstadt Reykjavik aus zu sehen.  © Brynjar Gunnarsson/dpa
Dichte Rauchsäulen und glühende Lava: Das Bild zeigt sich auf der Halbinsel Reykjanes drei Kilometer nördlich von Grindavik im Westen Islands. Der Vulkan ist am 18. Dezember nach einer Erdbebenserie ausgebrochen.
Dichte Rauchsäulen und glühende Lava: Das Bild zeigt sich auf der Halbinsel Reykjanes drei Kilometer nördlich von Grindavik im Westen Islands. Der Vulkan ist am 18. Dezember ausgebrochen. © ICELANDIC COAST GUARD/AFP
Rettungskräfte und Forschende beobachten den gigantischen Ausbruch aus einem Flugzeug heraus, nur drei Kilometer nördlich von der Hafenstadt Grindavik.
Rettungskräfte und Forschende beobachten den gigantischen Ausbruch aus einem Flugzeug heraus, nur drei Kilometer nördlich von der Hafenstadt Grindavik.  © ICELANDIC COAST GUARD/AFP
Ein Mitglied eines Sicherheitsteams steht an einem Einsatzfahrzeug und blickt in Richtung eines Vulkans.
Ein Mitglied eines Sicherheitsteams steht an einem Einsatzfahrzeug und blickt in Richtung eines Vulkans. © Marco Di Marco/dpa
Nach einer Erdbebenserie auf Island droht ein Vulkan auf der Reykjanes-Halbinsel südwestlich von Reykjavik auszubrechen. Geologen installieren deshalb zahlreiche Seismografen auf der Nordatlantik-Insel. Die Erschütterungen hatten vor knapp zweieinhalb Wochen begonnen. Seitdem kam es zu Tausenden Beben, die am Freitagnachmittag nochmals an Stärke und Häufigkeit zunahmen.
Nach einer Erdbebenserie in Island drohte ein Vulkan auf der Reykjanes-Halbinsel südwestlich von Reykjavik auszubrechen. Geologen installierten deshalb zahlreiche Seismografen auf der Nordatlantik-Insel. Die Erschütterungen hatten Ende Oktober begonnen. Seitdem kam es zu Tausenden Beben. © Raul Moreno/dpa
Der Berg Thorbjörn ist ein vulkanischer Berg, der die Stadt Grindavik von der Blauen Lagune trennt. Die Erschütterungen in Island könnten noch heftiger werden und letztlich zu einem Ausbruch führen.
Der Berg Thorbjörn ist ein vulkanischer Berg, der die Stadt Grindavik von der Blauen Lagune trennt. Die Erschütterungen in Island führten nun zu einem Ausbruch. © Raul Moreno/dpa
Neben der Blauen Lagune steigt Dampf vom geothermischen Kraftwerk Grindavik auf. Das Kraftwerk versorgt den Hauptflughafen Keflavik und die Region im Süden mit Strom. Ein Vulkanausbruch könnte die Infrastruktur lahmlegen.
Neben der Blauen Lagune stieg im November Dampf vom geothermischen Kraftwerk Grindavik auf. Das Kraftwerk versorgt den Hauptflughafen Keflavik und die Region im Süden mit Strom. Der Vulkanausbruch könnte die Infrastruktur lahmlegen. © Raul Moreno/dpa
Angesichts der anhaltenden Erdbebenserie und eines möglicherweise bevorstehenden Vulkanausbruchs ist auf Island eine der größten Touristenattraktionen des Landes vorübergehend gesperrt worden. Das Geothermalbad Blaue Lagune bleibt voraussichtlich bis zum 16. November geschlossen.
Angesichts der anhaltenden Erdbebenserie und eines des bevorstehenden Vulkanausbruchs wurde auf Island eine der größten Touristenattraktionen des Landes vorübergehend gesperrt: Das Geothermalbad Blaue Lagune blieb geschlossen. © Blue Lagoon Iceland/dpa
Die Hafenstadt Grindavik auf der Halbinsel Reykjanes im Südwesten des Landes wird von dem möglichen Vulkanausbruch bedroht. Sicherheitshalber haben die isländischen Behörden die rund 3700 Anwohnerinnen und Anwohner in der Nacht zu Samstag (11. November) evakuiert.
Die Hafenstadt Grindavik auf der Halbinsel Reykjanes im Südwesten des Landes wird von dem Vulkanausbruch bedroht. Sicherheitshalber hatten die isländischen Behörden die rund 3700 Anwohnerinnen und Anwohner bereits in der Nacht zu Samstag (11. November) einmal evakuiert. © Raul Moreno/dpa
Nach seismischer Aktivität stieg Dampf aus einer Spalte in einer Straße. Infolge des Erdbebenschwarms teilten breite Risse regelrecht ganze Straßen.
Nach seismischer Aktivität stieg Dampf aus einer Spalte in einer Straße. Infolge des Erdbebenschwarms teilten breite Risse regelrecht ganze Straßen. © Brynjar Gunnarsson/dpa
Zahlreiche Straßen in Grindavik sind durch die Erschütterungen in gerissen und in sich zusammengesackt. Unterhalb der Stadt verläuft ein 15 Kilometer langer Magma-Tunnel bis unter den Meeresboden. Die ersten Spalten werden bereits wieder zugeschüttet.
Zahlreiche Straßen in Grindavik sind durch die Erschütterungen gerissen und in sich zusammengesackt. Unterhalb der Stadt verläuft ein 15 Kilometer langer Magma-Tunnel bis unter den Meeresboden. Die ersten Spalten wurden bereits wieder zugeschüttet. © imago
Bei den Erdbeben ist auch ein Riss in der Fassade eines Hauses entstanden. Die seismische Aktivität beschädigte Straßen und Gebäude in der Stadt. Nach Angaben des Zivilschutzchefs Vídir Reynisson seien die Schäden größer als bisher angenommen.
Bei den hunderten Erdbeben ist auch ein Riss in der Fassade eines Hauses entstanden. Die seismische Aktivität beschädigte Straßen und Gebäude in der Stadt. Nach Angaben des Zivilschutzchefs Vídir Reynisson seien die Schäden größer als bisher angenommen.  © Kjartan Torbjoernsson/AFP
Eine kilometerlange Schlange von Autos hatte sich vor Grindavik gebildet. Die Einwohnerinnen und Einwohner durften am Montag (13. November) und Dienstag (14. November) kurz in ihre Häuser zurückkehren und wichtige Dinge in Sicherheit bringen. Die Lage auf der von einem Vulkanausbruch bedrohten isländischen Halbinsel Reykjanes hatte sich in der Nacht zu Montag etwas beruhigt.
Eine kilometerlange Schlange von Autos hatte sich vor Grindavik gebildet. Die Einwohnerinnen und Einwohner durften am Montag (13. November) und Dienstag (14. November) kurz in ihre Häuser zurückkehren und wichtige Dinge in Sicherheit bringen. © Brynjar Gunnarsson/dpa

Generell sahen Fachleute in den Wochen vor dem Vulkanausbruch in Island keine Gefahr für großflächige Flugausfälle wie nach dem Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull im Jahr 2010 (siehe Erstmeldung).

Vulkanausbruch in Island – Was bedeutet das für den Flugverkehr?

Erstmeldung vom 14. November 2023: Reykjavík – Als der isländische Vulkan Eyjafjallajökull im April 2010 ausbrach, wurde sein schwer aussprechbarer Name plötzlich weltweit bekannt. Der Grund dafür war die enorme Ascheemission des Vulkans, die den Flugverkehr über weiten Teilen Europas für mehrere Tage lahmlegte. Viele Menschen saßen fest und warteten auf ihre Anschlussflüge, während sie hautnah mitbekamen, wie die Natur die Technik lahmlegte. Nun wird in Island ein weiterer Vulkanausbruch erwartet – und viele fragen sich mit bangem Blick nach Norden: Drohen erneut Flugausfälle? (Stand des Artikels: 14. November 2023)

Ein Magmastrom auf einem Hügel in der Nähe von Grindavik auf der isländischen Halbinsel Reykjanes am 18. Dezember 2023.

Noch ist unklar, ob der Vulkan Reykjanes überhaupt ausbrechen wird, betonen Fachleute. „Wir befinden uns an einem kritischen Punkt, an dem die Ungewissheit groß ist“, erläutert der Vulkanologe Mike Burton von der University of Manchester. „Es ist zwar wahrscheinlich, dass es zu einem Ausbruch kommen wird, aber nicht sicher, und die Dinge könnten sich auf ein Hintergrundniveau beruhigen, ohne dass etwas passiert. Es ist nicht klar, wo und mit welcher Geschwindigkeit die Lava ausbrechen würde. Wir müssen abwarten und sehen.“

Vulkan in Island: Bricht der Reykjanes aus?

Falls der Vulkan Reykjanes in Island jedoch tatsächlich ausbricht, erwarten Experten keine weitreichenden Störungen im Flugverkehr wie im Jahr 2010. „Der Ausbruch des Eyjafjallajökull im Jahr 2010 war aufgrund einer seltenen (wenn auch nicht einzigartigen) Kombination von Faktoren ungewöhnlich störend. Die Dinge haben sich geändert, und es wurden Lehren daraus gezogen“, unterstreicht Dave McGarvie, Vulkanologe an der University of Lancaster.

Er ist überzeugt: „Sollte es in Zukunft zu einem Ausbruch kommen, der mit dem des Eyjafjallajökull im Jahr 2010 vergleichbar ist, würde nur etwa ein Drittel der Flüge gestrichen werden, die 2010 gestrichen wurden.“ Dies sei zum Teil auf geänderte Flugregeln und zum Teil auf ein verbessertes Verständnis der Mechanismen der Aschebildung und des Aschetransports zurückzuführen.

Ausbruch des Vulkans Reykjanes dürfte weniger Asche produzieren als der Eyjafjallajökull-Ausbruch

„Bei Eruptionen auf der Reykjanes-Halbinsel dominiert die Produktion von Basaltlava mit nur geringer Ascheproduktion, während bei der Eruoption des Eyjafjallajökull 2010 die Ascheproduktion im Vordergrund stand“, erklärt der Experte. „Die Vulkane auf der Reykjanes-Halbinsel sind nicht in der Lage, die gewaltigen Aschewolken zu erzeugen, die den Ausbruch des Eyjafjallajökull 2010 kennzeichneten.“

Deshalb sieht McGarvie den transatlantischen Flugverkehr nicht beeinträchtigt. Lokale Flugverbindungen könnten jedoch betroffen sein, vermutet der Vulkanologe: „Wenn die derzeitigen Unruhen zu einer Eruption an Land führen, wird es wahrscheinlich nur zu lokalen und kurzfristigen Störungen durch geringe Ascheproduktion kommen, wie es bei den drei kleineren Eruptionen des Fagradalsfjall in den Jahren 2021, 2022 und 2023 der Fall war.“

Selbst bei einer größeren und stärkeren Eruption sei es wahrscheinlich, dass nur lokale Störungen auftreten. „Das Ausmaß der Störung würde weitgehend von der Windrichtung abhängen“, so McGarvie.

Möglicher Vulkanausbruch in Island: Nur geringe Auswirkungen auf den Flugverkehr erwartet

Auch Mike Burton erwartet im Falle eines Vulkanausbruchs nur geringe Auswirkungen auf den Flugverkehr. Bei einer unterseeischen Eruption könnten durch die Interaktion mit dem Wasser explosivere und aschereichere Emissionen entstehen, erklärt der Experte. „Diese werden wahrscheinlich in geringer Höhe auftreten und nur den lokalen Flughafen Keflavik betreffen“, sagt der Fachmann. Burton geht ebenfalls davon aus, dass die Auswirkungen auf den Flugverkehr „wahrscheinlich gering“ sein dürften und nur dann eintreten, „wenn der Wind aus einer bestimmten Richtung kommt“.

David Neave von der University of Manchester rechnet ebenfalls nicht damit, dass der Flugverkehr durch einen Vulkanausbruch in Island so stark beeinträchtigt wird wie 2010: „Wir wissen viel mehr über die Wechselwirkungen zwischen Asche und Flugzeugen als 2010, was dazu beitragen wird, die Sicherheit zu verbessern und Störungen zu minimieren.“ (tab)

Für diesen von der Redaktion geschriebenen Artikel wurde maschinelle Unterstützung genutzt. Der Artikel wurde vor Veröffentlichung von Redakteurin Tanja Banner sorgfältig überprüft.

Rubriklistenbild: © dpa/Icelandic Coast Guard/AP

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