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Den renommierten Chemie-Nobelpreis 2024 erhalten mit David Baker, Demis Hassabis und John Jumper drei Forscher, die sich mit Proteinen beschäftigen.
Update vom 9. Oktober 2024, 13.50 Uhr: Die frisch gekürten Chemie-Nobelpreisträger David Baker, Demis Hassabis und John M. Jumper standen erst in diesem Jahr auf der Liste der „Clarivate Citation Laureates“, die Nobelpreis-würdige Wissenschaftler und ihre Arbeiten nennt. David Pendlebury von Clarivate erklärt, warum der Nobelpreis verdient ist: „Ihre bahnbrechenden Arbeiten auf dem Gebiet der Proteinfaltung und des Proteindesigns haben nicht nur unser Verständnis biologischer Prozesse revolutioniert, sondern auch neue Wege für wissenschaftliche und medizinische Durchbrüche eröffnet.“
Dass nach dem Physik-Nobelpreis im Bereich maschinelles Lernen nun noch ein Chemie-Nobelpreis in einem ähnlichen Feld vergeben wurde, kommentiert Pendlebury ebenfalls: „Die Auswahl der diesjährigen Nobelpreisträger in den Bereichen Physik und Chemie durch die Nobel-Stiftung kann nur als kühn bezeichnet werden. Die Anerkennung der transformativen Rolle der künstlichen Intelligenz in der Forschung in zwei Kategorien hintereinander ist beispiellos.“ Die Schlüsselarbeit zu „AlphaFold“ sei bereits mehr als 16.000 Mal zitiert worden – „auch das ist beispiellos und spiegelt die revolutionäre Wirkung dieser Arbeit wider“, so der Experte.
Physik- und Chemie-Nobelpreis 2024 für neuronale Netzwerke
Update vom 9. Oktober 2024, 12.09 Uhr: Nach dem Physik-Nobelpreis für Forschende im Bereich Maschinenlernen ist der Chemie-Nobelpreis 2024 erneut ein Preis, der mit neuronalen Netzwerken zusammenhängt. Nach Angaben des Nobelkomitees stehen die einzelnen Preise jedoch für sich und beim diesjährigen Chemie-Nobelpreis gehe es um einen Fortschritt in der Biochemie.
Chemie-Nobelpreisträger haben Google-KI AlphaFold2 entworfen
Update vom 9. Oktober 2024, 11.52 Uhr: Proteine bestehen aus 20 verschiedenen Aminosäuren – den Bausteinen des Lebens. 2003 gelang es dem neuen Chemie-Nobelpreisträger David Baker (University of Washington), aus diesen Bausteinen ein neues Protein zu entwerfen, das sich von allen anderen Proteinen unterschied. An ihn geht eine Hälfte des Chemie-Nobelpreises 2024.
Die zweite Hälfte des Nobelpreises teilen sich Demis Hassabis und John Jumper, die beide für Google DeepMind in London arbeiten. Sie stellten 2020 das KI-Modell AlphaFold2 vor. Es kann die Struktur von praktisch allen 200 Millionen Proteinen vorhersagen, die Forschende identifiziert haben. AlphaFold2 wurde seitdem von mehr als zwei Millionen Menschen aus 190 Ländern genutzt. Es wird für wissenschaftliche Anwendungen verwendet, hilft Forschenden dabei, Antibiotikaresistenzen besser zu verstehen und erstellt Bilder von Enzymen, die Plastik zersetzen können.
Alle drei Forscher standen auch auf der Liste „Clarivate Citation Laureates“ (s. Erstmeldung), die für viele als eine Favoritenliste für den Nobelpreis gilt.
Update vom 9. Oktober 2024, 11.46 Uhr: Der Chemie-Nobelpreis 2024 geht an David Baker „für computergestütztes Proteindesign“ und Demis Hassabis und John M. Jumper „für Proteinstrukturvorhersage“. „Eine der Entdeckungen, die in diesem Jahr ausgezeichnet werden, betrifft den Bau spektakulärer Proteine. Bei der anderen geht es um die Erfüllung eines 50 Jahre alten Traums: die Vorhersage von Proteinstrukturen anhand ihrer Aminosäuresequenzen. Beide Entdeckungen eröffnen enorme Möglichkeiten“, sagt Heiner Linke, Vorsitzender des Nobelkomitees für Chemie.
Chemie-Nobelpreis 2024: Wer wird heute die renommierte Ehrung erhalten?
Erstmeldung vom 9. Oktober 2024: Frankfurt – Die Nobelwoche ist in vollem Gange, die Preisträger in der Kategorien Medizin/Physiologie und des Physik-Nobelpreises sind bereits bekannt. Heute (9. Oktober) steht nun die Bekanntgabe des Chemie-Nobelpreisträgers oder der Chemie-Nobelpreisträgerin an. Am Donnerstag und Freitag werden dann noch die Preisträger in den Kategorien Literatur und Friedensnobelpreis verkündet. Im vergangenen Jahr erhielten die drei Nanowissenschaftler Moungi G. Bawendi, Louis E. Brus und Alexei I. Ekimov den renommierten Chemie-Nobelpreis „für die Entdeckung und Synthese von Quantenpunkten“.
| Nobelpreis | Zeitpunkt der Bekanntgabe |
|---|---|
| Nobelpreis für Physiologie oder Medizin | Montag, 7. Oktober 2024 |
| Nobelpreis für Physik | Dienstag, 8. Oktober 2024 |
| Nobelpreis für Chemie | Mittwoch, 9. Oktober 2024, ab 11.45 Uhr |
| Nobelpreis für Literatur | Donnerstag, 10. Oktober 2024, ab 13.00 Uhr |
| Friedensnobelpreis | Freitag, 11. Oktober 2024, ab 11.00 Uhr |
| Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften | Montag, 14. Oktober 2024, ab 11.45 Uhr |
| Quelle: nobelprize.org |
Chemie-Nobelpreis 2024: Liste zeigt, wer für den renommierten Preis infrage kommt
Wer für den prestigeträchtigen Chemie-Nobelpreis nominiert wurde, wird nicht veröffentlicht, aber es gibt eine Liste, die vorab Favoriten auf wichtige Wissenschaftspreise auflistet. Die „Clarivate Citation Laureates“, die der Medienkonzern Clarivate jährlich herausgibt, zeigt, wer preisverdächtig sein könnte. Auf der Liste werden Forscherinnen und Forscher benannt, die aufgrund häufiger Zitierung ihrer wissenschaftlichen Arbeiten Favoriten für wichtige Wissenschaftspreise sind.
Auf der Favoriten-Liste für den Chemie-Nobelpreis 2024 stehen insgesamt sechs Namen, Frauen sind genau wie beim Physik-Nobelpreis keine darunter. Zu den „Clarivate Citation Laureates“ zählen Roberto Car (Princeton University) und Michele Parrinello (ETH Zürich) „für die Car-Parrinello-Methode zur Berechnung der ab-initio-Molekulardynamik, eine Revolution in der computergestützten Chemie“. Ebenfalls genannt wird Kazunari Domen (Universität Tokio) „für die Grundlagenforschung zu Photokatalysatoren für die Wasserspaltung und den Bau von Systemen zur solaren Wasserstofferzeugung“.
Die Nobelpreise
Seit dem Jahr 1901 werden die Nobelpreise jährlich vergeben. Gestiftet wurden sie vom schwedische Erfinder und Industriellen Alfred Nobel. An Nobels Todestag, dem 10. Dezember, werden die Preise verliehen. Der Nobelpreis wird in den Kategorien Medizin/Physiologie, Physik, Chemie, Literatur und Friedensnobelpreis vergeben.
Der Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften wird nach denselben Prinzipien wie die Nobelpreise vergeben, gehört jedoch nicht zu den ursprünglichen Preisen, die aus Nobels Testament hervorgehen. Jeder Nobelpreis ist mit 11 Millionen schwedischen Kronen (etwa 967.000 Euro) dotiert.
Google-Angestellte sind für Chemie-Nobelpreis nominiert
Das dritte Thema, das auf der Favoriten-Liste steht, ist besonders interessant, denn hier sind nicht nur Universitätsangestellte aufgelistet. Zwei von drei der genannten Forscher sind in der Privatwirtschaft angestellt, und zwar bei Google DeepMind in London. John M. Jumper, Demis Hassabis (beide Google DeepMind) und David Baker (University of Washington) sind „für Beiträge zur Vorhersage und zum Entwurf von dreidimensionalen Proteinstrukturen und -funktionen“ genannt.
Eine Garantie, den Chemie-Nobelpreis zu erhalten, gibt es auch nach der Nennung auf der Favoriten-Liste nicht. Die Nobelpreise für Medizin und Physik zeichneten beispielsweise 2024 keinen der genannten Forschenden aus. Doch trotzdem ist die Liste relativ treffsicher: Seit sie im Jahr 2002 erstmals veröffentlicht wurde, wurden 75 der genannten Personen mit einem Nobelpreis geehrt. (tab)
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