Sonneneruption

„Ein Volltreffer“ – Sonnensturm hat die Erde direkt getroffen

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Ein kräftiger Sonnensturm war auf dem Weg in Richtung Erde. Seine Ankunft hat ein beeindruckendes Polarlicht-Schauspiel ausgelöst – allerdings nicht in Deutschland.

Update vom Samstag, 2. Dezember 2023: Der vorhergesagte Sonnensturm hat die Erde getroffen, allerdings zu einer für Deutschland ungünstigen Zeit. Zwischen 10 und 13 Uhr soll der Sonnensturm der Stärke G3 die Erde erreicht haben, heißt es beim Weltraumwetter-Vorhersagezentrum (SWPC) in den USA. Zu dieser Zeit war es in Deutschland noch hell, weshalb kein Polarlicht zu sehen war. In anderen Teilen der Welt wurde dagegen heftiges Polarlicht gemeldet – beispielsweise aus Neuseeland oder auch den USA, wo die Aurora kurz vor Sonnenaufgang zu sehen war.

Sonnensturm kommt zu früh für Polarlicht in Deutschland

Erstmeldung vom Donnerstag, 30. November 2023: Frankfurt – Im kommenden Jahr soll die Sonne laut neuester Vorhersagen den Höhepunkt ihres 11-jährigen Zyklus erreichen. Doch auch jetzt schon ist auf unserem Zentralgestirn einiges in Bewegung. Nachdem am 5. November 2023 ein Sonnensturm die Erde traf und Polarlicht in ganz Deutschland sichtbar machte, könnte es nun eine Zugabe geben. Denn eine heftige Sonneneruption am Mittwochabend (29. November) hat eine enorme Menge heißen Plasmas in Weltall katapultiert. Diese Plasmawolke ist jetzt auf Kurs in Richtung Erde.

Dort soll sie am 1. Dezember eintreffen, wie das Weltraumwetter-Vorhersagezentrum der Nationalen Ozean- und Atmosphärebehörde der USA (SWPC der NOAA) prognostiziert. Unterwegs könnte das Plasma noch mehrere kleinere und langsamere Plasmawolken einholen und „kannibalisieren“ – was zu einem stärkeren geomagnetischen Sturm auf der Erde führen kann. Die Folge: Polarlicht wird auf der Erde intensiver und kann weiter südlich als normalerweise gesehen werden. Das SWPC rechnet mit einem geomagnetischen Sturm der Stufe G3 auf der Erde.

Polarlicht könnte heute in Deutschland zu sehen sein

Laut SWPC bedeutet G3, dass Satelliten in der Erdumlaufbahn durch erhöhten Luftwiderstand beeinträchtigt werden können und es zu Problemen bei der Satellitennavigation kommen kann. Hochfrequenzfunk könnte zeitweise gestört sein. Stärkere geomagnetische Stürme können noch gravierendere Auswirkungen auf die irdische Infrastruktur haben. Doch für viele Beobachter auf der Erde ist die sichtbarste Auswirkung eines Sonnensturms das Polarlicht. Bei einem geomagnetischen Sturm der Stärke G3 kann dies bis in mittlere Breitengrade – laut SWPC bis zu einer Breite von 50 Grad – sichtbar sein.

Das bedeutet, dass am 1. Dezember Polarlicht in Deutschland möglich ist. Zur Orientierung: Deutschland erstreckt sich von 47 bis 55 Grad nördlicher Breite, der 50. Breitengrad verläuft etwa durch Frankfurt am Main. München liegt etwa auf dem 48. Breitengrad. Der Polarlicht-Experte Michael Passarge vom Sonnenobservatorium Bad Salzschlirf gibt sich gegenüber der dpa optimistisch: Er sehe gute Chancen, dass die Polarlichter in Deutschland auch südlich bis etwa nach Frankfurt oder möglicherweise sogar noch darüber hinaus gesehen werden können.

Weltraumwetter: Aurora Borealis heute bis in mittlere Breiten zu sehen

Die Weltraumwetter-Expertin Tamitha Skov äußert sich auf der Plattform X (ehemals Twitter) erfreut: „Ein Volltreffer! Der Sturm wird die Erde voraussichtlich am Mittag des 1. Dezember treffen“. Sie prognostiziert: „Zusammen mit zwei früheren Stürmen, die bereits auf dem Weg sind, haben wir einen 1,2,3-Schlag. Wenn das Magnetfeld richtig ausgerichtet ist, wird die Aurora bis tief in die mittleren Breiten reichen“.

Polarlicht beobachten: Himmel muss dunkel und klar sein

Um Polarlicht zu sehen, sollte der Himmel möglichst dunkel und wolkenfrei sein. Da das Polarlicht in unseren Breiten vom Nordpol nach Süden (Aurora Borealis) zieht, sollte man nach Norden schauen – am besten außerhalb von Städten, unter einem dunklen Himmel. Auf der Südhalbkugel der Erde ist das Gegenteil der Fall: Dort kommt das Polarlicht vom Südpol (Aurora Australis) und zieht nach Norden, man sollte also nach Süden schauen.

Polarlicht über Norwegen. Je näher man sich am Nordpol befindet, desto häufiger und stärker ist Aurora Borealis am Himmel zu sehen. (Archivbild)

Polarlicht in Deutschland beobachten – mit diesen Tipps

Spezielle Websites wie Polarlicht-Vorhersage.de und Smartphone-Apps wie „Aurora Alerts“ informieren, wenn das Himmelsschauspiel beginnt. Das Polarlicht-Forum des Arbeitskreises Meteore e.V. ist ebenfalls eine gute Anlaufstelle, wenn Aurora Borealis zu sehen ist.

Wie entsteht Polarlicht?

Die Aurora Borealis, besser bekannt als Polarlicht, ist ein Phänomen, das durch Sonneneinwirkung entsteht. Wenn geladenes Sonnenplasma auf die Erde trifft, kommt es zur Interaktion mit dem Magnetfeld unseres Planeten. Dies führt dazu, dass magnetische Kurzschlüsse im Erdmagnetfeld das Plasma in die Polarregionen leiten, wo das Polarlicht regelmäßig zu beobachten ist. Bei einem besonders intensiven Sonnensturm können die Polarlichter sogar in südlicheren Regionen sichtbar werden.

Wer zu weit südlich lebt oder Pech mit dem Wetter hat und das Polarlicht nicht selbst am Himmel bewundern kann, findet im Internet Alternativen: Es gibt zahlreiche Webcams, die zeigen, wie die Aurora Borealis im hohen Norden über den Himmel tanzt – im Livestream. Dort ist Polarlicht deutlich häufiger zu sehen als in Deutschland. (tab)

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Für diesen von der Redaktion geschriebenen Artikel wurde maschinelle Unterstützung genutzt. Der Artikel wurde vor Veröffentlichung von Redakteurin Tanja Banner sorgfältig überprüft.

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