Nasa-Mission „Osiris-Rex“

Forscher spekuliert: Asteroid „Bennu“ könnte ein Teil einer alten Ozeanwelt sein

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Über die Proben des Asteroiden „Bennu“ kommen immer mehr Einzelheiten ans Licht. Ein Forscher hat eine besonders spektakuläre Arbeitsthese.

Tucson – Im September 2023 hat die Nasa-Raumsonde „Osiris-Rex“ ein wertvolles Paket auf die Erde geliefert: Material von einem fremden Himmelskörper. In den Jahren zuvor hatte die Raumsonde den gefährlichen Asteroiden „Bennu“ besucht und dort das Material gesammelt, das für die Forschung von großem Interesse ist. Asteroiden gelten nämlich als Überbleibsel aus der Entstehungszeit des Sonnensystems und könnten wertvolle Hinweise auf diese Zeit geben. Es steht außerdem zur Debatte, ob sie dafür verantwortlich waren, dass Wasser oder gar die Bausteine des Lebens auf die Erde gelangten.

Name:Bennu (1999 RQ₃)
Typ:Apollo-Asteroid
Entdeckung:11. September 1999
Umlaufzeit um die Sonne:437 Tage
Durchmesser:0,492 Kilometer
Abmessungen:566 m × 542 m × 499 m

Nasa analysiert Material von gefährlichem Asteroiden „Bennu“

Erste Materialproben von „Osiris-Rex“ wurden bereits im vergangenen Jahr an Forschungseinrichtungen verteilt – auch in Frankfurt wird eine solche Probe analysiert. Doch Zugriff auf die Mehrheit des Materials hat die US-Raumfahrtorganisation Nasa erst seit kurzem, als es gelungen ist, zwei feststeckende Schrauben mit speziellem Werkzeug zu lösen. Dante Lauretta, der Hauptuntersuchungsleiter der „Osiris-Rex“-Mission, hat in einem Labor der Universität von Arizona das Material bereits begutachten können.

Der Probencontainer mit dem Material von Asteroid „Bennu“ steht in einem sogenannten „Handschuhkasten“ und ist von Stickstoff umgeben. Nur in dieser Box kann er geöffnet werden. (Archivbild)

„Wir werden für eine sehr, sehr lange Zeit beschäftigt sein“, erzählt der Forscher dem Portal Space.com. „Dies ist eine enorme Menge an Proben für uns.“ Bereits im kommenden Monat sollen erste Ergebnisse von verschiedenen Forschungsteams bei der Lunar und Planetary Science Conference in Texas vorgestellt werden. Mehr als 70 Zusammenfassungen der wissenschaftlichen Ergebnisse wurden laut Lauretta bereits für die Tagung eingereicht. „Ab März wird das alles veröffentlicht werden“, so der Forscher.

Im Gestein von Asteroid „Bennu“ wurden Bausteine des Lebens nachgewiesen

Bereits bekannt ist, dass in dem Asteroiden-Material Spuren von Wasser und Kohlenstoff nachgewiesen werden konnten – und damit die Bausteine für das Leben auf der Erde Eine weitere Erkenntnis hat die Forschungsgemeinde bereits in Aufregung versetzt: Das Asteroiden-Material „sieht deutlich anders aus, als alles andere in unserer Meteoritensammlung“, sagt Lauretta. „Es gibt einen ganzen Bereich von Material, zu dem wir keinen Zugang haben, wenn wir uns nur auf Meteoriten verlassen“, ergänzt er.

Das Problem mit Meteoriten: Sie stürzen durch die Erdatmosphäre, wo sie aufgeheizt werden. Dadurch wird ihr Material verändert, außerdem ist nicht immer leicht nachzuvollziehen, von welchem Asteroiden sie stammen. Bei Meteoriten, die kürzlich bei Berlin eingesammelt wurden, war dies dagegen kein Problem.

Forscher spekuliert über Herkunft von „Bennu“: Stammt der Asteroid von einer alten Ozeanwelt?

Material, das direkt von einem Asteroiden im Weltall entnommen wird, bietet der Forschung entscheidende Vorteile: Es kann in einer Atmosphäre verpackt werden, dass das Material möglichst nicht verändert. Die Forschung hat also Zugriff auf ursprüngliches Material vom Anbeginn des Sonnensystems. Zudem ist die Zuordnung zum Asteroiden einfach.

Ein Behälter mit einer Geröllprobe von dem Asteroiden Bennu. Die Nasa hat wochenlang versucht den Behälter zu öffnen.

Die Proben von „Bennu“ weisen eine Phosphatkruste auf, die noch nie zuvor bei Meteoriten beobachtet wurde, sagt Lauretta. Eine ähnlich hohe Phosphatkonzentration wurde nach Angaben des Forschers bereits in außerirdischen Ozeanwelten nachgewiesen. Beispielsweise enthält der Saturn-Mond Enceladus Phosphate, wichtige Bausteine des Lebens. „Der Asteroid ‚Bennu‘ könnte ein Fragment einer alten Ozeanwelt sein“, vermutet Lauretta. Das sei seine Arbeitsthese, erklärt er gegenüber dem New Scientist. „Das ist noch sehr spekulativ. Aber es ist der beste Hinweis, den ich im Moment habe, um den Ursprung dieses Materials zu erklären“. (tab)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Cover-Images

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