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In der Region Medusae Fossae am Äquator des Mars findet eine Raumsonde der Esa große Mengen von Wassereis in der Tiefe. Wie sind sie dort hingekommen?
Frankfurt – Die Region Medusae Fossae (MFF) befindet sich am Äquator des Planeten Mars und ist für die Forschung ein Rätsel. Denn wie die etwa 5000 Kilometer lange Formation entstand, ist bis heute unklar. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vermuten einen vulkanischen Hintergrund, da sich in der Region auch Olympus Mons, der größte Vulkan des Sonnensystems, befindet.
Die MFF besteht aus mehreren windgeformten Gebilden, die hunderte von Kilometern breit und mehrere Kilometer hoch sind. Sie stellen eine der größten Ablagerungen auf dem roten Planeten dar.
Bereits 2007 hatte ein Forschungsteam die Medusae-Fossae-Formation mithilfe der Esa-Raumsonde „Mars Express“ untersucht und festgestellt, dass es darunter riesige Depots mit einer Tiefe von bis zu 2,5 Kilometern gibt. Woraus diese Depots bestanden, war unklar – bis heute.
„Mars Express“ entdeckt Wasser am Äquator des roten Planeten
Ein Forschungsteam hat nun neuere Daten von „Mars Express“ analysiert und neue Erkenntnisse über die Medusae-Fossae-Formation gewonnen: „Wir fanden heraus, dass die Depots noch dicker sind, als wir dachten: Bis zu 3,7 Kilometer“, sagt Thomas Watters (Smithsonian Institution), der sowohl die ursprüngliche Studie als auch die neue Studie geleitet hat. „Interessanterweise stimmen die Radarsignale mit denen überein, die wir von geschichtetem Eis erwarten würden, und ähneln den Signalen, die wir von den Polkappen des Mars sehen, von denen wir wissen, dass sie sehr eisreich sind“, erklärt der Forscher in einer Esa-Mitteilung.
Würde man das Eis, das in der Medusae-Fossae-Formation eingeschlossen ist, schmelzen, könnte man den gesamten Planeten Mars mit einem 1,5 bis 2,7 Meter tiefen Ozean bedecken. Oder, um es mit dem Wasservorkommen auf der Erde zu vergleichen: Das Wasser würde ausreichen, um das gesamte Rote Meer zu füllen.
Schichten von Staub und Eis am Mars-Äquator entdeckt
Bei den ersten Analysen der Medusae-Fossae-Formation konnte das Forschungsteam nicht ausschließen, dass es sich nur um Anhäufungen von verwehtem Staub, vulkanischer Asche oder Sediment handelt. „Hier kommen die neuen Radardaten ins Spiel“, erklärt Co-Autor Andrea Cicchetti (Nationales Institut für Astrophysik in Italien).
„Wenn der MFF einfach nur ein riesiger Staubhaufen wäre, würden wir angesichts seiner Tiefe erwarten, dass er sich unter seinem eigenen Gewicht verdichtet.“ Dadurch sollte etwas Dichteres entstehen, als mit „Mars Express“ tatsächlich zu sehen ist. „Als wir modellierten, wie sich verschiedene eisfreie Materialien verhalten würden, reproduzierte nichts die Eigenschaften des MFF – wir brauchen Eis“, so Cicchetti.
Diese Dinge wurden auf dem Mars entdeckt – sie gehören dort nicht hin




Die neuen Forschungsergebnisse zeigen, dass Staub trotzdem eine Rolle zu spielen scheint: In den Depots befinden sich Schichten von Staub und Eis, alles wird von einer mehrere hundert Meter dicken Staubschicht bedeckt. Die Studie wurde im Fachjournal Geophysical Research Letters veröffentlicht.
Auf dem Mars soll es einst große Mengen an Wasser gegeben haben
Es ist nicht das erste Mal, dass Eis auf dem Mars entdeckt wurde. Der rote Planet gilt zwar als äußerst trocken und staubig, die Forschung geht jedoch davon aus, dass es an seiner Oberfläche einst große Mengen an Wasser gab. Darauf lassen unter anderem ausgetrocknete Kanäle, Ozeane, Flussbetten und Täler, die durch Wasser entstanden sind, schließen. Außerdem weiß man, dass es an den Polkappen des Mars Wassereis gibt.
Der Fund von Eis in der Nähe des Mars-Äquators wirft neue Fragen auf. Beispielsweise konnten die großen Eisdepots unter der Oberfläche der MFF nicht unter dem aktuellen Mars-Klima entstanden sein. Der Esa-Wissenschaftler Colin Wilson formuliert einige dieser Fragen aus: „Wie lange ist es her, dass sich diese Eisablagerungen gebildet haben, und wie war der Mars zu dieser Zeit beschaffen? Sollte sich bestätigen, dass es sich um Wassereis handelt, würden diese massiven Ablagerungen unser Verständnis der Klimageschichte des Mars verändern. Jedes Reservoir von altem Wasser wäre ein faszinierendes Ziel für die Erkundung durch Menschen oder Roboter.“ (tab)
Rubriklistenbild: © ESA/DLR/FU Berlin, CC BY-SA 3.0 IGO

