VonSofia Popovidischließen
Tanja Bannerschließen
Die Auswirkungen des Klimawandels sind enorm und reichen bis zur Zeitmessung. Weil die Polkappen schmelzen, dreht sich die Erde nämlich langsamer.
Frankfurt – Durch die Bewegung der Himmelskörper im Sonnensystem wird der Takt für das Leben auf der Erde vorgegeben. Die Erde benötigt 24 Stunden, um sich einmal um sich selbst zu drehen – ein Tag dauert deshalb 24 Stunden. Ein Jahr ist 365 Tage lang, weil die Erde so lange braucht, um die Sonne einmal zu umrunden. Tatsächlich sind die Bewegungen nicht ganz so akkurat, wie es scheint: Die Erde benötigt beispielsweise genau 365 Tage, fünf Stunden, 48 Minuten und 46 Sekunden, um die Sonne zu umkreisen – die Ungenauigkeit wird durch einen Schalttag alle vier Jahre aufgefangen.
Sehr ähnlich ist es bei der Länge eines Tages: Die Erde benötigt nicht immer genau 24 Stunden, um sich einmal zu drehen. Verschiedenste Einflüsse können die 86.400 Sekunden eines Tages minimal verlängern oder verkürzen – beispielsweise Erdbeben, Wetterlagen, Bewegungen im Erdkern oder auch Wechselwirkungen zwischen Mond und Erde. Eine gelegentlich eingefügte Schaltsekunde gleicht diese Ungenauigkeiten aus. Eine neue Studie zeigt nun, dass auch der Klimawandel die Erdrotation beeinflusst – und damit unsere Zeitmessung.
Erde dreht sich schneller – negative Schaltsekunde wird bald nötig
Bis 2016 wurde die Erdrotation etwas langsamer, doch seitdem war keine Schaltsekunde mehr nötig, da die Erde sich etwas schneller dreht. Fachleute fürchten den Tag, an dem eine negative Schaltsekunde eingefügt werden muss, um die Erdrotation auszugleichen. Denn eine solche Anpassung könnte verheerende Auswirkungen auf die globalen Computersysteme haben. „Wir wissen nicht, wie wir mit einer fehlenden Sekunde umgehen sollen. Deshalb sind die Zeitmetrologie-Experten besorgt“, sagt Felicitas Arias, ehemalige Direktorin der Zeitabteilung des Internationalen Büros für Maß und Gewicht, gegenüber Nature.
Der Geophysiker Duncan Agnew hat sich mit der Schaltsekunde beschäftigt und in einer Studie festgestellt, dass der Klimawandel – genauer: die schmelzenden Polkappen – die Erdrotation verlangsamt. „Es ist genug Eis geschmolzen, um den Meeresspiegel so weit zu verschieben, dass wir tatsächlich sehen können, dass die Rotationsgeschwindigkeit der Erde beeinflusst wurde“, so Agnew. Diese Verlangsamung der Rotation wird sich auf unsere Zeitmessung auswirken, zeigt die Studie, die im Fachjournal Nature veröffentlicht wurde.
Klimawandel verzögert negative Schaltsekunde um drei Jahre
Laut der Analyse wird nämlich durch den Klimawandel die Notwendigkeit einer negativen Schaltsekunde um drei Jahre hinausgezögert. Statt 2026 wird sie erst 2029 fällig. „Für mich ist die Tatsache, dass der Mensch eine Veränderung der Erdrotation verursacht hat, ziemlich erstaunlich“, sagt Agnew und warnt vor den Folgen einer negativen Schaltsekunde: „Viele Computersysteme verfügen über Software, die es ihnen ermöglicht, eine Sekunde zu addieren, aber nur wenige sind in der Lage, eine zu subtrahieren. Der Mensch muss die Computer neu programmieren, was die Gefahr von Fehlern birgt.“ Die Schaltsekunde ist im IT-Bereich tatsächlich ein so großes Problem, dass sie wieder abgeschafft werden soll – allerdings erst 2035.
Dass die negative Schaltsekunde durch den Klimawandel um mehrere Jahre verschoben wird, ist zwar ein positiver Effekt, sollte jedoch nicht als Argument für die globale Erwärmung gewertet werden, findet Agnew. „Es wird von all den negativen Aspekten völlig aufgewogen.“ (spo/tab)
Die Redakteurin hat diesen Artikel verfasst und anschließend zur Optimierung nach eigenem Ermessen ein KI-Sprachmodell eingesetzt. Alle Informationen wurden sorgfältig überprüft. Hier erfahren Sie mehr über unsere KI-Prinzipien.
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