Was das Erdbeben in Myanmar auslöste – und Experte mit schlimmer Befürchtung
VonTanja Banner
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Das Erdbeben in Südostasien überrascht Fachleute nicht, denn in der Region stoßen zwei Erdplatten aufeinander – was Spannung erzeugt.
Frankfurt – Zwei starke Erdbeben erschütterten am Freitag (28. März) Myanmar und die angrenzenden Regionen. Das USGS maß für das stärkere Erdbeben eine Magnitude von 7,7, das GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung in Potsdam registrierte eine Magnitude von 7,8. Rund zwölf Minuten nach dem ersten Beben ereignete sich ein zweites mit einer Magnitude von 6,4 bis 6,5. Alleine in Myanmar starben offiziellen Angaben zufolge mehr als tausend Menschen. In Bangkok stürzte unter anderem ein Hochhaus ein, unter dem mehr als 90 Verschüttete befürchtet werden.
Bilder aus Myanmar und Thailand: Schweres Erdbeben, Hochhaus in Bangkok eingestürzt
Die Auswirkungen des Erdbebens sind verheerend – selbst 1000 Kilometer entfernt, in Bangkok sind sie noch deutlich zu spüren. Doch wie entstand das Erdbeben, was spielte sich unter der Erde ab und was können Fachleute über die Region sagen?
Spannungen an der Sagaing-Verwerfung lösten das starke Erdbeben aus – Experte warnt
„Das Erdbeben ereignete sich an der Sagaing-Verwerfung, die Myanmar ungefähr von Norden nach Süden durchquert“, erklärt Dr. Paolo Bergamo vom Schweizerischen Erdbebendienst. „Sie ist Teil einer tektonisch sehr aktiven Struktur, die die Grenze zwischen der indischen und der eurasischen Platte markiert. Erdbeben dieser Stärke betreffen eine Fläche mit einer Länge von ungefähr 165 Kilometern, die bis zu 20 Kilometer in die Tiefe reicht.“
Nach dem Hauptbeben habe es in einem Radius von 70 Kilometern um das Epizentrum nahe der Stadt Mandalay eine Reihe von Nachbeben gegeben. Bergamo warnt: „Es ist wahrscheinlich, dass weitere, mitunter auch größere Nachbeben erfolgen werden. Es besteht zudem eine kleine Wahrscheinlichkeit, dass sich ein noch größeres Beben mit einer Magnitude von mehr als 7,7 ereignet.“
Erdbeben in Myanmar und Thailand „durchaus nicht ungewöhnlich“
Ganz überraschend kommt das Erdbeben für Fachleute nicht. „In dieser Zone ist das durchaus nicht ungewöhnlich“, erklärt Prof. Dr. Klaus Reicherter (RWTH Aachen). „Es gibt dort den Sundabogen, das ist die Kollisionszone zwischen der eurasischen und der indisch-australischen Platte. An dieser Plattengrenze wurde auch der fürchterliche Tsunami am zweiten Weihnachtstag 2004 ausgelöst.“ Seit 1990 hätten in einem Umkreis von 250 Kilometern um das aktuelle Erdbeben sechs weitere Beben der Stärke 7 und mehr stattgefunden, weiß Bergamo.
Am Sundabogen treffen die eurasische und die indisch-australische Platte aufeinander, dabei taucht die indisch-australische Platte unter die eurasische Platte. Das hat Auswirkungen: „Durch die Kugelform der Erde muss es immer Ausgleichsbewegungen auf der Oberplatte geben, da der Radius der Erde konstant bleibt“, erklärt Reichert. „Diese horizontalen Bewegungen in Form von sogenannten Blattverschiebungen werden hinter dem vulkanischen Bogen ‚ausgeglichen‘. Die dortige 1200 Kilometer lange Sagaing-Verwerfung, die mitten durch Myanmar verläuft, ist aktiviert worden und hat zu dem schlimmen und starken Erdbeben geführt.“
Erdplatten bewegen sich mit 18 Millimetern pro Jahr aneinander vorbei – so entstehen Spannungen
Prof. Dr. Fabrice Cotton (GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung) erklärt weiter: „An der Sagaing-Verwerfung bewegen sich die Erdplatten mit einer Geschwindigkeit von etwa 18 Millimetern pro Jahr aneinander vorbei. Die Sagaing-Verwerfung fängt somit etwa die Hälfte der nach Norden gerichteten Bewegung der indischen Platte auf.“ Zwischen 1930 und 1956 sei es an der Verwerfung zu zahlreichen Erdbeben gekommen, gefolgt von einer ruhigeren Phase, in der sich im Untergrund große Spannungen aufbauten. „Diese wurden nun durch das starke Beben plötzlich freigesetzt“, so Cotton. (tab)