Spatenstich Ende März

Traditionsunternehmen aus Baden-Württemberg baut neues Werk und schafft Arbeitsplätze – mit einem Haken

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Das Waiblinger Traditionsunternehmen Stihl baut ein neues Werk, das rund 700 Mitarbeiter beschäftigen soll. Profitiert der Standort Baden-Württemberg davon?

Waiblingen - Aufgrund hoher Kosten und Steuern verlagern immer mehr Unternehmen Produktionsschritte und damit Arbeitsplätze ins europäische Ausland. Nachdem der schwäbische Weltmarktführer Stihl sein Neubauprojekt in Ludwigsburg auf Eis gelegt und eine Ansiedlung in der Schweiz erwogen hatte, wurde spekuliert, ob das Familienunternehmen aus Waiblingen seinen Sitz ganz ins Nachbarland verlagern könnte. Bislang hält Stihl allerdings am Heimmarkt fest und investiert in ein neues Akkugerätewerk am Stammsitz; zugleich erfolgte am 27. März aber auch der Spatenstich für eine weitere Produktionsstätte im Ausland.

Wie das schwäbische Unternehmen in einer aktuellen Pressemitteilung erklärt, sollen im neuen Werk in Oradea, Rumänien, ebenfalls Akkus für die Geräte von Stihl gefertigt werden. Das Werk auf einer Fläche von 147.000 Quadratmetern und einer Nutzfläche von rund 47.000 Quadratmetern wird in der finalen Ausbaustufe rund 700 Mitarbeiter beschäftigen. Damit stärkt Stihl einen weiteren Produktionsstandort außerhalb Deutschlands. Der Esslinger Autozulieferer Eberspächer hatte ebenfalls ein neues Werk in Osteuropa errichtet, es kurz nach der Fertigstellung aber verkauft.

Stihl baut neues Produktionswerk in Rumänien und will 2025 mit Produktion beginnen

Stihl hat zwar angekündigt, bei seinen Geräten den Verbrenner nicht aufgeben zu wollen, setzt aber dennoch im großen Stil auf den Akku. „Derzeit stellen wir Akku-Produkte in unseren Werken in Langkampfen, Österreich, in Virginia Beach, USA, sowie in China und Deutschland her“, erklärt Beirats- und Aufsichtsratschef Nikolas Stihl in der Pressemitteilung. „In diesem Jahr werden wir außerdem mit der Herstellung von batteriebetriebenen Geräten am deutschen Stammsitz in Waiblingen und ab 2025 zusätzlich in Oradea beginnen. Dies wird unsere Wettbewerbsfähigkeit im Akku-Segment erheblich verbessern.“

Stihl setzt neben den klassischen Benzin-betriebenen Modellen verstärkt auch auf Akkugeräte.
Name Stihl Holding AG & Co. KG (STIHL)
Gründung 1926
Sitz Waiblingen-Neustadt, Baden-Württemberg
Branche Maschinenbau
Produkte Motorgeräte für verschiedene Branchen, Hochdruckreiniger
Mitarbeiter 20.552 (Ende 2022)
Umsatz 5,5 Milliarden Euro (2022)

Stihl-Chef Michael Traub hatte vor nicht allzu langer Zeit im Gespräch mit dem Handelsblatt verdeutlicht, dass es für ein Familienunternehmen eine starke Bindung benötige, um weiterhin in Deutschland zu investieren. Deshalb lehnt der Stihl-CEO auch die 4-Tage-Woche ab, da sie laut ihm eine Steilvorlage dafür wäre, die internationalen Standorte verstärkt zu nutzen. Ein solcher entsteht eben in Rumänien, zum Vorteil der dortigen Wirtschaft. „Die Entscheidung des Unternehmens, in Oradea zu investieren, ist ein starkes Signal für die Attraktivität unserer Gegend“, wird Florin Birta, Bürgermeister der Stadt, in der Mitteilung zitiert.

Produktionsansiedlungen im Ausland sind keine Seltenheit

Ende März erfolgte der Spatenstich, im September 2025 will Stihl bereits mit der Produktion in Rumänien beginnen.

Wie beim neuen Akkugerätewerk nahe dem Stammsitz im schwäbischen Waiblingen hat sich Stihl auch für das Werk in Oradea einen strengen Zeitplan verordnet. Der Start der Serienproduktion ist demnach bereits für September kommenden Jahres angesetzt. Obwohl Arbeitnehmervertreter wie die IG Metall Ansiedlungen von neuen Produktionsstätten im Ausland – aus nachvollziehbaren Gründen – stark kritisieren, ist ein solcher Schritt aus Unternehmenssicht nachvollziehbar. Viele Unternehmen aus Baden-Württemberg zieht es aktuell auch nach Bulgarien.

Rubriklistenbild: © Stihl AG

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