VonJulian Baumannschließen
Bis zuletzt hatten sich die Mitarbeiter zweier Michelin-Werke in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz noch gegen die Schließung gestemmt, doch die Hoffnung war vergebens.
Update vom 15. März, 14:20 Uhr: Der französische Reifenhersteller Michelin hatte bereits vor einiger Zeit angekündigt, mehrere Standorte in Deutschland, darunter auch die Werke in Karlsruhe (Baden-Württemberg) und Trier (Rheinland-Pfalz) bis Ende 2025 schließen und die Produktion von Neureifen und Halbfertig-Produkten im saarländischen Homburg beenden zu wollen. Gegen diese Entscheidung hatte die Gewerkschaft IGBCE Widerstand angekündigt, um die Schließungen und damit einen Jobkahlschlag im Südwesten zu verhindern.
Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) am Freitag (15. März) berichtet, sind die Bemühungen der Gewerkschaft gescheitert. Laut der IGBCE habe der Konzern alle Vorschläge der Arbeitnehmerseite zum Erhalt der Werke und einem Teil der Arbeitsplätze abgelehnt. Damit ist die Schließung der Werke in Karlsruhe und Trier sowie das Ende der Neureifen-Produktion in Homburg besiegelt. Die Mitarbeiter seien bereits informiert worden, insgesamt sind mehr als 1.500 Angestellte betroffen.
Mitarbeiter kämpfen um Produktionsstandorte im Südwesten - doch die Hoffnung schwindet
Erstmeldung vom 27. Februar: Karlsruhe/Trier - Bereits im vergangenen Jahr hat der französische Reifenhersteller Michelin angekündigt, die Standorte in Deutschland restrukturieren zu müssen. Unter anderem will der Autozulieferer ein Werk in Baden-Württemberg schließen, wovon rund 600 Mitarbeiter betroffen sind. Konkret sollen die Michelin-Standorte im badischen Karlsruhe und im pfälzischen Trier bis Ende 2025 geschlossen und im saarländischen Homburg die Produktion von Neureifen und Halbfertig-Produkten beendet werden, wie es Ende 2023 in einer Pressemitteilung des Konzerns hieß.
Die Gewerkschaft IG Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) hat Widerstand angekündigt und am Montag (26. Februar) zu einer großen Kundgebung in der Fächerstadt in Baden-Württemberg aufgerufen. Karlsruhe ist mit seinen rund 600 Mitarbeitern am Standort besonders von den Schließungsmaßnahmen betroffen, weswegen viele Angestellte dem Ruf der Gewerkschaft folgten. Wie der SWR bereits berichtete, haben Gewerkschaft und Betriebsrat ein Konzept zur Erhaltung des Michelin-Standorts Karlsruhe vorgelegt. Bei den Mitarbeitern besteht aber offenbar dennoch keine große Hoffnung, ihre Arbeitsplätze behalten zu können.
Michelin-Mitarbeiter in Karlsruhe kämpfen um ihre Arbeitsplätze – große Hoffnung besteht aber nicht
In einer Pressemitteilung hatte Michelin im November 2023 erklärt, dass importierte Lkw-Budgetreifen, die einen Verlust der Marktanteile bedeuten, in Kombination mit der hohen Inflation und den steigenden Produktionskosten in Deutschland zu einer Überkapazität in der Produktion führen und der Konzern deshalb handeln müsse. „Michelin wird die Produktion an den Standorten Karlsruhe und Trier sowie die Lkw-Neureifen- und Halbfabrikatfertigung in Homburg schrittweise einstellen“, hieß es in der Mitteilung. „1.410 Mitarbeitende sind davon betroffen.“ Zudem soll das Kundencenter von Karlsruhe nach Polen verlagert werden, was weitere 122 Angestellte betrifft.
| Name | Manufacture Française des Pneumatiques Michelin |
|---|---|
| Gründung | 1889 |
| Sitz | Clermont-Ferrand, Frankreich |
| Mitarbeiter weltweit | 132.200 (2022) |
| Umsatz | 28,6 Milliarden Euro (2022) |
| Standorte im Südwesten | Werk Karlsruhe, Baden-Württemberg |
| Werk Trier, Rheinland Pfalz | |
| Werk Bad Kreuznach, Rheinland-Pfalz | |
| Werk Homburg, Saarland | |
| Logistikzentrum Landau, Rheinland-Pfalz | |
| Lager Ulm, Baden-Württemberg |
Am Montag hatten sich zur Demonstration gegen die angekündigte Schließung des Werks Karlsruhe rund 300 Mitarbeiter auf dem Gelände versammelt, die anschließend mit Thrillerpfeifen und T-Shirts um den Standort durch die Straßen am Standort in der Fächerstadt zogen. Dem SWR zufolge standen Sprüche wie „wir kämpfen für unsere Arbeitsplätze“ auf den Shirts, große Hoffnungen, dass der Standort und damit die Arbeitsplätze erhalten bleiben, besteht aber nicht, wie mehrere Mitarbeiter berichteten. „Die Stimmung ist schwierig“, erklärte einer.
IGBCE und Betriebsrat wollen mit Konzept Michelin-Standorte in Karlsruhe und Trier retten
Die aktuelle Wirtschaftslage zwingt mehrere Großkonzerne zu drastischen Maßnahmen. Autokonzern Stellantis hat beispielsweise angekündigt, in einem Werk nahe Baden-Württemberg 600 Stellen abbauen zu müssen. Konkret geht es um den Standort in Mülhausen im Elsass. Aus der französischen Region an der Grenze zu Baden-Württemberg pilgern auch viele Menschen zum Michelin-Werk in Karlsruhe. Die IGBCE und der Betriebsrat am Standort haben bereits ein Konzept zur Erhaltung des Werkes vorgelegt, das von Michelin derzeit geprüft wird.
Konkret soll das vorgelegte Konzept die Schließung der Michelin-Standorte Karlsruhe und Trier und damit den Abbau von über 1.500 Stellen beim französischen Reifenhersteller verhindern. Michelin hatte bereits im November erklärt, mit der IGBCE über die Umsetzung der betrieblichen Änderungen zu sprechen und den Mitarbeitern ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur Verfügung stellen zu wollen. Auch der schwäbische Autozulieferer ZF Friedrichshafen hat die Schließung zweier deutscher Standorte verkündet, wogegen die Mitarbeiter Sturm laufen.
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