VonJulian Baumannschließen
In Baden-Württemberg gibt es derzeit noch 13 Galeria-Filialen mit insgesamt rund 1.700 Angestellten. Können sie durch neue Eigentümer gerettet werden?
Stuttgart - Die Signa-Insolvenz hat die zweitgrößte europäische Kaufhauskette, Galeria Karstadt Kaufhof, in eine tiefe Krise gestürzt, die sich auch auf die Häuser in Baden-Württemberg auswirkt. Bereits Ende 2022 räumte Galeria in einem Brief an die Mitarbeiter eine „existenzbedrohende Notlage“ ein; inzwischen mussten über 50 Filialen in ganz Deutschland endgültig geschlossen werden. Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass ein Konsortium aus Investoren die insolvente Kaufhauskette übernehmen und von den derzeit noch betriebenen 92 Filialen mehr als 70 fortführen werde.
Auf der Galeria-Streichliste standen auch mehrere Warenhäuser in Baden-Württemberg, darunter in Großstädten wie Stuttgart, Heidelberg oder Freiburg. Eine Filiale in der Region Stuttgart wurde überraschend vor der Schließung gerettet. Das Galeria-Warenhaus in der Stuttgarter Eberhardstraße ist aber seit einigen Wochen endgültig Geschichte, während die Filiale in der Königstraße weitergeführt wird. Dem SWR zufolge gibt es derzeit noch 13 Galeria-Filialen in Baden-Württemberg; offen ist, wie viele davon durch die neuen Eigentümer gerettet werden können.
Noch 13 Galeria-Filialen mit mehr als 1.700 Mitarbeitern in Baden-Württemberg
Im Laufe der vergangenen drei Jahre hatte Galeria Karstadt Kaufhof dreimal Insolvenz angemeldet. Zwischenzeitlich wurde spekuliert, dass der Präsident eines Drittligisten aus Baden-Württemberg die Kaufhauskette retten werde. Das ist den Berichten zufolge tatsächlich eingetreten, da Bernd Beetz, Präsident des SV Waldhof Mannheim und Unternehmer im Luxussegment, zu den neuen Eigentümern gehört. Wie der SWR berichtet, betonte der gebürtige Sinsheimer am Mittwoch (10. April) in Essen, „langfristig investieren, entwickeln und wachsen“ zu wollen. Die 70 Warenhäuser, die von einer Schließung bewahrt werden sollen, wurden in Essen zudem durch den Insolvenzverwalter als Teil der Investorenvereinbarung notariell beurkundet.
Dass von den verbleibenden 92 Galeria-Filialen in Deutschland ein Großteil bewahrt werden soll, ist für die rund 15.000 Mitarbeiter zunächst eine gute Nachricht. Ob darunter auch die verbleibenden 13 Filialen in Baden-Württemberg sein werden, steht zum aktuellen Zeitpunkt nicht fest. Die Gewerkschaft Ver.di fordert jedoch, dass kein weiteres Warenhaus im Bundesland mehr geschlossen wird. „Die Kolleginnen und Kollegen haben nach vielen Jahren mit Verzicht und Angst um ihre Arbeitsplätze einen Kulturwechsel verdient“, sagte Landeschef Martin Gross. Insgesamt beschäftigt Galeria in Baden-Württemberg mehr als 1.700 Mitarbeiter.
| Standort | Adresse |
|---|---|
| Galeria Freiburg am Bertoldsbrunnen | Kaiser-Joseph-Straße 195, Freiburg im Breisgau |
| Galeria Freiburg am Europaplatz | Kaiser-Joseph-Straße 165, Freiburg im Breisgau |
| Galeria Heidelberg Hauptstraße | Hauptstraße 30, Heidelberg |
| Galeria Heilbronn | Fleiner Straße 15, Heilbronn |
| Galeria Karlsruhe | Kaiserstraße 147-159, Karlsruhe |
| Galeria Konstanz | Hussenstraße 23, Konstanz |
| Galeria Leonberg | Leonberger Straße 110, Leonberg |
| Galeria Lörrach | Turmstraße 1, Lörrach |
| Galeria Mannheim | P 11, Mannheim |
| Galeria Offenburg | Lindenplatz 3, Offenburg |
| Galeria Singen | Bahnhofstraße 19-21, Singen (Hohentwiel) |
| Galeria Stuttgart Königstraße | Königstraße 6, Stuttgart |
| Galeria Ulm | Bahnhofstraße 5, Ulm |
(Quelle: galeria.de)
Wirtschaftsministerium hat Hoffnung, Filialen und Arbeitsplätze bewahren zu können
Dass Warenhäuser durch den Online-Handel bedroht sind, ist keine neue Entwicklung. Kürzlich kündigte die Stuttgarter Kaufhauskette Breuninger die Schließung einer Filiale in Reutlingen an. In der Landeshauptstadt zeigt sich jedoch deutlich, dass das Geschäftsmodell von Galeria Karstadt Kaufhof kein Auslaufmodell sein muss. Während die Schließung der Filiale in der Eberhardstraße von Anfang an auf der Liste stand, war das Warenhaus in der viel frequentierten Einkaufsmeile Königstraße bislang überhaupt nicht von einer Schließung bedroht.
Die Filiale in der Königstraße erzielt aktuell gute Zahlen, geklärt ist aber dennoch nicht endgültig, ob sie zu den 70 Warenhäusern gehören wird, die überdauern sollen. Eine Sprecherin des baden-württembergischen Wirtschaftsministeriums erklärte gegenüber dem SWR jedoch, dass es die Hoffnung gebe, einen großen Teil der Filialen und damit viele Arbeitsplätze erhalten zu können. Zu Beginn des Jahres konnte auch die insolvente Modekette Peter Hahn gerettet werden, 400 Mitarbeiter mussten dennoch gehen.
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