Keine Zukunft mehr?

Autozulieferer aus Baden-Württemberg ist insolvent und kündigt alle Mitarbeiter

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Aufgrund der Lage in der Automobil- und Maschinenbauindustrie ist die Federnfabrik Erwin Lutz in die Zahlungsunfähigkeit gerutscht. Für die Mitarbeiter gibt es schlechte Neuigkeiten.

Eningen - Von Januar bis einschließlich Juni 2024 ist die Anzahl an Unternehmensinsolvenzen in Baden-Württemberg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um ganze 37,6 Prozent angestiegen, wie das Statistische Landesamt am Mittwoch (11. September) mitteilte. Nachdem jüngst eine Unternehmensgruppe von der Ostalb Insolvenz anmelden musste, trifft es nun ein weiteres Unternehmen aus der Zuliefererbranche. Konkret geht es um die Federnfabrik Erwin Lutz mit Sitz in Eningen unter Achalm bei Reutlingen.

Wie mehrere Medien übereinstimmend berichten, hat der Zulieferer für die Automobil- und Maschinenbauindustrie am Amtsgericht Tübingen einen Antrag auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens angemeldet. Wie aus den Insolvenzbekanntmachungen hervorgeht, wurde der Antrag bereits am 9. August vom Amtsgericht angenommen und der Reutlinger Rechtsanwalt Jürgen Sulz zum vorläufigen Verwalter berufen. Jüngst hatte auch ein Technikunternehmen aus Baden-Württemberg Insolvenz angemeldet.

Vor Insolvenzantrag: Alle Mitarbeiter der Federnfabrik Erwin Lutz erhalten Kündigung

Die 1966 von Erwin Lutz, zuvor Prokurist beim Reutlinger Hygieneartikel-Großhändler Vogt, gegründete Federnfabrik in Eningen ist auf die Herstellung von technischen Federn und Biegeteilen spezialisiert. Solche Bauteile kommen unter anderem in der Automobilindustrie und dem Maschinenbau zum Einsatz, die aktuell beide stark zu kämpfen haben. Deshalb ist offenbar auch die Federnfabrik Erwin Lutz in eine Schieflage geraten. „Die Kunden aus der Automobil- und Maschinenbauindustrie riefen aus großen Rahmenverträgen zuletzt wenig ab“, erklärte der vorläufige Insolvenzverwalter Jürgen Sulz dem Reutlinger Generalanzeiger (GEA).

Name Federnfabrik Erwin Lutz GmbH
Gründung 1966
Sitz Eningen, Baden-Württemberg
Branche Automobilzulieferer, Maschinenbauzulieferer, Elektronikzulieferer
Mitarbeiter 20

Der Rechtsanwalt aus Reutlingen teilte der Zeitung auf Anfrage allerdings auch mit, dass bereits vor dem Antrag auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens ein Stilllegungsbeschluss für die Fabrik getroffen worden sei und alle 20 Mitarbeiter ihre Kündigungen erhalten haben. Das deckt sich mit dem Bericht der Südwestpresse (SWP), die auf Anfrage dieselbe Information erhalten hatte. Bis zur Vollstreckung der Kündigungen sind die Gehälter der Angestellten aber durch das Insolvenzgeld gedeckt. „Dieses wurde bereits für die Monate Juli und August 2024 vorfinanziert und an die Mitarbeiter ausbezahlt“, so Sulz.

Die Federnfabrik Erwin Lutz aus Eningen hat Insolvenz angemeldet. Alle Mitarbeiter wurden gekündigt. (Symbolfoto)

Federnfabrik Erwin Lutz wurde bereits 2022 verkauft – Aufgabe oder Neustart durch Insolvenz?

Dem vorläufigen Insolvenzverwalter zufolge wurde die bis dahin von den Erben von Erwin Lutz geleitete Federnfabrik inklusive des Firmengrundstückes bereits Mitte 2022 verkauft. Wie aus dem Impressum der Homepage hervorgeht, wird das Unternehmen seitdem durch Tobias Ulrich und Tanja Knörzer vertreten. Da alle bisherigen Mitarbeiter gekündigt wurden, kann vermutet werden, dass die Federnfabrik in Eningen durch das Insolvenzverfahren entweder komplett abgewickelt oder aber vollständig neu gestartet werden soll. Erst im Mai konnte eine Einigung für ein insolventes Unternehmen aus Reutlingen erzielt werden, die die Fortsetzung des Betriebs ermöglichte.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Funke Foto Services

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