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Unternehmensgruppe aus Baden-Württemberg meldet Insolvenz an – bis zu 585 Mitarbeiter betroffen

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Zwei Gesellschaften einer Unternehmensgruppe aus Baden-Württemberg haben Insolvenz angemeldet. Die Produktion läuft weiter, die Zukunft ist aber ungewiss.

Mutlangen - Die Insolvenzwelle aufgrund der vielen wirtschaftlichen Herausforderungen bremst auch zu Beginn der zweiten Jahreshälfte nicht ab. Erst vor wenigen Tagen hat ein traditionsreicher Autozulieferer aus dem Schwarzwald zum fünften Mal Insolvenz angemeldet, nun trifft es auch eine Unternehmensgruppe von der Ostalb. Wie aus den Bekanntmachungen des Amtsgerichts Aalen hervorgeht, haben sowohl die Mürdter Metall- und Kunststoffverarbeitung GmbH als auch die Mürdter Werkzeug- und Formenbau GmbH, die beide ihren Sitz in Mutlangen haben, am 5. August einen Antrag auf Eröffnung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens gestellt.

Die Unternehmensgruppe, die seit 2023 unter dem Namen Mürdter Automotive fungiert, wurde im Jahr 1965 ursprünglich als Werkzeugbauer gegründet. Heute produziert die Unternehmensgruppe aus Baden-Württemberg vor allem Kunststoffspritzgussteile für die Automobilindustrie; betreibt am Hauptsitz in Mutlangen aber auch weiterhin einen eigenen Werkzeugbau. Als Insolvenzverwalter für die beiden Gesellschaften wurden Patrick Wahren und Arndt Geiwitz von der Kanzlei SGP Schneider Geiwitz & Partner eingesetzt. Vieles ist zum aktuellen Stand noch offen.

Gesellschaften der Mürdter-Gruppe in Mutlangen melden Insolvenz an – vieles ist noch ungewiss

Wie die Remszeitung bereits berichtete, ist ein konkreter Grund für die Insolvenz der Mürdter-Gruppe in Mutlangen bislang nicht bekannt. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass die hohen Preise in Verbindung mit einer stark nachgelassenen Auftragslage durch die aktuell schwierige Lage der Automobilindustrie zumindest eine Rolle spielen. Aus diesen Gründen hatte kürzlich auch der bekannte Autositzhersteller Recaro aus Kirchheim unter Teck Insolvenz anmelden müssen. Bei der Mürdter-Gruppe wurden die Anträge für die beiden genannten Gesellschaften angemeldet, ob auch die übergeordnete Gesellschaft von der Maßnahme betroffen ist, ist ebenfalls noch nicht klar.

Zwei Gesellschaften der Mürdter-Gruppe in Mutlangen haben Insolvenz angemeldet.
Name Mürdter Automotive
Gründung 1965 als Alber Mürdter Werkzeug- und Formenbau
Sitz Mutlangen, Baden-Württemberg
Branche Autozulieferer, Werkzeugbau
Standorte Mutlangen (Mürdter Werkzeug- und Formenbau & Mürdter Metall- und Kunststoffverarbeitung), zwei Standorte in Tschechien, eine Werkzeugfabrik in China.
Mitarbeiter 585 (laut Angabe von Ende 2021*)
Umsatz 40,8 Millionen Euro (2021*)

*neuere Zahlen zur Anzahl der Mitarbeiter und dem Umsatz liegen nicht vor

Ende 2021 hatte die Xander Automotive GmbH sämtliche Anteile an den Firmen der Mürdter-Gruppe übernommen, nachdem die bisherigen Geschäftsführer und Inhaber Normen und Robert Mürdter nach fast 30 Jahren keine Nachfolger für die traditionsreiche Firmengruppe finden konnten. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte Mürdter in Mutlangen rund 280 und insgesamt 585 Mitarbeiter; wie viele konkret nun von der Insolvenz der beiden Gesellschaften betroffen sind, ist unklar. Einem weiteren Artikel der Remszeitung zufolge läuft die Produktion auf der Ostalb allerdings weiter.

Autoindustrie in Baden-Württemberg steht seit langem unter erheblichem Druck

Die eigentlich äußerst starke Automobilindustrie in Baden-Württemberg steht bereits seit einiger Zeit unter erheblichem Druck. Weil die Hersteller mit einer sinkenden Nachfrage kämpfen, geht auch bei den Zulieferern die Produktionskapazität zurück. Großkonzerne wie die ZF Friedrichshafen, die 1.500 Mitarbeiter am Stammsitz über die Sommermonate in Kurzarbeit geschickt hat, regieren mit bestimmten Maßnahmen; für kleinere Unternehmen sind die Folgen oftmals deutlich fataler. Laut dem Statistischen Landesamt ist die Anzahl an Unternehmensinsolvenzen in Baden-Württemberg im ersten Halbjahr 2024 auch insgesamt stark angestiegen.

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