Dieselleitwerk im Saarland

Im Südwesten herrscht Angst vor großem Stellenabbau bei Bosch – Konzern reagiert

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Beim Technologiekonzern Bosch stehen tausende Stellen auf dem Spiel. An einem Standort im Südwesten revidiert das Unternehmen die große Sorge der Mitarbeiter jedoch.

Stuttgart - Der Stuttgarter Technologiekonzern Bosch hat in den vergangenen Monaten empfindliche Sparmaßnahmen in mehreren Bereichen angekündigt. Allein im Automotive-Bereich will der weltgrößte Autozulieferer mehr als 3.000 Stellen abbauen, betroffen sind vor allem Standorte in Baden-Württemberg. Grund dafür ist neben weiteren Faktoren die Transformation zur E-Mobilität. Bosch-Chef Stefan Hartung hatte bereits angekündigt, künftig weniger Mitarbeiter zu beschäftigen. Deshalb geht auch am Standort im saarländischen Homburg an der Grenze zu Rheinland-Pfalz die Angst vor einem Stellenabbau um.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

Das Werk der Robert Bosch GmbH in Homburg ist das Leitwerk für die Produktion von Dieseltechnologien für Personen- und Nutzfahrzeuge. Zusammen mit den Werken der Tochter-Gesellschaften Bosch Rexroth (Antriebstechnik) und Moehwald (Messtechnik) beschäftigt der schwäbische Großkonzern am Standort rund 4.500 Mitarbeiter. Wie die Rheinpfalz berichtet, herrscht dort aktuell aber die große Sorge vor einem drastischen Stellenabbau, was vor allem der unklaren Ausrichtung der Werke geschuldet ist.

Bosch-Mitarbeiter und Betriebsrat aufgrund von unklaren Perspektiven in Sorge um Standort

Dass das „Ende des Verbrenners“ bei Bosch zu Einsparungen im Personal führt, ist seit langem bekannt. Im Dieselleitwerk in Homburg wird laut Konzernangaben aber im Zuge des Wandels zur E-Mobilität bereits sukzessive Kompetenz im Bereich Wasserstofftechnologie aufgebaut. Bislang ist die Technologie aber nicht marktreif, weswegen Oliver Simon, Betriebsratschef des Werks in Homburg, der Rheinpfalz zufolge eine andere Lösung fordert. „Wir wollen wissen: Was ist nach dem Verbrenner?“, sagte er. Befürchtet wird sogar, dass der Konzern die angekündigte Wasserstofftechnologie ins Ausland verlagern könnte.

Am 20. März hatten sich bundesweit tausende Bosch-Mitarbeiter vor den Werken versammelt. Das Foto zeigt die Demonstration im saarländischen Homburg.

Aufgrund von unklaren Zukunftsperspektiven herrscht bei Bosch in Homburg bereits seit einiger Zeit großer Unmut. Am 20. März hatten sich unter der Anleitung der IG Metall Homburg-Saarpfalz rund 2.500 Mitarbeiter vor dem Werkstor versammelt, um gegen drohende Werkschließungen und Jobverluste zu demonstrieren. Am selben Tag hatten sich tausende Bosch-Mitarbeiter auch vor der Konzernhauptverwaltung in Gerlingen bei Stuttgart zusammengetroffen, nachdem die IG Metall gefordert hatte, den „Kahlschlag“ bei Bosch zu stoppen. Bundesweit hatten nach Angaben der Gewerkschaft am 20. März rund 25.000 Boschler demonstriert.

Kündigungsschutz bei Bosch gilt auch für Dieselleitwerk im saarländischen Homburg

Bosch befindet sich wie die ZF Friedrichshafen und Mahle in der Transformation zur E-Mobilität, die im Bereich der Personenkraftwagen als Zukunft der Mobilität gilt. Im Falle der Produktion in Homburg verweist der Stuttgarter Konzern aber darauf, dass dort vorrangig Komponenten für Dieselmotoren für Nutzfahrzeuge hergestellt werden, die bei weitem nicht so schnell von Elektromotoren abgelöst werden können. „Der Diesel wird im Nutzkraftfahrzeugbereich noch lange Standard bleiben“, erklärte ein Bosch-Sprecher der Rheinpfalz. Er sehe am Standort deshalb eine stabile Beschäftigung bis in die 2030er Jahre.

Betriebsbedingte Kündigungen sind in der Automotive-Sparte von Bosch in Deutschland nach einer Einigung mit der IG Metall bis 2027 ohnehin nicht möglich. Dass die Transformation der Autoindustrie nicht die einzige Herausforderung für den schwäbischen Weltkonzern darstellt, zeigt sich jedoch darin, dass Bosch auch einen Stellenabbau im Bereich Power Tools und bei der Hausgerätetochter BSH angekündigt hat. In diesen Konzernbereichen will das Unternehmen die Maßnahme nach Möglichkeit aber ebenfalls sozialverträglich gestalten.

Rubriklistenbild: © Roman Schmidt/IG Metall Homburg-Saarpfalz

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