VonGerhard Königerschließen
Die Kundgebung am Fuchseck machen rund 1000 Teilnehmende zu einem überzeugenden Bekenntnis für die freiheitliche, demokratische, multikulturelle Gesellschaft.
Ellwangen 100 waren angemeldet, 1000 sind gekommen, Bürgerinnen und Bürger jeden Alters, darunter viele Jugendliche und junge Erwachsene. Sie machten am Samstagvormittag am Fuchseck deutlich, dass sie den unerträglichen Umtrieben der extremen Rechten in diesem Land nicht mehr tatenlos zusehen wollen. Das Geheimtreffen von Potsdam und die Planung der "Remigration", öffentlich gemacht vom Recherchenetzwerk Correctiv, hat die "Mitte der Gesellschaft" auf die Straße gebracht.
Was auf den Plakaten, Schildern, Transparenten geschrieben stand, war eindeutig: "Nazis nerven mehr als Wespen", "Lieber kunterbunt als kackbraun", "Wer AFD wählt, wählt Nazis", "Wehret den Anfängen", "Liberte, Egalite, FCKAFD", "Menschenrechte statt rechte Menschen", "Kein Platz für Rassismus", "Mach meinen Kumpel nicht an", "Ich musste NS-Terror erleben. Nie wieder" und viele andere Slogans zeigten, dass hier niemand bereit ist, die Rückkehr völkischer Ideale hinzunehmen.
Josef Baumann vom Friedensforum stellte fest, dass der Aufruf zur Kundgebung von jenem breiten Bündnis unterstützt wird, das sich 2018 gegen die fremdenfeindlichen Attacken der AfD gebildet hat. "Ellwangen bleibt bunt" bekräftigten damals wie heute alle im Gemeinderat vertretenen Parteien, Kirchen und Religionsgemeinschaften, Vereine, Schulen, Organisationen, Firmen und Gruppen. "Die Kraft der Kultur ist für unseren Widerstand unverzichtbar", rief er den Musikern von "Ninehome" zu, die mit Klezmermusik die Veranstaltung gestalteten.
Nach einer Gedenkminute für die Opfer der NS-Diktatur anlässlich des nationalen Gedenktages freute sich Bürgermeister Volker Grab über "dieses klare und vielfältige Bekenntnis gegen Faschismus" und verwies auf das Grundgesetz. Er forderte, verfassungsfeindlich agierende Parteien müssten verboten werden. An die Bundestagsabgeordnete Leni Breymaier gerichtet: "Traut euch, die wehrhafte Demokratie ernst zu nehmen. Die Prüfung eines Verbotes der AfD muss jetzt angegangen werden."
Die völkischen Ideen, die fremdenfeindlichen und rassistischen Äußerungen dieser Partei, würden zunehmend zur Bedrohung der Gesellschaft und der Wirtschaft. "Dagegen müssen wir Haltung zeigen", sagte Grab, betonte aber auch, dass man Menschen, die bereits AfD gewählt haben, zurückholen könne in die demokratische Gemeinschaft.
Schülerinnen und Schüler des Hariolf-Gymnasiums sprachen über ihr Projekt zu Verfolgten der NS-Diktatur. In Ellwangen gebe es keinen Platz für Ausgrenzung und Hass. "Es wurde zu lange zu wenig unternommen" gegen Agitatoren wie Höcke und Gauland, meinte Maximilian Hochstatter vom Jugendrat. Auch ein Hitlergruß im Klassenzimmer sei kein Spaß, sondern Zeichen von Geschichtsvergessenheit.
Bärbel Mauch, die 2. Vorsitzende des Flüchtlingsrats Baden-Württemberg, rief: "Wir lassen uns die Demokratie nicht kaputt machen." Die Mehrheit in Deutschland stehe klar gegen Rassismus und Faschismus und die Bündnisse, die seit zwei Wochen auf die Straße gehen, seien ein klares Signal an die "braunen Rattenfänger" und an die Politik, dass sich diese Gesellschaft nicht unterteilen lassen wolle in Menschen 1., 2. und 3. Klasse.
Migranten seien fest eingeschlossen in die Gemeinschaft, dafür stünden nicht nur die Gewerkschaften ein. "Wenn unsere ausländischen Mitbürger einer angreift, dann greift er uns alle an", beschwor sie die Solidarität auch mit Flüchtlingen und Asylsuchenden.
Für Herbert Hieber, Fraktionssprecher der SPD im Gemeinderat, sind Veranstaltungen wie die Kundgebung am Fuchseck viel mehr als Symbolpolitik. Aus ihnen komme die Kraft, für Demokratie einzustehen. "Wir können vieles ändern", ermunterte er, die Gesellschaft müsse demokratisch, aber auch wechselseitig gesprächsbereit bleiben.
Berthold Weiß, Fraktionssprecher der Grünen, warnte: Schon jetzt würden Kommunalpolitiker immer respektloser angegangen, sprachliche Verrohung könne man auch bei Wählergemeinschaften sehen. "Wegbereiter für Hass und Häme" sah er am Werk und dankte den Kundgebungsteilnehmerinnen und -teilnehmern für den Mut, "unsere Demokratie in aller Öffentlichkeit zu verteidigen."
Ein junges Mitglied der muslimischen Ahmadija-Gemeinde beteuerte, dass "auch uns Muslimen die Demokratie wichtig ist" und Klaus Opferkuch kündigte weitere Aktivitäten der "Ellwangen bleibt bunt"-Bürgerinitiative an. Noch vor den Kommunal- und Europawahlen im Juni werde es ein zweites "buntes Fest" in der Stadt geben.
Großer Andrang auch bei Demo in Schwäbisch Gmünd
Das „Bündnis Aufstehen gegen Rassismus“ hatte dazu aufgerufen, gegen Rechtsextremismus auf die Straße zu gehen. Bis zu 3500 Teilnehmer waren dabei. So lief die Demo in Gmünd...
Lesen Sie dazu auch den Kommentar "Was das Demonstrieren für Demokratie und Menschenrechte bringt".



