VonAnke Schwörer-Haagschließen
Nun muss auch das Rückhaltebecken an der Rehnenmühle entlastet werden. In der Talsohle entlang der Lein werden die Gemeinden evakuiert. Notunterkünfte sind vorbereitet.
Täferrot/Leinzell. Das Drama setzt sich fort: Nach dem Rückhaltebecken Täferrot musste nun auch der Rehnenmühle-Stausee entlastet werden. Die Schieber sind geöffnet. Das Täferroter Becken läuft mittlerweile trotz Entlastung über. Das Wasser sucht sich seine Wege ins Tal. Dazu kommt die Bugwelle, die die Lein nach dem Starkregenereignis bei Alfdorf vor sich herschiebt. Dort waren in der Nacht 100 Liter auf den Quadratmeter niedergeprasselt.
+++Update 6.40 Uhr: In Täferrot seien mittlerweile 150 Personen in der Halle untergebracht, sagt Bürgermeister Markus Bareis. Unterstützt wird die Gemeinde vom DRK Schwäbischer Wald, von der SEG Aalen. Im Einsatz sind natürlich auch die Feuerwehren. Die Täferroter Wehr hat Verstärkung von Kameraden aus Ruppertshofen und Spraitbach.
Schule und Kindergarten fallen heute aus, sagt der Bürgermeister außerdem. Und dass einzelne Gebäude mit Sandsäcken abgesichert sind.
+++ Update Per Warn-App werden Gefahrenmeldungen verschickt für die Talsohle entlang der Lein. Die Evakuierung des Leintals in den Gemeinden Abtsgmünd, Heuchlingen, Mulfingen, Leinzell und Täferrot ist angekündigt.Notunterkünfte wurden sind vorbereitet:
in Heuchlingenim Kindergarten in der Schulstraße, im Albvereinshaus in der Brackwanger Straße und im Gemeindehaus
in Leinzell in der Mensa der Schule in der Rosensteinstraße
in Täferrot in der Turnhalle im Schulweg
Die Bevölkerung wird vom Landratsamt dringend gebeten, die aktuellen Warnmeldungen weiterhin aktiv zu verfolgen.
Am Samstagabend war bereits die erste Warnung gekommen, und schon am Sonntagmorgen (2.6.) war es ernst geworden: Der Wassermeister hatte den Schieber geöffnet, der Täferroter Stausee musste als erster entlastet werden. Fast unmittelbar habe man in Leinzell die Wirkung gespürt, berichtet Bürgermeister Marc Schäffler. Der Pegel ist um 20 Zentimeter auf 1,06 Meter gestiegen; bei 1,40 Meter gibt es keinerlei Halten mehr.
Ein Schutzwall um den Trinkwasserbrunnen
Da es weiter regnet und regnet und regnet hat der Bürgermeister gemeinsam mit den Floriansjüngern um Kommandant Sascha Bollin sich für Vorsichtsmaßnahmen entschieden. 500 leere Sandsäcke werden aufgetrieben, 300 davon den Tag über befüllt. Um den Trinkwasserbrunnen, der die Gemeinde zuverlässig versorgt, wird ein Schutzwall gebaut. Probleme, wie es sie in Teilen von Alfdorf und Kaisersbach gibt, weil Regenwasser in die Trinkwasserversorgung eingedrungen war, will man vermeiden, wenn es irgendwie geht.
Da es weiterhin regnet und gewittert und regnet werden auch schon Sandsäcke an den neuralgischen Stellen der Kulturhalle aufgeschichtet. Die Durchfahrt unter den Leinbrücke und die Fußgängerstege über den immer wilder tobenden Fluss werden gesperrt.
Es läuft trotzdem mehr Wasser nach, als abfließen kann
Mit Bernd Stäb, dem Bauhofleiter des zuständigen Wasserverbandes Kocher-Lein, und mit Kommandant Michael Kochendörfer ist Täferrots Bürgermeister Markus Bareis gegen 16 Uhr erneut am Täferroter Stausee. Noch 25 Zentimeter sind es jetzt, dann läuft das Staubecken endgültig über – trotz der Entlastung seit dem frühen Morgen. „Es läuft einfach mehr Wasser nach, als abfließen kann“, analysiert Bareis und will sich gar nicht ausdenken, wie es ohne die elf Staubecken und ohne den „Superjob“, den das Bauhofteam mache, im Leintal jetzt aussehen würde.
Man werde nun aber vorsorglich die Anwohner informieren, weil man nicht sicher ist, ob die erhoffte Entspannung in den nächsten Stunden eintritt, beschließen Stäb, Kochendörfer und Bareis. Immer heikler wird die Situation auch an den anderen Staubecken, die längst zu mehr als 80 Prozent gefüllt sind. Wenn es über die Ufer der Staubecken läuft, wird sich das Wasser seinen Weg durchs Leintal über Täferrot, Leinzell, Heuchlingen und Abtsgmünd suchen.
Gefährlicher Leichtsinn
Letzterer appelliert außerdem an die Vernunft der Bürger, hatte er doch am übervollen Stausee einen Vater getroffen, der seine Jungs auf dem Entlandungsgitter klettern ließ und erklärte, die Kinder könnten doch schwimmen, als der Schultes ihn warnte ...
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