Personalgerüst wackelt

Krise in der Baubranche: Firma streicht nahe Baden-Württemberg über 200 Stellen

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Das Familienunternehmen Peri bekommt die Krise der Baubranche zu spüren und baut an der Grenze Baden-Württembergs mehr als 200 Stellen ab.

Ulm/Weißenhorn - Die Spätfolgen der Corona-Pandemie und die unmittelbar daran anknüpfende Energiekrise durch die Folgen des Ukraine-Krieges haben auch im Südwesten einige Unternehmen in die Schieflage gebracht. Aufgrund der hohen Kosten strukturiert auch Aufzugbauer TK Elevator den Standort im Kreis Esslingen um und baut rund 500 Stellen ab. Da neben den Energie- und Personalkosten vor allem die Preise für Rohstoffe und Materialien stark angestiegen sind, befindet sich auch die Baubranche seit einiger Zeit in der Krise. Trotz schwacher Baukonjunktur will Würth aber sogar noch Personal aufbauen.

Gerüstebauer Peri baut am Werk in Weißenhorn nahe der Stadt Ulm 210 Stellen ab. Grund dafür ist die schwache Baukonjunktur.

In der Baubranche entstehen aktuell zwar neue Berufsfelder, die Zukunft haben und bis zu 120.000 Euro Lohn versprechen, viele Unternehmen müssen aufgrund der hohen Kosten aber beim Personal sparen. Der Schalungs- und Gerüstsystem-Hersteller Peri mit Hauptsitz im bayrischen Landkreis Neu-Ulm, nahe der baden-württembergischen Großstadt Ulm, muss aus diesem Grund über 200 Stellen abbauen, wie das Familienunternehmen in einer Mitteilung erklärt. Der Stellenabbau bei Peri soll, wie auch beispielsweise beim Batteriehersteller Varta, der am Stammsitz auf ein Freiwilligenprogramm setzt, möglichst sozialverträglich gestaltet werden.

Stellenabbau bei Peri: Werk in Weißenhorn verzeichnet Auftragsrückgang – Belegschaft wird angepasst

Das Familienunternehmen Peri ist weltweit aktiv und hat auch in Baden-Württemberg mehrere Standorte. Dazu gehören beispielsweise die Niederlassung in der Landeshauptstadt Stuttgart oder das Vertriebs- und Ingenieurbüro in Offenburg. Der Stellenabbau betrifft laut Mitteilung aber den Verwaltungssitz in Weißenhorn (Kreis Neu-Ulm). Das dortige Werk verzeichne aufgrund der schwachen Baukonjunktur einen deutlichen Auftragsrückgang, der sich in absehbarer Zeit auch nicht erholen wird. „Aufgrund dieser Entwicklungen muss das Werk strukturell an die reduzierten Mengen angepasst werden“, heißt es in der Mitteilung. „Deshalb plant die Geschäftsführung des Werkes den Abbau von bis zu 210 Stellen im Werk Weißenhorn.“

Name PERI SE
Gründung 1969
Hauptsitz Weißenhorn, Bayern
Branche Bauindustrie, Baugerüstsysteme
Inhaber Familienhand
Leitung Christian Schwörer (CEO)
Mitarbeiter rund 9.100 (2022)
Umsatz 1,8 Milliarden Euro (2022)

Von dem Stellenabbau bei Peri in Weißenhorn soll sowohl die Produktion, als auch die Verwaltung betroffen sein, jedoch nicht die Konzernzentrale und das nahegelegene Werk in Günzburg. Wie auch im angesprochenen Fall von Aufzugbauer TK Elevator, der den Standort in Neuhausen auf den Fildern nicht aufgeben, sondern zukunftssicher machen will, verfolgt Peri für das Werk nahe Ulm ähnliche Pläne. Demnach soll der Stellenabbau in Absprache mit dem Betriebsrat so sozialverträglich wie möglich gestaltet werden. Ob das wie in den meisten Fällen durch Abfindungen oder durch Wechsel an andere Standorte des Unternehmens geschehen wird, bleibt abzuwarten.

Peri-Mitarbeiter in Weißenhorn nahe Ulm wurden am Donnerstag über Stellenabbau informiert

Auf Anfrage des Südwestrundfunks (SWR) erklärte ein Peri-Sprecher, dass die Mitarbeiter in Weißenhorn am Donnerstag (27. Juli) über den Stellenabbau informiert wurden. Der Betriebsrat wollte sich dagegen weder zu den Sparmaßnahmen am Standort, noch zu den Reaktionen der Belegschaft äußern. Dass der Abbau von Arbeitsplätzen für die Angestellten immer eine Hiobsbotschaft darstellt, ist aber auch dem Unternehmen bewusst. „Alle Verantwortlichen sind sich bewusst, dass diese geplanten Maßnahmen ein erheblicher Einschnitt sind“, wird Carsten Weiß, Geschäftsführer des Werks in Weißenhorn, in der Mitteilung zitiert.

Die stark gestiegenen Kosten von Energie, Rohstoffen und eben auch im Personal machen sich aktuell noch immer deutlich bemerkbar. Der Maschinenbaukonzern HEIDELBERG hat das Krisenjahr 2022 zwar gut überstanden, vor einigen Wochen aber angekündigt, im Rahmen eines „Wertsteigerungsprogramms“ weiter sparen zu wollen. Deshalb geht beim Maschinenbauer aus Baden-Württemberg bereits die Angst vor einem Stellenabbau um.

Rubriklistenbild: © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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