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Maschinenbauer Voith hat angekündigt, die Produktion eines Geschäftsbereichs vom Hauptsitz in Heidenheim an der Brenz ins Ausland zu verlagern.
Heidenheim an der Brenz - Durch die hohen Kosten für Energie, Rohstoffe und Personal verlagern deutsche Unternehmen Teile der Produktion zunehmend ins europäische Ausland. Ein Unternehmen der Kärcher-Gruppe hat jüngst angekündigt, ein Viertel der Arbeitsplätze nach Lettland zu verlagern und Gerätehersteller Stihl plant nach der Stilllegung der Baupläne in Ludwigsburg, ein neues Werk in der Schweiz zu errichten. In einer Pressemitteilung hat auch der Maschinenbauer Voith angekündigt, die Produktion eines Geschäftsbereichs vom Stammsitz in Heidenheim an der Brenz ins Ausland verlagern zu wollen.
Das traditionsreiche Familienunternehmen Voith ist als Technologiekonzern in mehreren Branchen tätig, darunter im Maschinenbau und als Zulieferer der Automobilindustrie. Am Hauptsitz in Heidenheim sind bislang alle Konzernbereiche, Voith Hydro, Voith Paper und Voith Turbo repräsentiert. Wie das Unternehmen aber in der Mitteilung schreibt, soll die Produktion des Bereichs Hydro, der Produkte und Leistungen im Bereich Wasserkraft umfasst, an den Standort im österreichischen St. Pölten verlagert werden. Den Geschäftsbereich hatte Voith-Chef Toralf Haag bereits zuvor als „Sorgenkind“ bezeichnet, wie auch die Heidenheimer Zeitung schreibt.
Voith will betroffenen Mitarbeitern anderweitige Beschäftigungsmöglichkeiten im Konzern anbieten
Der Geschäftsbereich Hydro wurde ursprünglich als Gemeinschaftsunternehmen von Voith und Siemens Energy gegründet und produziert Ausrüstungskomponenten für Wasserkraftwerke aller Größen. Anhand einer genauen Analyse der weltweiten Produktionsstandorte sei der Familienkonzern aber zu der Entscheidung gelangt, dass die Verlagerung der Produktion von Heidenheim nach St. Pölten die wirtschaftlichste Option für Voith Hydro sei, heißt es in der Mitteilung. Betroffen sind von der Verlagerung 70 Mitarbeiter, die laut dem Unternehmen aber nicht gekündigt werden sollen. Stattdessen will Voith ihnen Beschäftigungsmöglichkeiten an anderen Hydro-Standorten oder in anderen Konzernbereichen anbieten.
| Name | Voith GmbH & Co. KGaA |
|---|---|
| Gründung | 1867 |
| Hauptsitz | Heidenheim an der Brenz, Baden-Württemberg |
| Branche | Maschinenbau |
| Mitarbeiter | 22.479 (Geschäftsjahr 2022/2023) |
| Umsatz | 5,51 Milliarden Euro (Geschäftsjahr 2022/2023) |
„Wir werden alle von der beabsichtigten Verlagerung der Fertigung betroffenen Kolleginnen und Kollegen eng begleiten und bestmöglich unterstützen“, erklärt Andreas Wellmann, Geschäftsführer von Voith Hydro. „Wir sind nach reiflicher Überlegung zu der festen Überzeugung gelangt, dass die Zusammenlegung der Fertigungsaktivitäten in St. Pölten und die Fokussierung des Standortes Heidenheim auf Service die richtigen Schritte sind, um beide Standorte zukunftssicher aufzustellen.“ Verlagert werden soll allerdings lediglich die Produktion in Heidenheim, die Zentrale des Konzernbereichs soll weiterhin in der Stadt im Osten Baden-Württembergs bleiben.
IG Metall übt Kritik und spricht von enttäuschten Gesichtern bei Verkündung
Obwohl die Verlagerung des Geschäftsbereiches von Voith auf den ersten Blick auch für die Mitarbeiter sehr sozialverträglich wirkt, üben Arbeitnehmervertreter deutliche Kritik. „Es geht darum, die industrielle Wertschöpfung in Heidenheim zu erhalten“, sagte Tobias Bucher, erster Bevollmächtigter der IG Metall Heidenheim, laut der Heidenheimer Zeitung. Wenn die Produktion erstmal ins Ausland verlagert worden sei, käme sie in der Regel auch nicht wieder. Bei der Verkündung der Verlagerung habe es deshalb auch viele enttäuschte Gesichter in der Belegschaft gegeben.
Die IG Metall moniert bereits seit langem – sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene – die Verlagerung von Produktionsschritten und Arbeitsplätzen ins Ausland. Der ehemalige Gesamtchef der Gewerkschaft, Jörg Hoffmann, hatte im vergangenen Jahr vor der Auslandsverlagerung gewarnt und erklärt, dass davon kein Arbeitsplatz gefeit sei. Aufgrund der vielfältigen Herausforderungen ist eine solche Maßnahme zur Kostenreduzierung aus wirtschaftlicher Sicht aber nachvollziehbar. Auch Batteriehersteller Varta hatte im Rahmen eines Restrukturierungskonzepts 150 Vollzeitstellen ins Ausland verlagert.
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