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Die Traditionsbäckerei Grau hatte im Juni 2023 Insolvenz angemeldet und muss nun ganz aufgeben. Auch die Filiale im Herzen Stuttgarts ist geschlossen.
Stuttgart - „Um ein gutes Brot zu backen, braucht es vor allem eines: Respekt“, heißt es als Überschrift einer Erklärung, die in Mehrzahl sowohl an der Fassade der geschlossenen Filiale in der Stuttgarter Dorotheenstraße als auch auf der Homepage der traditionsreichen Bäckereikette Grau zu lesen ist. Die Traditionsbäckerei hatte im Sommer 2023 Insolvenz angemeldet und musste Filialen in Stuttgart und Fellbach schließen. Inhaberin Ines Grau zeigte sich aber weiter optimistisch, was bei den Mitarbeitern auf Empörung gestoßen war.
In der aktuellen Erklärung zur Einstellung des Geschäftsbetriebs erklärt die Inhaberin, die das 1939 gegründete Unternehmen seit 37 Jahren führt, den Verlauf, der letztendlich zu diesem Schritt führte. Demnach verlangt der Insolvenzverwalter für die Fortführung der Geschäfte noch drastischere Maßnahmen, wozu die Bäckerei-Chefin nicht bereit ist. „Die Entscheidung, den Betrieb zu schließen, bricht mir das Herz“, heißt es in der Erklärung. Kürzlich musste auch eine Bäckereikette aus dem Schwarzwald alle Filialen schließen, allerdings aus einem anderen Grund.
Bäckerei-Chefin stellt Firmenphilosophie und Alleinstellungsmerkmal über Betriebsfortführung
In der Erklärung zeichnet die Inhaberin der Bäckereikette Grau noch einmal die vergangenen Monate nach der Anmeldung der Insolvenz nach. „Filialen wurden abgegeben, die Backstube verkleinert, teure Produkte aus dem Sortiment genommen, Arbeitsabläufe gestrafft etc.“ Zwei Filialen in Fellbach waren Ende 2023 vom Esslinger Bäckereibetrieb Dieringer übernommen worden, wie die Esslinger Zeitung berichtete. „Dieses Maßnahmenpaket sowie neue kreative Ideen wurden für mich zum Hoffnungsträger, mein Unternehmen wieder zu stabilisieren und auf einen guten Weg zu bringen“, führt Ines Grau in der Erklärung aus.
Doch die Bäckerei-Chefin hatte sich nach eigenen Angaben geirrt, da der Insolvenzverwalter fordert, die Backwaren nicht mehr selbst herzustellen, sondern stattdessen halbfertige oder fertige Backwaren aus „minderwertigen Zutaten und zweifelhafter Qualität“ hinzuzukaufen. Damit würde die Bäckerei aber eines ihrer Alleinstellungsmerkmale im Wettbewerb verlieren und ihre Firmenphilosophie aufgeben. „Dazu bin ich nicht bereit“, heißt es in der Erklärung, in der auch explizit darauf verwiesen wird, dass die Brote und Backwaren der Bäckerei Grau nur nach Rezepten und mit Zutaten hergestellt werden, die beste Qualität garantieren.
Grau-Filiale in Stuttgart-West geschlossen, nun ist auch Bäckerei am Schillerplatz zu
In Baden-Württemberg hat es bereits im vergangenen Jahr eine hohe Zahl an Unternehmensinsolvenzen gegeben und auch im noch jungen Jahr 2024 stellt sich noch keine Besserung ein. Dass ein insolventer Betrieb durch Maßnahmen, die mitunter deutliche Veränderungen erfordern, saniert werden muss, ist unumgänglich. In der Erklärung macht Ines Grau allerdings deutlich, dass sie die hohe Qualität ihrer Ware selbst für eine eventuelle Rettung ihres Geschäfts nicht aufgeben will.
„Seit 37 Jahren bürge ich persönlich für reine, ehrliche, kreative und authentische Backwaren ohne jegliche chemische Zusätze“, heißt es dort. „Die Entscheidung, den Betrieb zu schließen, bricht mir das Herz und allen treuen Kunden, die unsere Backwaren geschätzt haben und wie ich wissen, welchen positiven Einfluss unbehandelte Lebensmittel auf unser Wohlbefinden haben.“ Die Filiale im Westen Stuttgarts ist bereits seit einiger Zeit geschlossen und auch die Filiale in der Dorotheenstraße am Schillerplatz steht inzwischen leer. Auch eine Traditionsbäckerei aus Heidelberg schließt nach 61 Jahren.
Rubriklistenbild: © Julian Baumann/BW24


