VonJulian Baumannschließen
In Baden-Württemberg gab es im Zeitraum von Januar bis Juli viele Unternehmensinsolvenzen. Davon waren mehr als 8.000 Mitarbeiter betroffen.
Stuttgart - Das Statistische Landesamt hatte Anfang September erklärt, dass im ersten Halbjahr über 900 Unternehmen in Baden-Württemberg Insolvenz angemeldet hatten. Unter Einbeziehung des Monats Juli hat das Amt diese Zahl auf beinahe 1.100 Unternehmensinsolvenzen erhöht, wie es in einer aktuellen Pressemitteilung heißt. Zu den Firmen, die in diesem Zeitraum in die Zahlungsunfähigkeit rutschten, gehört beispielsweise Autozulieferer Allgaier oder auch das Traditionsversandhaus Klingel aus Pforzheim, das mittlerweile sogar den Geschäftsbetrieb vollständig einstellen musste.
Als Gründe für die vielen Insolvenzen in Baden-Württemberg können zum einen die Spätfolgen der Corona-Pandemie, zum anderen aber auch die Inflation mit hohen Kosten für Energie, Rohstoffe und Personal angeführt werden. Obwohl eine Insolvenzanmeldung nicht unbedingt einen Stellenabbau bedeuten muss, ist eine solche Botschaft für die Angestellten natürlich ein Schock. Laut dem Statistischen Landesamt waren in Baden-Württemberg im Zeitraum von Januar bis einschließlich Juli mehr als 8.000 Mitarbeiter von Insolvenzen ihrer Unternehmen betroffen.
Insolvenzen in Baden-Württemberg: 1.068 Unternehmen und 8.311 Mitarbeiter betroffen
Konkret wurden an den Amtsgerichten in Baden-Württemberg im Zeitraum Januar bis Juli 1.068 Unternehmensinsolvenzen beantragt, was laut der Mitteilung eine Steigerung von 233 Insolvenzverfahren oder 27,9 Prozent bedeutet. Nach Auswertung der neuesten Ergebnisse waren insgesamt 8.311 Arbeitnehmer von der Insolvenz ihrer Unternehmen betroffen. „Dabei dürfte es sich um eine Untergrenze handeln, da nicht in allen Fällen die Anzahl der betroffenen Arbeitsplätze gemeldet wurde“, schreibt das Landesamt.
Die Land- und Stadtkreise waren unterschiedlich stark von den Unternehmenszahlen betroffen, wie eine Berechnung zur Insolvenzhäufigkeit zeigt. Die nachfolgenden Zahlen zeigen die Anzahl der Insolvenzverfahren pro 1.000 in den Kreisen ansässigen Unternehmen. Für das gesamte Bundesland gibt das Statistische Landesamt diese Zahl mit 2,6 an – also 2,6 Insolvenzen pro 1.000 in Baden-Württemberg ansässige Unternehmen.
| Land- oder Stadtkreis | Insolvenzhäufigkeit |
|---|---|
| Stadtkreis Mannheim | 6,1 |
| Stadtkreis Pforzheim | 5,9 |
| Stadtkreis Karlsruhe | 3,9 |
| Landkreis Göppingen | 3,9 |
| Neckar-Odenwald-Kreis | 3,8 |
| Stadtkreis Baden-Baden | 3,7 |
| Stadtkreis Heilbronn | 3,6 |
| Stadtkreis Stuttgart | 3,1 |
| Stadtkreis Ulm | 3,1 |
| Landkreis Schwäbisch-Hall | 3,0 |
| Landkreis Karlsruhe | 3,0 |
| Landkreis Ludwigsburg | 2,9 |
| Landkreis Böblingen | 2,8 |
| Rhein-Neckar-Kreis | 2,8 |
| Landkreis Tübingen | 2,8 |
| Ostalbkreis | 2,8 |
| Schwarzwald-Baar-Kreis | 2,7 |
| Stadtkreis Freiburg im Breisgau | 2,6 |
| Landkreis Reutlingen | 2,6 |
| Landkreis Esslingen | 2,5 |
| Enzkreis | 2,5 |
| Zollernalbkreis | 2,4 |
| Landkreis Freudenstadt | 2,3 |
| Stadtkreis Heidelberg | 2,3 |
| Rems-Murr-Kreis | 2,2 |
| Landkreis Emmendingen | 2,2 |
| Landkreis Tuttlingen | 2,2 |
| Landkreis Sigmaringen | 2,1 |
| Landkreis Lörrach | 2,0 |
| Landkreis Heilbronn | 2,0 |
| Landkreis Heidenheim | 2,0 |
| Landkreis Ravensburg | 1,9 |
| Bodenseekreis | 1,9 |
| Ortenaukreis | 1,9 |
| Landkreis Waldshut | 1,8 |
| Breisgau-Hochschwarzwald | 1,8 |
| Main-Tauber-Kreis | 1,7 |
| Landkreis Konstanz | 1,5 |
| Landkreis Rottweil | 1,4 |
| Landkreis Rastatt | 1,3 |
| Landkreis Calw | 1,2 |
| Alb-Donau-Kreis | 1,2 |
| Landkreis Biberach | 0,9 |
| Hohenlohekreis | 0,7 |
(Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg 2023)
Von Insolvenz betroffene Mitarbeiter müssen nicht zwingend ihre Jobs verlieren
Der obigen Tabelle zufolge gab es im Zeitraum von Januar bis Juli demnach im Stadtkreis Mannheim die meisten und im Hohenlohekreis die wenigsten Insolvenzanmeldungen. Eine solche muss allerdings nicht zwingend mit der Einstellung des Geschäftsbetriebs enden, weswegen die mehr als 8.000 Angestellten auch nicht zwingend ihren Job verloren haben müssen. Autozulieferer Ditter Plastic aus dem Schwarzwald hatte beispielsweise im Januar Insolvenz angemeldet, durch einen Investoreneinstieg konnten jüngst jedoch 200 Arbeitsplätze gerettet werden, auch wenn dennoch viele Mitarbeiter ihren Hut nehmen mussten.
Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

