VonJürgen Steckschließen
Stadt Aalen hat die Kostenanalyse für die Kombi-Lösung am Ostalb-Klinikum unabhängig prüfen lassen. Das Ergebnis lässt aufhorchen.
Aalen. Er fühle sich bestätigt in seiner Meinung, „dass es günstiger ist und dass es schneller geht“, so lautete das erste Fazit des Aalener Oberbürgermeisters Frederick Brütting, nachdem er am Freitag einen Plausibilitätscheck zur Kombi-Lösung am Standort des Ostalbklinikums präsentiert hatte. In diesem Check gibt es Aussagen zur Machbarkeit, zu Kosten und zu Vor- und Nachteilen.
Die Vorgeschichte: Die Stadt Aalen hat gemeinsam mit dem Büro Isin & Co. die Kombi-Lösung für einen Regionalversorger am bisherigen Standort des Ostalbklinikums vorgeschlagen – als Alternative zu einer Lösung auf der grünen Wiese bei Essingen. Die Berechnungen zu den Kosten, erstellt vom Büro Isin, sind immer wieder kritisiert worden – die Kombi-Lösung sei deutlich günstiger als der Neubau, so hatte das Büro Isin errechnet. Ein 610-Betten-Klinikum lasse sich am Kälblesrain für 368 Millionen Euro bauen, so hatte dies Isin dem Aalener Gemeinderat vorgestellt. Ein 610-Betten-Neubau auf der grünen Wiese bei Essingen wurde vom Landratsamt mit zwischen 600 und 650 Millionen Euro bepreist.
Um mehr Klarheit zu erhalten, hat im Januar der Aalener Gemeinderat die Stadtverwaltung beauftragt, die Kostenangaben für die Variante „Kombi-Lösung“ von einem unabhängigen Fachbüro überprüfen zu lassen. Ausgewählt dafür wurde das Büro Drees & Sommer. Am Freitag haben Oberbürgermeister Frederick Brütting und Heiko Rihm vom Büro Drees & Sommer das Fazit der Überprüfung vorgestellt. Rihm sagte, dass es sich um kein Gutachten handle, aber eben um eine Plausibilisierung.
Die Aussagen zu den Kosten
„Auf Basis der aktuellen Planungstiefe“ und des Projektstands sei für die Kombi-Lösung mit einem Investitionsvolumen in einer Bandbreite von zwischen 400 und 450 Millionen Euro zu rechnen. Die Berechnung sei erfolgt ohne Medizintechnik, Ausstattung, möglichen Preissteigerungen und ohne Zuschlag für Unvorhergesehenes. Rihm sagte noch, wenn bei den Betten etwas schlanker geplant werde, könnten nochmals 30 Millionen Euro eingespart werden. Ob diese Zahl mit den vom Landratsamt genannten 600 bis 650 Millionen Euro für den Neubau in Essingen verglichen werden kann? Diese Frage könne er nicht beantworten, weil er nicht wisse, wie diese Summe für den Neubau zustande gekommen sei.
Vor- und Nachteile
Rihm erläuterte die Vor- und Nachteile der Kombi-Lösung. Vorteile seien, dass 30 Prozent der Gebäude bereits vorhanden seien: Frauenklinik, Bettenbau, Casino, Küche und Wirtschaftshof sowie Teile des Parkhauses. Zudem gebe es bereits Gebäude im Klinikumfeld, etwa ein medizinisches Dienstleistungszentrum. Und wenn gut geplant werde, könnten sowieso anstehende Instandhaltungs- und Ersatzmaßnahmen reduziert werden. Nachteile nannte er auch: zum Beispiel funktionale Kompromisse und Einschränkungen während des Baues. Allerdings könne die Klinik während des Baus weiterbetrieben werden. Damit widersprach Rihm Äußerungen aus dem Kreistag, dass zwei Jahre lang auf das Ostalb-Klinikum verzichtet werden müsse, während gebaut wird. „Ein wichtiger Hinweis“, urteilte Brütting. In Bezug auf die Bauzeit geht das Büro Drees & Sommer davon aus, dass die Weiterentwicklung des Ostalbklinikums zum Regionalversorger zwei bis drei Jahre schneller umgesetzt werden könne als eine Klinik auf der grünen Wiese – nicht zuletzt deshalb, weil weniger gebaut werden müsse. Auch beim Thema Nachhaltigkeit sieht Rihm das Ostalbklinikum vorn.
Was tun mit den Daten?
Die Stadt Aalen will nun diese Plausibilisierung sowohl dem Landratsamt als auch dem vom Kreistag beauftragten Gutachterbüro Endera zur Verfügung stellen, „um eine Vergleichbarkeit herzustellen“, wie OB Brütting sagte. 200 Millionen Euro seien „viel Geld“, da sei es schon wert, sich mit dem Thema befasst zu haben. Auf SchwäPo-Anfrage sagte Brütting, für die Plausibilisierung habe die Stadt Aalen 12 000 Euro ausgegeben. Rihm empfiehlt zudem, „einen ganzheitlichen Vergleich mit einheitlichen Kennwerten und Betrachtung aller Maßnahme“, um Transparenz zu erreichen.
Und so geht's weiter
Der Weg zur Entscheidung sieht so aus: Am 19. Februar geht der Kreistag in Klausur – nicht-öffentlich. Am 26. Februar tagt der Klinikausschuss und gibt eine – sicher vorentscheidende – Empfehlung ab an den Kreistag, der am 5. März entscheidet.

