Die Kreisräte und der Oberbürgermeister aus Ellwangen haben ein Ideen-Papier für die Zukunft der Kliniken Ostalb und im Speziellen für die Virngrundklinik entwickelt. Wie Landrat und Klinikchef auf die Vorschläge reagieren.
Ellwangen. Eine Ergebnisverbesserung von insgesamt circa neun Millionen Euro bei der St.-Anna-Virngrundklinik sollen die Maßnahmen der sechsköpfigen "Ellwanger Fraktion" bringen, wenn sie denn umgesetzt werden. Michael Dambacher (CDU) sowie Rainer Knecht (CDU), Winfried Mack (CDU), Walter Schlotter (Freie Wähler), Fritz Widmann (CDU) und Volker Grab (Die Grünen) hatten sie am Freitag (30.08.) vorgestellt.
Und der Landrat des Ostalbkreises ist auf Nachfrage unserer Redaktion durchaus angetan. Es sei "aller Ehren wert, mit welchem Engagement sich in Ellwangen eingebracht" werde. "Und das alles im Ehrenamt. Dafür habe ich wirklich großen Respekt." Sehr positiv wahrgenommen habe er zudem die Sachlichkeit, in der die Ideen eine Woche vor der Klausurtagung am Samstag (07.09.) vorgestellt wurden. Bläse: "Ich habe den Eindruck, dass unser Zukunftskonzept für die Jahre 2033/34 mit einem zentralen Regionalversorger mittlerweile von einer großen Mehrheit mitgetragen wird."
Landrat Joachim Bläse lobt Ellwanger für "wichtige Überlegungen"
Bläse spricht von "weiteren wichtigen Überlegungen", die in die Diskussion aufgenommen werden sollen. "Eine Wertung kann ich zum aktuellen Zeitpunkt aber noch nicht abgeben", erklärt der 56-Jährige. Bedeutet: Ob die Gedanken der Ellwanger über den Ideenstatus hinausgehen, ist unklar.
Sein Problem bei allen den Überlegungen: Bläse muss als Landrat den gesamten Ostalbkreis im Fokus haben, nicht nur den nordöstlichen Bereich rund um Ellwangen. Zudem sei es Aufgabe, "den zeitlichen Bogen größer zu schlagen": "Es geht nicht nur um 2025, sondern um die Folgejahre bis zur Eröffnung des Regionalversorgers in Essingen."
Überrascht wurde Bläse nach eigener Aussage davon, wie tiefgreifend bereits die Ideen zur Kooperation mit dem Bundeswehr-Krankenhaus (BWK) in Um sind. Unter anderem sollen Bundeswehr-Ärzte in Ellwangen aktiv und ausgebildet werden. Winfried Mack hatte auf Nachfrage betont, dass sich Roderich Kiesewetter (CDU, MdB) und er bereits intensiv dafür eingesetzt und auch positive Signale erhalten hätten.
Virngrundklinik in Ellwangen: Kommt es zu einer Kooperation mit dem BWK?
Auch auf Nachfrage am Freitag hatte Mack erklärt, dass die Kooperation mit dem BWK realistisch und keine Luftnummer sei. "Wir gehen umgehend auf das BWK zu, um zu erörtern, ob und wie sich eine Kooperation gestalten kann. Wir werden auch diese Idee ernsthaft prüfen", verspricht Joachim Bläse.
Am Wochenende meldete sich auch Klinikchef Christoph Rieß mit einem ersten Statement zu Wort. Auf Anfrage teilte er zu den Ellwanger Überlegungen mit: "Es ist gut, dass jetzt eine Konkretisierung vorliegt, auf deren Basis wir die Vorschläge fachlich bewerten können. Es sind viele Argumente, bei denen wir auch sehen, dass Schnittmengen zu unserem Zukunftskonzept vorhanden sind."
Kliniken Ostalb: Fragezeichen bei der Entwicklung der Fallzahlen
Kritisch sieht er allerdings die Fallzahlen, mit denen die "Ellwanger Fraktion" bei der Endoprothetik (künstliche Gelenke) operiere. Im Konzeptpapier heißt es, dass sie zunächst von 450 Fällen innerhalb eines halben Jahres auf 700 Fälle pro Jahr gesteigert werden sollen. Das Ziel seien sogar 1000 Fälle, sodass angeblich Mehreinnahmen in Höhe von zwei Millionen Euro generiert werden könnten. "Da bin ich skeptisch. Die pauschale Annahme steigender Fallzahlen ist schnell gesagt, aber die Entwicklung, die wir seit Corona beobachten, geht in die gegenteilige Richtung", sagt Christoph Rieß.
Auch mit dem Gedanken, noch drei OP-Säle in Ellwangen zu belassen, will sich der gebürtige Stuttgarter im ersten Moment nicht anfreunden. Rieß: „Ein zentraler Punkt unseres Zukunftskonzepts für die Kliniken Ostalb ist, dass wir nicht mehr die Fallzahlen und das Personal haben, um drei OP-Standorte betreiben zu können. Die Überlegungen der Ellwanger sehen weiterhin drei OP-Standorte im Ostalbkreis vor. Das ist ein großer Gegensatz zu dem, was finanziell, personell und auch im Rahmen der zu erwartenden gesetzlichen Vorgaben machbar erscheint.“