VonConstantin Blaßschließen
Welche Zukunft hat die Virngrundklinik in Ellwangen? Geht es nach Klinikchef Rieß keine rosige, Ellwangens OB und Ellwangens Kreisräte zeigen weitere Alternativen auf.
Ellwangen. Gut drei Wochen vor der Kreistagssitzung am 24. September (15 Uhr), dann soll über das Zukunftskonzept für die Kliniken Ostalb entschieden werden, eröffnen die Ellwanger Kreisräte gemeinsam mit Ellwangens Oberbürgermeister die "heiße Phase" – und zeigen Geschlossenheit.
Bei einer Pressekonferenz haben Michael Dambacher (CDU) sowie Rainer Knecht (CDU), Winfried Mack (CDU), Walter Schlotter (Freie Wähler), Fritz Widmann (CDU) und Volker Grab (Die Grünen) am Freitag aufgezeigt, wie die Virngrundklinik auch in den kommenden Jahren mehr bleiben kann als nur ein Intersektoraler Gesundheitsversorger, in dem stationäre und ambulante Leistungen verzahnt angeboten werden.
Ihr Ziel ist es unter anderem, dass in Ellwangen trotz eines 60-Millionen-Gesamtdefizits der Kliniken Ostalb zumindest in drei von vier Sälen auch weiterhin Operationen durchgeführt werden. Bereits Ende Juli hatte Volker Grab im Kreistag Alternativen zum kompletten „Herunterschrumpfen“ und der Abkehr vom medizinischen Grundversorger aufgezeigt.
Christoph Rieß, Vorstandsvorsitzender der Kliniken Ostalb, und Landrat Dr. Joachim Bläse befürworten bisher drastischere Maßnahmen, um ab 2027 in Ellwangen einen Effekt in Höhe von zehn bis 14 Millionen Euro erzielen zu können. Die sechs Herren der „Ellwanger Fraktion“ legten sich nach intensiven Diskussionen und Gesprächen mit diversen Ärzten und Experten am Mittwochabend auf ein kurzfristig umsetzbares Maßnahmen-Paket fest, das immerhin direkt in 2025 das Ergebnis um ungefähr neun Millionen Euro verbessern würde – ohne Kostenersparnisse für Umbauten um Umzüge.
„Wir hoffen, dass wir damit den Kreistag überzeugen können“, sagte Oberbürgermeister Michael Dambacher. „Unbestritten muss es zu finanziellen Einsparungen kommen. Wir müssen aber auch unsere Einnahme-Situation verbessern“, sagt Volker Grab. Das Konzept, das Landrat Bläse und Klinikchef Rieß kennen, umfasst im Detail folgende Punkte:
Notaufnahme und Verzahnung der Chirurgie: „Zentral ist der Erhalt der Notaufnahme, nur mit einer internistischen Versorgung wird es nicht gehen“, so Volker Grab. Ebenso wichtig sei, die chirurgischen Abteilungen in Aalen und Ellwangen zu verzahnen (Effekt: 1,2 Mio. Euro).
Zusammenarbeit mit dem Bundeswehr-Krankenhaus (BWK): Der Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter (CDU) und Winfried Mack haben Kontakte zum BWK in Ulm geknüpft, um eine höhere Auslastung der OP-Säle zu erreichen. „Das BWK braucht Ausbildungskapazitäten, da könnte die Virngrundklinik eine Rolle spielen“, so Mack. Vorteilhaft: Ellwangen verfügt über eine Kaserne.
OP-Betrieb: Die „Ellwanger Fraktion“ schlägt vor, nur einen OP-Saal dauerhaft zu schließen. In der Nacht und am Wochenende soll in Ellwangen im OP-Saal kein Regelbetrieb mehr stattfinden. In der Zeit von 16 Uhr bis 8 Uhr und am Wochenende sollen Operationen ausschließlich in Aalen abgewickelt werden (Effekt: 2 Mio. Euro).
Auslastung: Nach Gesprächen mit Belegärzten sei zudem deutlich geworden, dass ein OP-Saal ausreichend sei. Die Endoprothetik (künstliche Gelenke) soll zunächst von 450 Fällen innerhalb eines halben Jahres auf 700 Fälle pro Jahr gesteigert werden. 1000 Fälle seien das Ziel (Effekt: 2 Mio. Euro). Volker Grab: „Durch den Weiterbetrieb von drei OP-Sälen in Ellwangen kann auf den Bau von ein bis zwei OP-Säle verzichtet werden.“ Das könnte ein Einsparpotenzial in Höhe von zwei Millionen Euro ergeben.
Reha und Kurzzeitpflege: „Wir wollen eine Einrichtung von Reha und Kurzzeitpflege schaffen. Und zwar für urologische und orthopädische Patienten“, sagt Mack. Grundlage für eine Rehabilitationsabteilung kann das neue produktbezogene Vergütungssystem sein, das am 1. Januar 2026 eingeführt wird.
Urologie: Rainer Knecht erklärt die Idee, die Urologie in Ellwangen zu belassen und einen DaVinci-Roboter anzuschaffen (Effekt: 1 Mio. Euro, keine Kosten für Umzug nach Mutlangen). Dies hatte Chefarzt Prof. Peter Jung bereits in den vergangenen Jahren immer wieder gefordert. Es ließe sich mit dem Roboter relativ einfach Geld verdienen.
Weitere Maßnahmen: Die Geburtshilfe und die Viszeralchirurgie soll nach Aalen verlegt (Effek: 1,2 Millionen Euro), die Kinder- und Jugendpsychiatrie aber in Ellwangen erweitert werden. Der frühere Hubschrauberplatz auf dem Kasernengelände soll wiederhergestellt werden. Bis Anfang 2026. Ein Hubschrauberplatz sei für die Sekundärverlegungen erforderlich.
Geht es nach den sechs Ellwangern soll die Schmerztherapie auch in Zukunft auf die Ressourcen der Anästhesie zurückgreifen, ebenso die Kinder- und Jugendpsychiatrie auf die Möglichkeiten der Notaufnahme. Darüber hinaus ist angestrebt, Mittel für den Erhalt der Notaufnahme zur Vermeidung eines Versorgungsnotstandes im ländlichen Raum und für die Aufrechterhaltung eines Reservekrankenhauses für den Katastrophenfall zu erhalten.
Die Pressekonferenz im Ticker zum Nachlesen
17.12 Uhr: Wir beenden an dieser Stelle den Ticker von der Pressekonferenz. Im Nachgang gibt es noch individuelle Gespräche. Eine Zusammenfassung folgt im Laufe des Abends.
17.07 Uhr: Ellwangens OB Michael Dambacher erklärt zum Abschluss noch einmal, dass die Ergebnis-Maßnahmen direkt ab 2025 greifen würden, nicht erst in 2027. Landrat Bläse und Klinikchef Rieß hatten in Bezug auf Ellwangen das Sparpotenzial auf 10-14 Millionen Euro geschätzt, aber eben erst ab 2027. Dambacher: "Bis dahin müssten wir trotzdem die Kreisumlage erhöhen."
17.00 Uhr: In Summe haben OB Dambacher und die Ellwanger Kreisräte ein Paket geschnürt, sodass insgesamt eine Ergebnisverbesserung in Höhe von neun Millionen Euro möglich ist.
16.56 Uhr: Die finanziellen Auswirkungen im Einzelnen:
- Endoprothetik: 2 Mio. Euro
- Urologie: 1 Mio. Euro
- Kostenreduktion im OP-Bereich: 2 Mio. Euro
- Bündelung Chirurgie mit Aalen: 1,2 Mio. Euro
- Wegfall "Kinderzimmer" / Gyn-Station in Ellwangen: 0,75 Mio. Euro
- Wegfall Geburtshilfe: 1,2 Mio. Euro
- Minderausgabe VC-Station: 0,85 Mio. Euro
- keine Kosten für Verlegung der Urologie nach Mutlangen
- Kostenersparnis beim Umbau der OP-Säle
- Mehrerträge durch Einrichtung der Reha- und Kurzzeitpflege
16.52 Uhr: Das gesamte Konzeptpapier sei, so Volker Grab, am Mittwochabend (28. August) fertiggeworden. In Summe habe man vier Wochen daran gearbeitet und darüber diskutiert. Auch über die finanziellen Auswirkungen hat sich die Sechser-Gruppe Gedanken gemacht. Grab: "Wir waren sehr konservativ in den Schätzungen."
16.51 Uhr: Die Schmerztherapie soll weiterhin auf die Ressourcen der Anästhesie zurückgreifen, ebenso die Kinder- und Jugendpsychiatrie auf die Möglichkeiten der Notaufnahme. Darüber hinaus ist angestrebt, Mittel für den Erhalt der Notaufnahme zur Vermeidung eines Versorgungsnotstandes im ländlichen Raum und für die Aufrechterhaltung eines Reservekrankenhauses für den Katastrophenfall zu erhalten. Interessant: Nördlingen habe jährlich eine sechsstellige Summe für den Erhalt der Notaufnahme vom Bund erhalten.
16.49 Uhr: Weiterer Teil des Konzepts: Der frühere Hubschrauberplatz auf dem Kasernengelände soll wiederhergestellt werden. Bis Anfang 2026. Ein Hubschrauberplatz sei für die Sekundärverlegungen erforderlich.
16.47 Uhr: "Unserer Meinung nach kann die Geburtshilfe und die Viszeralchirurgie nach Aalen verlegt werden", so Volker Grab. Die Kinder- und Jugendpsychiatrie soll jedoch in Ellwangen erweitert werden. Die Psychiatrie brauche wiederum dringend eine Notfallversorgung.
16.42 Uhr: Rainer Knecht erklärt die Idee, einen DaVinci-Roboter für die Urologie anzuschaffen. Dies hatte Prof. Peter Jung bereits in den vergangenen Jahren immer wieder gefordert. Es ließe sich mit dem Roboter relativ einfach Geld verdienen. Bisher – so der Eindruck – wollten die Kliniken Ostalb das eher nicht.
16.40 Uhr: "Wir wollen eine Einrichtung von Reha und Kurzzeitpflege schaffen. Und zwar für urologische und orthopädische Patienten", sagt Winfried Mack. Grundlage für eine Rehabilitationsabteilung kann das neue produktbezogene Vergütungssystem sein, das am 1. Januar 2026 eingeführt wird. Mack: "Wenn der Patient im gleichen Haus ist, kann er schnellstmöglich in die Reha wechseln."
16.38 Uhr: Kreisrat Rainer Knecht erläutert: "Es versteht niemand, dass funktionierende OP-Säle geschlossen und für viel Geld neue Übergangssäle in Aalen gebaut werden sollen."
16.34 Uhr: Nach Gesprächen mit Belegärzten sei deutlich geworden, dass ein OP-Saal ausreichend sei. Die Endoprothetik soll zunächst von 450 Fällen innerhalb eines halben Jahres auf 700 Fälle pro Jahr gesteigert werden. 1000 Fälle seien das Ziel. Grab: "Durch den Weiterbetrieb von drei OP-Sälen in Ellwangen kann unserer Meinung nach auf den Bau von ein bis zwei OP-Säle verzichtet werden." Das könnte ein Einsparpotenzial in Höhe von mindestens zwei Millionen Euro sein.
16.30 Uhr: Volker Grab erläutert weiter, dass die "Ellwanger Fraktion" weiterhin der Meinung ist, einen OP-Saal dauerhaft zu schließen. In der Nacht und am Wochenende soll zudem im OP-Saal kein Regelbetrieb mehr stattfinden. In der Zeit von 16 Uhr bis 8 Uhr und am Wochenende sollen, soweit möglich, Operationen ausschließlich in Aalen abgewickelt werden.
16.26 Uhr: Eine Kooperation mit dem BWK Ulm könnte bedeuten, dass neues Personal (vom BWK) in Ellwangen eingesetzt werden könnte. In der Folge könnte auch die Auslastung der OP-Säle steigen, sodass mehr Geld verdient wird. Auch Landrat Bläse und Klinikvorstand Christoph Rieß kennen bereits die Überlegungen. Winfried Mack hatte die BWK-Option auch in einem Schreiben Anfang Juli kommuniziert.
16.24 Uhr: Roderich Kiesewetter und Winfried Mack haben sich in den vergangenen Wochen dafür eingesetzt, eine Zusammenarbeit mit dem Bundeswehr-Krankenhaus Ulm zu prüfen. "Die brauchen Ausbildungskapazitäten, da könnte die Virngrundklinik eine Rolle spielen", so Mack. Gespräche werden jetzt weiter vorangetrieben, eine Zusammenarbeit angestrebt.
16.21 Uhr: Volker Grab erhält das Wort: "Es ist klar, dass Handlungsbedarf besteht. Wir lehnen es nicht per se ab, es sind viele Punkte dabei, die wir beim Zukunftskonzept mitgehen. Aber es sind auch Punkte dabei, die wir ablehnen."
Die medizinische Versorgung stehe im Vordergrund. Grab weiter: "Unbestritten muss es zu finanziellen Einsparungen kommen. Aber wir sagen auch: Wir müssen unsere Einnahme-Situation verbessern. Das ist die Klammer unserer Konzeption, die wir gemacht haben."
"Zentral ist für uns der Erhalt der Notaufnahme, nur mit einer internistischen Versorgung wird es nicht gehen", so Grab. Ebenso wichtig sei, die chirurgischen Abteilungen in Aalen und Ellwangen zu verzahnen.
16.17 Uhr: Es wird eine ganztägige Klausur am übernächsten Samstag geben. Dort sollen die letzten Fragen hinsichtlich des Zukunftskonzepts Kliniken Ostalb geklärt werden.
16.15 Uhr: "Wir haben Fachgespräche mit Ärzten aus der Region, aber auch mit Experten, die Prof. Augursky gleichkommen, geführt. Den Vorschlag, den der Landrat eingebracht hat, sehen wir nach wie vor kritisch und als nicht umsetzbar", führt Dambacher aus.
16.12 Uhr: Oberbürgermeister Michael Dambacher eröffnet das Pressegespräch. Er sagt: Wir sind dem Aufruf des Landrats, gefolgt sich einzubringen. Unsere Vorschläge haben wir am Freitagmorgen dem Landrat überreicht. Die weiteren Kreisräte werden wir ebenfalls informieren.
16.10 Uhr: Zentrale Punkte im neuen Konzeptpapier sind: Erhalt der Notaufnahme, die Verzahnung der chirurgischen Abteilungen Aalen und Ellwangen, die Zusammenarbeit mit dem BWK Ulm.
16.01 Uhr: Für den Erhalt der Virngrundklinik hatte sich im August auch der Chefarzt und Urologe Peter Jung wiederholt stark gemacht. In einem Interview erklärte er: "Ich bin überzeugt, dass das Konzept mit einem zentralen Regionalversorger und deutlich abgespeckten Kliniken in Mutlangen und Ellwangen gut ist. Aber die Notaufnahme und Basisversorgung müssen gewährleistet sein, das sehe ich in den nun weiterentwickelten Plänen kritisch."
15.57 Uhr: Zu erwarten ist, dass sechs Herren mehr Details zu den Plänen kommunizieren wollen, die Volker Grab bereits Ende Juli im Kreistag kundgetan hat. Es geht im Kern darum, drei der vier modernen OP-Säle in Ellwangen weiterzubetreiben. Mit der Urologie und Gelenkchirurgie zum Beispiel.
15.55 Uhr: Was genau heute präsentiert wird, blieb in der Einladung zur Pressekonferenz offen. Es wurde lediglich das Thema "Zukünftige Konzeption für den Grundversorger St.-Anna-Virngrundklinik in Ellwangen" erwähnt.
