Interview

Kliniken Ostalb: „Der Kittel ist weg“ – Landrat Joachim Bläse bezieht Stellung

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Landrat Dr. Joachim Bläse erhält gerade viel Gegenwind. Ob es für das Zukunftskonzept Kliniken Ostalb kurzfristig eine Mehrheit gibt, ist offen.
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Eine Woche nach Bekanntwerden des Zukunftskonzepts Kliniken Ostalb steht Landrat Dr. Joachim Bläse in der Kritik. Im Gespräch nimmt er zu Vorwürfen Stellung.

Aalen. Eine große Demonstration in Ellwangen am Samstag – mit mehreren Tausend Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die sich um die Zukunft der Ellwanger Virngrundklinik sorgen. Dann am Montagabend die öffentliche Sitzung des Verwaltungsrats Kliniken Ostalb (ab 17 Uhr), und am Dienstag tagt der gesamte Kreistag.

Themen jeweils: das Zukunftskonzept der Kliniken und die sogenannten Restrukturierungsmaßnahmen, die helfen sollen, das gigantische für dieses Jahr erwartete Defizit von 60 Millionen Euro zumindest zu reduzieren. Viele Fragen scheinen offen. Im Interview versucht Landrat Dr. Joachim Bläse, Antworten zu geben.

Plakate in Ellwangen, auf denen steht „So nicht, Herr Landrat“, „Bläst Euch nicht so auf“ oder „Herzinfarkt: Ihre Route wird berechnet – Todeszeitpunkt 2025“. Was macht das mit Ihnen?
Dr. Joachim Bläse: Das Demonstrationsrecht ist ein hohes Gut. Deswegen ist das prinzipiell in Ordnung und auch gut, wenn jemand sagt, „Ich habe das Bedürfnis zu zeigen, dass ich anderer Meinung bin“. Die Grenze wäre für mich, wenn man als Person diffamiert wird. Und die Diskussion muss wieder auf die Sachebene zurückgeführt werden. Wenn von Rettungsdienst und Notfallversorgung in der Art gesprochen wird, dann wird schon deutlich, dass da jemand mitdiskutiert, der nicht weiß, dass wir die lebensbedrohlichen Notfälle wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle schon jetzt gar nicht mehr in Ellwangen behandeln. Aber ich nehme das sehr ernst.

Lesen Sie hier einen Kommentar zum Zukunftskonzept: Jetzt soll gespart werden, wo es wehtut – warum nicht schon längst?

Haben Sie sich bislang diffamiert gefühlt?
Bläse: Nein. Aber wir müssen jetzt schnell deutlich artikulieren, dass sich etwas ändern muss. Und bislang ist die Kritik im Rahmen, sodass ich damit umgehen kann. Ja, jeder mag lieber Zuspruch. Aber in der Sache geht es um zu viel, als dass es mir wichtiger sein könnte, dass alle klatschen, wenn ich komme. Wenn es um die Gesundheitsversorgung, die Zukunft der Kliniken und um die Handlungsfähigkeit des Landkreises geht, dann muss ein Landrat in Kauf nehmen, dass es Kritik gibt.

Spaltet der Landrat den Landkreis? „Bin immer im regionalen Diskurs“

In Ellwangen und in Schwäbisch Gmünd wird gesagt, Sie spalten den Landkreis.
Bläse: Es sind immer dieselben Muster. Der Klinikprozess war von Anfang an kritisch – mit drei Raumschaften, die alle eine starke Identität haben.

Wie war das bislang?
Bläse: In er ersten Welle hat man in Schwäbisch Gmünd gesagt, „Der Landrat hat den Westen verraten“, als es um die künftige Struktur der Häuser ging. Dann, in der Standortdebatte, als sich eine Mehrheit für Essingen abzeichnete, kam die zweite Welle aus Aalen, wo über mich gesagt wurde „Jetzt kommt der Gmünder wieder raus“. Und wenn jetzt in Ellwangen vom „Gmünder und Aalener Landrat“ gesprochen wird, dann spüre ich, dass ich immer in einem regionalen Diskurs bin. Und dass es gelingen muss, diesen Durchbruch für das Zukunftskonzept den Leuten klarzumachen: Es geht um das bestmögliche Gesundheitskonzept und die bestmögliche Versorgung für den gesamten Ostalbkreis. Wir brauchen diese Zentralität.

Landrat Dr. Joachim Bläse im Gespräch mit Constantin Blaß (M.) und Jürgen Steck.

In Ellwangen wird argumentiert, dass es dort künftig keine Infarkt- und Schlaganfallversorgung mehr gibt und die Klinik geschlossen wird: Wie finden Sie das?
Bläse: Wir erleben das an vielen Stellen in Deutschland: Dass jeder sagt, es muss sich etwas verändern. Aber bei anderen. Deswegen sind mir die Fakten wichtig: Wir schließen keine Klinik, und es wird in Ellwangen weiter eine Notfallversorgung geben. Wir bekennen uns zur dezentralen Struktur. Aber die umfassende und spezialisierte Versorgung, die kann es nur einmal im Kreis geben.

Wenn in Ellwangen Tausende auf die Straße gehen, hat offensichtlich die Kommunikation nicht geklappt.
Bläse: Das Thema ist komplex und es ist immer schwierig, wenn verschiedene Interessen und Emotionen im Spiel sind. Das hat uns von Anfang an beschäftigt. Es wird sicher eine tiefergehende Kommunikation geben müssen, um konkret zu sagen: Was ist jetzt wo vor Ort? Deswegen muss ich mich stellen, wenn Dinge behauptet werden, die nicht stimmen. Und es gibt Behauptungen in Ellwangen, die einfach nicht zutreffen. Etwa, wenn es heißt, die niedergelassenen Ärzte müssten die Notfallversorgung übernehmen. Nein: Bewusst machen wir eine Klinik im 24/7-Modus mit Klinikpersonal, weil wir genau sehen, wie sich die Versorgung im niedergelassenen Bereich entwickelt. Wir ziehen uns aus Ellwangen nicht zurück. Zum 1. Juli fängt sogar ein neuer Chefarzt in der Inneren Medizin in Ellwangen an.

Der Umzug der Urologie von Ellwangen zunächst nach Mutlangen wird stark kritisiert.
Bläse: Ich halte die Urologie für den Ostalbkreis von zentraler Bedeutung. Deswegen muss es unser Ziel sein, dass wir, wenn das Land Baden-Württemberg die Leistungsgruppen verteilt, den Zuschlag bekommen. Und es ist unstrittig, dass eine Urologie isoliert wenig Zukunft hat. Das sagen übrigens auch die Ellwanger.

Was haben die Ellwanger nachher als Notfallversorgung?
Bläse: Ein Haus sowohl mit stationären als auch mit ambulanten Angeboten: Das ist mit dem Begriff sektorenübergreifender Gesundheitsversorger gemeint. Und es bleibt eindeutig eine Klinik mit einer 24/7-Notfalleinrichtung. Natürlich kann es sein, dass man dort hinkommt und es dann bei einer gesundheitlichen Verschlechterung zu einer Verlagerung nach Aalen kommt. Überhaupt: Heute werden ja schon im Rettungswagen, auch über Telemedizin und Telekommunikation, die ersten lebensrettenden Dinge getan.

Ihr „offener Brief“ an den Landtagsabgeordneten Winfried Mack wirkte unsouverän. Wieso haben Sie ihn sich so vorgeknöpft?
Bläse: Es geht nicht um mich. Das ist auch keine persönliche Auseinandersetzung. Es standen Dinge im Raum, die nicht stimmten: dass wir die Klinik schließen, Steuergelder veruntreuen und die Menschen im Stich lassen. Mir war wichtig, dass Winfried Mack, den ich im Übrigen schon sehr lange kenne, nochmal seine Kritik reflektiert und auch dass der neu gewählte Kreistag die Möglichkeit hat, über die Fakten zu diskutieren und am Ende die nächsten Schritte zu beschließen.

Lesen Sie hier Reaktionen aus Gmünd: „Was uns da vorgesetzt wurde, schmeckt mir nicht“

Ist das schon der Wahlkämpfer Mack?
Bläse: Als Ellwanger treibt ihn eine persönliche Betroffenheit um. Er wurde dort geboren, es ist sein Krankenhaus. Dass jemand andere Vorstellungen hat, kann ich gut akzeptieren.

Ein Vertrauensverlust in Sie als Landrat wird u.a. von Winfried Mack und Ellwangens OB Michael Dambacher kritisiert.
Bläse: Wir haben am 25. Juli 2023 das Grobkonzept im Kreistag beschlossen und auch gesagt, so viel Qualität vor Ort zu erhalten wie möglich. Im selben Beschluss wurde jedoch auch artikuliert, dass Entwicklungen von Fallzahlen, von Bedarfen und Patientinnen und Patienten abhängen. Und über allem war klar: Es muss wirtschaftlich und strukturell machbar sein. Im vierten Quartal 2023 war zu spüren, dass das Zielbild, das sich der Kreistag gegeben hat, verdammt schwierig wird und so wohl noch nicht ausreichen würde

Wie hat sich das bemerkbar gemacht?
Bläse: Die Entwicklungen im Personalbereich und auch die geplanten, neuen Leistungsgruppen stellen uns vor Herausforderungen. Und die Notfallversorgung in Notfallstufe eins haben wir finanziell völlig unterschätzt. Entscheidend war aber, dass sich die finanzielle Entwicklung der Kliniken Ostalb insgesamt dramatisch verschlechtert hat. Seit März werden bereits vom Kreistag harte Einschnitte und schnelle Gegenmaßnahmen gefordert. Jeder wusste, dass etwas ansteht, das Zukunftskonzept fiel nicht vom Himmel. Es wundert mich, dass die Überraschung darüber jetzt so groß ist. Ich verstehe und spüre die individuelle Betroffenheit. Jeder hat gehofft, dass die Einschnitte am jeweils individuellen Standort nicht so groß sein werden.

Die Entwicklung des Jahresdefizits bei den Kliniken Ostalb.

Also kein Vertrauensbruch?
Bläse: Nein, weil das Vorgehen so angekündigt gewesen ist. Wir bewegen uns in einem äußerst dynamischen Umfeld, da werden wir auch in Zukunft anpassungsfähig bleiben müssen.

Liegt es an den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern?
Bläse: Nein, sie machen einen Super-Job, gehen jeden Tag motiviert in die Klinik. Sie sind nicht die Ursache für die Entwicklung.

Stimmt es, dass Sie die Kommunikation des 60-Millionen-Defizits für die Kliniken bis zu unserer Berichterstattung bis nach der Kommunalwahl unter dem Deckel halten wollten?
Bläse: Nein. Zum Jahresanfang war klar, dass wir uns zwischen 52 und 55 Millionen Euro bewegen. Recht frühzeitig hat mich Christoph Rieß informiert, dass es auch auf 60 Millionen Euro zugehen könnte. Im Mai war es dann klar. Ob ich 55 Millionen oder 60 Millionen öffentlich einräume, ist aber auch mit Sicherheit nicht wahlentscheidend gewesen. Ich hatte die Zuversicht, dass zumindest eine fünf zu Beginn des Defizits steht, eine sechs war für mich unvorstellbar.

Der Gmünder Oberbürgermeister Richard Arnold sagte vor knapp einem Jahr in Bezug auf das damalige Defizit mehrfach: „Der Kittel brennt.“ Wie ist dann heute die Lage?
Bläse: Wir haben keinen Kittel mehr. Der ist weg.

Defizit der Kliniken Ostalb: Wieso wurde das Thema nicht früher angegangen?

Wieso haben Sie nicht früher die Kliniken zur Chefsache gemacht?
Bläse: Ich bin im September 2020 ins Amt gekommen – das war die Corona-Zeit. Wir haben 2021 bemerkt, dass die Schere immer mehr auseinander geht. Ich habe damals gesagt, dass es nicht mit kleinen Maßnahmen zu lösen ist – und wir haben einen Grundsatzbeschluss gefasst. Doch es ist sehr schwer, diesen Grundsatzbeschluss herunterzubrechen auf konkrete Maßnahmen. Und da habe ich einen großen Respekt vor meinen Kreisrätinnen und Kreisräten, die das ehrenamtlich machen – und die in Ellwangen oder Wetzgau wohnen.

Daher war der Regionalversorger der Durchbruch, zuvor waren wir gedanklich im Häuserdenken verhaftet. Doch diese vielen Einzelmaßnahmen, die lesen sich für manche wie eine Liste der Grausamkeiten. Ich spreche von harten, notwendigen Einschnitten. Und mir war klar, die müssen wir insgesamt beschließen. Sonst haben wir alle zwei Wochen Grundsatzdiskussionen wie zum Beispiel bei der Verlegung der Darm-Operationen nach Mutlangen oder dem Vorschlag der Grünen, die Kinderkliniken zu fusionieren.

Die Restrukturierung muss als Ganzes auf den Tisch, damit alle wissen, worum es als Ganzes geht. Und das ging erst, nachdem das Zukunftsbild fertiggestellt wurde – mit Standort und Medizinkonzept. Letzteres ist übrigens eine großartige Leistung von Christoph Rieß, dem neuen Vorstandsvorsitzenden der Kliniken Ostalb. Er hat sich innerhalb von wenigen Wochen in die Materie eingearbeitet und ein überzeugendes Konzept geliefert.

Kliniken Ostalb: Erst die Standortentscheidung, dann das Medizinkonzept

Wieso ist das nicht schon der alte Vorstandsvorsitzende, Professor Dr. Ulrich Solzbach, angegangen?
Bläse: Klar, jede frühere Entscheidung wäre besser gewesen. Aber es ging nicht früher. Es war immer so, dass eine Entscheidung die nächste bedingt. Und es war klar, dass das Medizinkonzept erst nach der Standortentscheidung kommen konnte. Jetzt können wir hoffentlich eine gewisse zeitliche Dynamik hineinbringen und loslegen.

Im Kreistag wurde im Juli 2023 vermutet, dass möglicherweise der richtige Zeitpunkt für die harten Einschnitte schon verpasst worden ist. Haben Sie selbst Fehler gemacht, würden Sie im Nachhinein etwas anders machen?
Bläse: Ich bin weit davon entfernt, unfehlbar zu sein. Aber wenn ich etwas erkannt habe, dann habe ich unverzüglich gehandelt. Das wird mir jetzt auch zum Vorwurf gemacht. Vielleicht habe ich 2020 noch nicht erkennen können, wie dramatisch die Schere in finanzieller Hinsicht auseinandergeht. Das hat uns überholt: mit Corona, Inflation, Tarifsteigerungen. Wenn mir jemand 2020 gesagt hätte, wir liegen im Jahr 2024 bei einem Defizit von 60 Millionen Euro, dann hätte ich parallel zum Zukunftskonzept sicherlich noch früher Maßnahmen forciert.

Joachim Bläse: Möchte weiter mit gutem Gefühl in den Spiegel schauen können

Jetzt drücken Sie wiederum ganz schön aufs Tempo ...
Bläse: Weil es notwendig ist. Ich möchte auch bei schwierigen Entscheidungen weiterhin mit dem Gefühl in den Spiegel schauen können, als Landrat mit Blick auf das große Ganze die Notwendigkeiten erkannt zu haben. Das Thema liegt bei mir auf dem Tisch, und ich sehe mich in der Verantwortung, den Menschen zu sagen, dass die Finanzen weglaufen und die bisherige Struktur nicht zukunftsfähig ist.

Wird der alte Kreistag über das Zukunftskonzept entscheiden?
Bläse: Das darf er gar nicht, weil es eine wesentliche Veränderung ist. Ich möchte aber, dass er sich in seinen letzten Sitzungen mit der Thematik beschäftigt und mir eine demokratisch legitimierte Reaktion gibt. Der neu gewählte Kreistag wird dann im Anschluss direkt einsteigen und selbstverständlich in der Sondersitzung am 23. Juli auch über Restrukturierungsmaßnahmen entscheiden. Bei der Verlagerung der Geburtenhilfe von Ellwangen nach Aalen zum Beispiel warten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter darauf. Und wir hätten ein Einsparpotenzial in Höhe von rund einer Millionen Euro.

Die Schließung soll schon zum 1. September erfolgen. Ist das Risiko nicht groß, dass der neue Kreistag diesen Schritt nicht befürwortet?
Bläse: Ich bin auch gespannt, unterbreite einen gut begründeten Vorschlag und hoffe, dass er die Entscheidung trifft. Denn ansonsten hätte nicht nur ich als Landrat ein Problem, sondern wir alle im Ostalbkreis. Durch jeden Monat, in dem wir das aktuelle System weiterlaufen lassen, verfestigen wir ein Defizit von 60 Millionen Euro und erreichen das Ziel, mit den Maßnahmen bis zu 20 Millionen Euro einzusparen nicht.

Joachim Bläse macht sich Sorgen um den künftigen Haushalt: „Von 2024 auf 2025 werden wir jedoch ins Minus fahren.“

Derzeit laufen im ärztlichen Bereich Tarifverhandlungen im Marburger Bund. Droht ein weiteres Anwachsen des Defizits?
Bläse: Wenn wir keine Gegenmaßnahmen treffen, dann können im Kalenderjahr 2025 fünf bis sechs Millionen Euro dazukommen.

Sie haben bei der Klausurtagung bereits die Vertreter des neuen Gremiums eingeladen. Wieso?
Bläse: Ich will den neuen Kreistag schnellstmöglich fit bekommen, wollte sie so früh wie möglich inhaltlich abholen und keine Diskussion ohne sie führen. Sie haben übrigens alle eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben müssen, damit sie vorab in das Konzept involviert werden konnten.

Tun Sie das auch mit Blick auf den Haushalt 2025?
Bläse: Klar, ich muss das gewählte Gremium in die Lage versetzen, Entscheidungen zu treffen. Und wir dürfen eigentlich keinen Tag, keine Sekunde warten. Der Haushalt für 2025 wird in der ersten November-Woche eingebracht. Und wir wissen schon jetzt, dass Restrukturierungsmaßnahmen bei den Kliniken auch nicht von heute auf morgen wirken werden. Ich bin mittlerweile sehr regelmäßig mit dem Regierungspräsidium in enger Abstimmung, da wir eine Mindestliquidität als Kreis vorhalten müssen. Das ist uns in der jüngeren Vergangenheit gerade so geglückt, negative Ergebnisse haben wir mit Rücklagen aus Überschüssen verrechnet. Von 2024 auf 2025 werden wir jedoch ins Minus fahren. Bedeutet: Verschuldung oder Erhöhung der Kreisumlage. Aber derzeit glauben das noch nicht alle Leute.

Hoffen aufs Land: Es geht um fast 30 Millionen Euro für OPs und Umstrukturierung

Sie haben Manne Lucha, dem Minister für Soziales, Gesundheit und Integration, geschrieben und gebeten, in der Übergangszeit zum Regionalversorger Geld vom Land zu erhalten.
Bläse: Wir werden 20 Millionen in die OPs in Aalen investieren, es werden auch Kosten für die Umstrukturierung in Höhe von circa neun Millionen Euro dazukommen. Im Übergang würde es uns daher helfen, 100 Prozent Zuschüsse zu erhalten. Die Zusage haben wir bisher in Höhe von zehn Millionen Euro für die OPs. Die zehn bis 15 Millionen Euro, die wir als Landkreis erbringen müssten, die erhoffe ich mir vom Land Baden-Württemberg.

Wenn es so kommt, würde das Klinikdefizit in 2025 vermutlich nicht weiter anwachsen?
Bläse: Genau. Ich hoffe schon, dass wir in 2025 Effekte sehen.

Kritisiert wird, dass die Kliniken Millionen Defizite einfahren, auf der anderen Seite der Landkreis ein neues Soziallandratsamt für mehr als 100 Millionen Euro baut.
Bläse: Das hat mich meine Mutter auch gefragt. Es war der Kreistag, der gesagt hat: Wir können trennen zwischen Verbrauch und Investition, wenn wir dauerhaft Eigentümer sind und Mieten sparen. Man muss es anders sehen: Wenn wir das Klinikdefizit nicht hätten, dann wäre das Landratsamt in zwei Jahren bezahlt. Ohne Kredit. Die Finanztätigkeit des Kreises, das Schaffen eines Vermögenswertes und der Geldverbrauch durch ein Betriebsdefizit gilt es voneinander zu trennen. Aber ich sehe ein, dass dies in der augenblicklichen Situation schwierig ist.

Der Protest in Bildern: Ellwangen geht für die Klinik auf die Straße

Großer Protest in Ellwangen: Tausende Menschen protestieren gegen die Klinikpläne von Landrat Dr. Joachim Bläse.
Großer Protest in Ellwangen: Tausende Menschen protestieren gegen die Klinikpläne von Landrat Dr. Joachim Bläse. © Oliver Giers
Protestaktion auf dem Marktplatz gegen einen Klinikabbau in Ellwangen.
Protestaktion auf dem Marktplatz gegen einen Klinikabbau in Ellwangen. © Oliver Giers
Protestaktion auf dem Marktplatz gegen einen Klinikabbau in Ellwangen.
Protestaktion auf dem Marktplatz gegen einen Klinikabbau in Ellwangen. © Oliver Giers
Protestaktion auf dem Marktplatz gegen einen Klinikabbau in Ellwangen.
Protestaktion auf dem Marktplatz gegen einen Klinikabbau in Ellwangen. © Oliver Giers
Protestaktion auf dem Marktplatz gegen einen Klinikabbau in Ellwangen.
Protestaktion auf dem Marktplatz gegen einen Klinikabbau in Ellwangen. © Oliver Giers
Protestaktion auf dem Marktplatz gegen einen Klinikabbau in Ellwangen.
Protestaktion auf dem Marktplatz gegen einen Klinikabbau in Ellwangen. © Oliver Giers
Protestaktion auf dem Marktplatz gegen einen Klinikabbau in Ellwangen.
Protestaktion auf dem Marktplatz gegen einen Klinikabbau in Ellwangen. © Oliver Giers
Protestaktion auf dem Marktplatz gegen einen Klinikabbau in Ellwangen.
Protestaktion auf dem Marktplatz gegen einen Klinikabbau in Ellwangen. © Oliver Giers
Protestaktion auf dem Marktplatz gegen einen Klinikabbau in Ellwangen.
Protestaktion auf dem Marktplatz gegen einen Klinikabbau in Ellwangen. © Oliver Giers
Protestaktion auf dem Marktplatz gegen einen Klinikabbau in Ellwangen.
Protestaktion auf dem Marktplatz gegen einen Klinikabbau in Ellwangen. © Oliver Giers
Protestaktion auf dem Marktplatz gegen einen Klinikabbau in Ellwangen.
Protestaktion auf dem Marktplatz gegen einen Klinikabbau in Ellwangen. © Oliver Giers
Protestaktion auf dem Marktplatz gegen einen Klinikabbau in Ellwangen.
Protestaktion auf dem Marktplatz gegen einen Klinikabbau in Ellwangen. © Oliver Giers
Protestaktion auf dem Marktplatz gegen einen Klinikabbau in Ellwangen.
Protestaktion auf dem Marktplatz gegen einen Klinikabbau in Ellwangen. © Oliver Giers
Protestaktion auf dem Marktplatz gegen einen Klinikabbau in Ellwangen.
Protestaktion auf dem Marktplatz gegen einen Klinikabbau in Ellwangen. © Oliver Giers
Protestaktion auf dem Marktplatz gegen einen Klinikabbau in Ellwangen.
Protestaktion auf dem Marktplatz gegen einen Klinikabbau in Ellwangen. © Oliver Giers
Protestaktion auf dem Marktplatz gegen einen Klinikabbau in Ellwangen.
Protestaktion auf dem Marktplatz gegen einen Klinikabbau in Ellwangen. © Oliver Giers
Protestaktion auf dem Marktplatz gegen einen Klinikabbau in Ellwangen.
Protestaktion auf dem Marktplatz gegen einen Klinikabbau in Ellwangen. © Oliver Giers
Protestaktion auf dem Marktplatz gegen einen Klinikabbau in Ellwangen.
Protestaktion auf dem Marktplatz gegen einen Klinikabbau in Ellwangen. © Oliver Giers
Scheinbar unzählbar war die Anzahl der Bürger, die zur Protestaktion gegen einen Klinikabbau in Ellwangen auf den Marktplatz kamen.
Scheinbar unzählbar war die Anzahl der Bürger, die zur Protestaktion gegen einen Klinikabbau in Ellwangen auf den Marktplatz kamen. © Oliver Giers
Protestaktion auf dem Marktplatz gegen einen Klinikabbau in Ellwangen.
Protestaktion auf dem Marktplatz gegen einen Klinikabbau in Ellwangen. © Oliver Giers
Protestaktion auf dem Marktplatz gegen einen Klinikabbau in Ellwangen.
Protestaktion auf dem Marktplatz gegen einen Klinikabbau in Ellwangen. © Oliver Giers
Protestaktion auf dem Marktplatz gegen einen Klinikabbau in Ellwangen.
Protestaktion auf dem Marktplatz gegen einen Klinikabbau in Ellwangen. © Oliver Giers
Protestaktion auf dem Marktplatz gegen einen Klinikabbau in Ellwangen.
Protestaktion auf dem Marktplatz gegen einen Klinikabbau in Ellwangen. © Oliver Giers
Scheinbar unzählbar war die Anzahl der Bürger, die zur Protestaktion gegen einen Klinikabbau in Ellwangen auf den Marktplatz kamen.
Scheinbar unzählbar war die Anzahl der Bürger, die zur Protestaktion gegen einen Klinikabbau in Ellwangen auf den Marktplatz kamen. © Oliver Giers
Scheinbar unzählbar war die Anzahl der Bürger, die zur Protestaktion gegen einen Klinikabbau in Ellwangen auf den Marktplatz kamen.
Scheinbar unzählbar war die Anzahl der Bürger, die zur Protestaktion gegen einen Klinikabbau in Ellwangen auf den Marktplatz kamen. © Oliver Giers
Scheinbar unzählbar war die Anzahl der Bürger, die zur Protestaktion gegen einen Klinikabbau in Ellwangen auf den Marktplatz kamen.
Scheinbar unzählbar war die Anzahl der Bürger, die zur Protestaktion gegen einen Klinikabbau in Ellwangen auf den Marktplatz kamen. © Oliver Giers
Protestaktion auf dem Marktplatz gegen einen Klinikabbau in Ellwangen.
Protestaktion auf dem Marktplatz gegen einen Klinikabbau in Ellwangen. © Oliver Giers
Scheinbar unzählbar war die Anzahl der Bürger, die zur Protestaktion gegen einen Klinikabbau in Ellwangen auf den Marktplatz kamen.
Scheinbar unzählbar war die Anzahl der Bürger, die zur Protestaktion gegen einen Klinikabbau in Ellwangen auf den Marktplatz kamen. © Oliver Giers
Scheinbar unzählbar war die Anzahl der Bürger, die zur Protestaktion gegen einen Klinikabbau in Ellwangen auf den Marktplatz kamen.
Scheinbar unzählbar war die Anzahl der Bürger, die zur Protestaktion gegen einen Klinikabbau in Ellwangen auf den Marktplatz kamen. © Oliver Giers
Scheinbar unzählbar war die Anzahl der Bürger, die zur Protestaktion gegen einen Klinikabbau in Ellwangen auf den Marktplatz kamen.
Scheinbar unzählbar war die Anzahl der Bürger, die zur Protestaktion gegen einen Klinikabbau in Ellwangen auf den Marktplatz kamen. © Oliver Giers
Scheinbar unzählbar war die Anzahl der Bürger, die zur Protestaktion gegen einen Klinikabbau in Ellwangen auf den Marktplatz kamen.
Scheinbar unzählbar war die Anzahl der Bürger, die zur Protestaktion gegen einen Klinikabbau in Ellwangen auf den Marktplatz kamen. © Oliver Giers
Scheinbar unzählbar war die Anzahl der Bürger, die zur Protestaktion gegen einen Klinikabbau in Ellwangen auf den Marktplatz kamen.
Scheinbar unzählbar war die Anzahl der Bürger, die zur Protestaktion gegen einen Klinikabbau in Ellwangen auf den Marktplatz kamen. © Oliver Giers
Scheinbar unzählbar war die Anzahl der Bürger, die zur Protestaktion gegen einen Klinikabbau in Ellwangen auf den Marktplatz kamen.
Scheinbar unzählbar war die Anzahl der Bürger, die zur Protestaktion gegen einen Klinikabbau in Ellwangen auf den Marktplatz kamen. © Oliver Giers
Großer Protest in Ellwangen: Tausende Menschen protestieren gegen die Klinikpläne von Landrat Dr. Joachim Bläse.
Großer Protest in Ellwangen: Tausende Menschen protestieren gegen die Klinikpläne von Landrat Dr. Joachim Bläse. © Oliver Giers
Großer Protest in Ellwangen: Tausende Menschen protestieren gegen die Klinikpläne von Landrat Dr. Joachim Bläse.
Großer Protest in Ellwangen: Tausende Menschen protestieren gegen die Klinikpläne von Landrat Dr. Joachim Bläse. © Oliver Giers
Großer Protest in Ellwangen: Tausende Menschen protestieren gegen die Klinikpläne von Landrat Dr. Joachim Bläse.
Großer Protest in Ellwangen: Tausende Menschen protestieren gegen die Klinikpläne von Landrat Dr. Joachim Bläse. © Oliver Giers
Tausende Menschen gehen in Ellwangen gegen die Pläne von Landrat Dr. Joachim Bläse auf die Straße.
Tausende Menschen gehen in Ellwangen gegen die Pläne von Landrat Dr. Joachim Bläse auf die Straße. © Oliver Giers
Winfried Mack spricht beim Protest in Ellwangen.
Winfried Mack spricht beim Protest in Ellwangen. © Oliver Giers
Viele Teilnehmer haben Plakate und Schilder mitgebracht.
Viele Teilnehmer haben Plakate und Schilder mitgebracht. © Oliver Giers

Lesen Sie hier einen Kommentar gegen das vorgestellte Zukunftskonzept: Wer Vertrauen will, muss Zahlen, Daten, Fakten liefern

Wenn die Urologie von Ellwangen nach Mutlangen umgezogen wird, dann ist es eher eine Neugründung als ein Umzug. Ein Risiko?
Bläse: Auch in der Urologie herrscht eine große emotionale Verbundenheit. Ich halte die Urologie für eine Disziplin von zentraler Bedeutung für den Ostalbkreis. Daher muss unser Ziel sein, wenn das Land Baden-Württemberg die Leistungsgruppen verteilt, dass wir auch den Zuschlag für die Urologie bekommen. Es ist unstrittig, dass Urologie zu einer größeren Einheit an medizinischen Disziplinen gehören sollte. 2035 wäre es ohnehin der Fall, jetzt bereiten wir den Umbruch schon vor, haben Chancen, vielleicht auch ganz neue Zertifizierung und Qualitätskriterien zu erreichen.

Haben Sie beim Zukunftskonzept der Kliniken auch die Meinung der Ärzteschaft im Kreis eingeholt?
Bläse: Ja, wir stehen im regelmäßigen Austausch, zuletzt in der vergangenen Woche am Montag unmittelbar nach der Klausurtagung mit den aktuellen und neuen Kreisräten. Es ist aber klar, dass sich nicht jeder angesprochen fühlt.

Joachim Bläse: „Wir könnten es in Lauterbachs Bundes-Klinik-Atlas schaffen“

Glauben Sie, dass die Ärzte abwandern?
Bläse: Dieser Vorwurf ist mir nicht einleuchtend. Es gibt auch in Ellwangen weiterhin eine Klinik, die nächste dann in circa 20 Kilometer Entfernung. Dass der eine oder andere Probleme bei der Nachfolgeregelung hat, das trifft mit Sicherheit zu, hängt aber nicht primär mit den Veränderungen in der Kliniklandschaft zusammen.

Es wird befürchtet, dass viele Patienten abwandern, wenn die Struktur geändert wird.
Bläse: Es ist andersherum. Und wir könnten es in einigen Disziplinen in Karl Lauterbachs Bundes-Klinik-Atlas schaffen, was uns jetzt nicht gelingt, weil jedes Haus einzeln zählt. Wenn wir da drin wären, das würde uns helfen. Weil die Patienten da hineinschauen. Es geht den Patienten doch um medizinische Qualität.

Daher bin ich mir sicher, dass wir zum Beispiel in der Chirurgie mit Aalen eine gute Alternative bieten können. Im Übergang wird es rumpeln, aber durch die Konzentration der Leistungen werden wir mittelfristig eine so hohe Qualität und Attraktivität für Patienten, aber auch für Ärzte erreichen, dass wir uns vor niemandem verstecken müssen. Ein Teil der Wahrheit ist aber auch, dass wir das Marktpotenzial derzeit nicht ausschöpfen.

Statt an der Virngrundklinik: Wieso nicht Leistungen in Mutlangen reduzieren?

Inwiefern wäre es sinnvoll, anstatt an der Virngrundklinik die Leistungen in der Klinik Mutlangen zu reduzieren?
Bläse: Da Ellwangen das kleinste Haus ist und wesentliche Strukturen wie eine große Notaufnahme, eine große Intensivstation, große invasive Funktionsbereiche, aber eben auch OP-Säle nicht vorhält, ist das schon fachlich und räumlich nicht denkbar. In Mutlangen werden derzeit 2,5 Mal so viele Patienten pro Woche stationär im Vergleich zu Ellwangen behandelt. Auch verfügt Mutlangen im Umfeld über eine hohe Einwohnerdichte. Unter den Prämissen von Strukturvorgaben, Personalmangel, Leistungsgruppen etc. kann der Abbau von derzeit nicht ausgelasteten Dreifachstrukturen nur unter Nutzung der Klinikstrukturen in Aalen und Mutlangen erfolgen.

Sie behandeln das Zukunftskonzept am 24. Juni im Klinik-Verwaltungsrat. Was passiert, wenn es dort keine Zustimmung erhält?
Bläse: Der Verwaltungsrat ist als Vorberatung angedacht. Ein Beschluss hätte keine Bindung für den Kreistag, egal in welche Richtung. Deshalb geht es um eine Empfehlung. Der neue Kreistag muss und soll entscheiden.

Zum Abschluss: Haben Sie von Kritikern des Zukunftskonzepts schon Gegenkonzepte bekommen?
Bläse: Nein, bis heute nicht.

Zur Person: Dr. Joachim Bläse

Dr. Joachim Bläse (55) ist in Schwäbisch Gmünd-Lindach aufgewachsen. Der Sohn eines Malermeisters studierte Rechtswissenschaft an der Universität Tübingen. Nach seinem Studium war er als Rechtsanwalt in einer Kanzlei in Schwäbisch Gmünd tätig sowie Ortschaftsrat in Lindach.

Von Mai 2002 bis 2009 war Bläse Bürgermeister und von 2009 bis 2020 der Erster Bürgermeister der Stadt Schwäbisch Gmünd. Seit September 2020 ist er Landrat des Ostalbkreises. Von September 2004 bis Juli 2020 war Joachim Bläse außerdem Mitglied des Kreistags des Ostalbkreises.

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