VonJulian Baumannschließen
Zu Beginn des Jahres haben mehrere Maschinenbauer Teile der Belegschaft in Baden-Württemberg in Kurzarbeit geschickt. Das ist der aktuelle Stand bei Groz-Beckert und Liebherr.
Albstadt/Biberach - Die hohen Preise für Energie, Rohstoffe und Personal sowie eine damit einhergehende Auftragsflaute haben im noch jungen Jahr 2024 viele Unternehmen zu Sparmaßnahmen gezwungen. Groz-Beckert, Weltmarktführer bei der Herstellung und dem Vertrieb von Präzisionswerkzeugen für die Textilindustrie, hatte bereits im Januar Teile der Belegschaft am Hauptsitz in Albstadt (Zollernalbkreis) in die Kurzarbeit geschickt und am Liebherr-Werk im oberschwäbischen Biberach sind rund 1.000 Mitarbeiter ebenfalls seit dem 1. Januar in Kurzarbeit.
BW24 hat bei Groz-Beckert in Albstadt und beim Liebherr-Werk in Biberach an der Riß nach dem aktuellen Stand, der Auftragslage und einer potenziellen Verlängerung der Maßnahme gefragt. Eine Entwarnung können die Pressestellen beider Unternehmen noch nicht geben. Auch der Maschinenbauer Heidelberger Druckmaschinen hatte Teile der Belegschaft am Hauptsitz in Walldorf/Wiesloch in die Kurzarbeit geschickt, diesbezüglich gibt aktuell aber noch keinen neuen Sachstand. „Da wir den Einsatz von Kurzarbeit an mehreren Standorten permanent an die betrieblichen Erfordernisse anpassen, ist der genaue Umfang schwer vorherzusagen“, erklärte ein Specher auf Anfrage.
Kurzarbeit bei Groz-Beckert in Albstadt bis Ende April – Verlängerung noch nicht abzusehen
Groz Beckert hatte Ende 2023 in einer Pressemitteilung erklärt, dass die Umsätze in den beiden Geschäftsbereichen Textile Werkzeuge (Produkte für die Textilindustrie) und Technische Textilien (Produkte für die Bauindustrie) aufgrund verschiedener Faktoren merklich zurückgegangen seien. Um dem entgegenzuwirken, hatte sich das Unternehmen dazu entschlossen, zum Jahresanfang 2024 in Kurzarbeit zu gehen, die Arbeitszeit wurde um 20 Prozent reduziert. „Es ist richtig, dass wir uns seit Januar am Standort Albstadt in Kurzarbeit befinden und planen, diese mindestens bis einschließlich April aufrechtzuerhalten“, bestätigte Pressesprecherin Birte Kleefisch auf BW24-Anfrage.
| Name | Groz-Beckert KG |
|---|---|
| Gründung | 1852 |
| Hauptsitz | Albstadt, Baden-Württemberg |
| Branche | Textilindustrie |
| Produkte | Industrielle Maschinennadeln, Präzisionsteile, Feinwerkzeuge, Systeme und Dienstleigungen für die Herstellung und Fügung textiler Flächen |
| Mitarbeiter | 9.589 (2022) |
| Umsatz | 814 Millionen Euro (2022) |
Ob die Maßnahme auch über den April hinaus fortgesetzt werden müsse, könne derzeit noch nicht gesagt werden. „Die Situation wird selbstverständlich weiterhin fortlaufend bewertet und analysiert“, führte die Sprecherin aus. „Die Auftragslage hat sich zwar im Vergleich zum Vorjahr etwas verbessert, sie müsste allerdings deutlich stärker anziehen, um die Kurzarbeit beenden zu können.“ Seit Jahresbeginn befinden sich rund 750 der insgesamt 2.200 Mitarbeiter von Groz-Beckert in Albstadt in Kurzarbeit. Diese Zahl werde bis April sukzessive steigen, da die Mitarbeiter der Produktion zunächst nicht in Kurzarbeit waren.
Liebherr hat in Biberach Kurzarbeit bis Ende September 2024 beantragt
Bei dem im baden-württembergischen Kirchdorf an der Iller (Kreis Biberach) gegründeten und inzwischen in der Schweiz ansässigen Maschinen- und Nutzfahrzeugbauer Liebherr befinden sich bereits seit Oktober 1.350 Mitarbeiter am Hausgeräte-Standort in Ochsenhausen (ebenfalls Kreis Biberach) in Kurzarbeit. Im Januar wurde bekannt, dass der Baumaschinenhersteller auch Teile der Belegschaft des Liebherr-Werks Biberach in die Kurzarbeit schicken will. „In der Liebherr-Werk Biberach GmbH betrifft die Kurzarbeit, welche am 1. Januar startete und bis 30. September 2024 beantragt wurde, circa 1.000 Mitarbeitende“, erklärte das Unternehmen auf Anfrage unserer Redaktion.
| Name | Liebherr-Werk Biberach GmbH |
| Standort | Biberach an der Riß, Baden-Württemberg |
| Gesellschaft | Liebherr-International S.A. |
| Produkte | Turmdreh- und Mobilbaukräne |
| Mitarbeiter | 1.630 |
Das Liebherr-Werk in Biberach an der Riß entwickelt und produziert Turmdreh- und Mobilbaukräne und ist dadurch von der abkühlenden Konjunktur in bestimmten Bereichen des Bausektors betroffen. Aufgrund des verminderten Auftragseingangs hat Liebherr eine Anpassung der Kapazitäten durch temporäre Kurzarbeit beschlossen. „Der Umfang der Kurzarbeit variiert in den Werken über die jeweilige Kurzarbeitsperiode hinweg je nach Auslastungsgrad der verschiedenen Produkt- und Fachbereiche.“ Die gesamte Liebherr-Unternehmensgruppe, die elf Geschäftsfelder umfasst, hat im Jahr 2023 dennoch einen Umsatzrekord erzielt.
Einen Umsatzrekord erzielte im vergangenen Geschäftsjahr auch das Familienunternehmen LAPP aus Stuttgart. Da im laufenden Jahr ein weiteres Abschwächen des Auftragseingangs erwartet wird, befinden sich dennoch 500 Mitarbeiter am Stammsitz in Kurzarbeit.
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