Kliniken Ostalb

Kliniken-Chef Christoph Rieß: Die Defizite sinken nur langsam

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Bis der Regionalversorger in Essingen steht, muss der Landkreis flächendeckend eine gute medizinische Versorgung gewährleisten. Das macht verschiedene Investitionen nötig, auch in den OP am Ostalb-Klinikum in Aalen.
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Wie soll die Konsolidierung der Ostalb-Kliniken verlaufen, wo wird trotzdem investiert und wie sieht der Zeitplan aus? Christoph Rieß klärt den Kreistag auf.

Aalen. Die Kliniken bleiben die größte Herausforderung für die Kreispolitik. Laut Kreiskämmerer Karl Kurz verursachen diese 2024 rund 63 Millionen Euro Verlust. Der Vorstandsvorsitzende der Kliniken, Christoph Rieß, hat im Kreistag die Wirtschaftspläne der Kliniken für das Jahr 2025 eingebracht.

Kliniken-Verluste:Am Jahresende 2025 sollen es „nur“ noch knapp 60 Millionen Euro Verlust sein bei den Kliniken. Rieß rechnet 2025 mit einem Aufwand von rund 370 Millionen Euro und Erträgen von rund 310 Millionen Euro.

So verteilt sich der Verlust: Rieß rechnet 2025 für das Ostalb-Klinikum mit einem Defizit von 23,1 Millionen, für das Stauferklinikum mit rund 19,75 Millionen und für die Virngrund-Klinik von 17,32 Millionen Euro.

Erwartete Gewinne: Gewinne sollen das Wachkoma Bopfingen einspielen (30.000 Euro), das Medizinische Dienstleistungszentrum am Ostalb Klinikum (MDZ) (90.000 Euro) und das MediCenter (85.000 Euro).

Warum geht die Einsparung nicht schneller? 2025 könne die Dreifachvorhaltung vieler medizinischer Dienstleistungen an allen Standorten noch nicht reduziert werden, sagte Rieß. Er rechnet zudem mit zahlreichen Unwägbarkeiten 2025. Tariferhöhungen im Rahmen von vier Prozent seinen möglich, wie auch eine massive Erhöhung der Sozialversicherungsbeiträge. Landeshilfen erwartet er im Volumen von rund 2,7 Millionen Euro, jedoch sei unklar wozu diese verwendet werden dürfen. Die Personalzahl soll 2025 auf dem Niveau von 2024 bleiben.

Investitionen und Ausgaben: Investiert werden sollen 2025 insgesamt rund 14,65 Millionen Euro. Darunter in die IT-Strategie 300.000 Euro, in die OP-Betriebsbereitschaft 400.000 Euro, für das Thema Wärme in Aalen 100.000 und in Mutlangen 1,15 Millionen Euro, in die Erweiterung der Psychosomatik 267.000 Euro und in das Radiologiekonzept 100.000 Euro. Es müssten weiter diverse Schlussabrechnungen im Volumen von 1,74 Millionen Euro beglichen werden, so Rieß. Für Mietflächen ist eine Million Euro veranschlagt, für die Kinder- und Jugendpsychiatrie in Ellwangen 100.000 Euro, für den Umzug der Urologie 500.000 Euro, für den OP in Aalen 5,5 Millionen und für den Neubau des Regionalversorgers in Essingen 3,5 Millionen Euro.

Defizitentwicklung: Rieß meint, das Klinkendefizit könne 2026 bei 58,5 Millionen Euro liegen, 2027 bei 46 und 2028 bei 43,1 Millionen Euro. 2025 und 2026 brächten Digitalisierung, operative Verbesserungen bei Einkauf, Service und Personaleinsatz erste Einsparungen. Auch der Effekt aus dem Restrukturierungskonzept mit Geburtshilfe und Chirurgie verbessere dann das Ergebnis. Zudem würde man von gesunkenen Energiepreisen profitieren.

Bis der Regionalversorger in Essingen steht, muss der Landkreis flächendeckend eine gute medizinische Versorgung gewährleisten. Das macht verschiedene Investitionen nötig, auch in den OP am Ostalb-Klinikum in Aalen.

Zeitschiene der geplanten Veränderungen in der Klinikstruktur

Die Verlagerung der Viszeralchirurgie von Ellwangen nach Aalen/Mutlangen ist für Anfang 2025 geplant. 

Die stationäre Unfallchirurgie soll Ende 2025 von Ellwangen weg hin nach Aalen/Mutlangen gehen.

Ebenfalls Ende 2025 sollen die Urologie und die Belegärzte in Ellwangen nach Aalen/Mutlangen verlegt werden. 

In Mutlangen soll Mitte des Jahres 2025 der Ausbau des Onkologischen Zentrums beginnen.

Mitte 2026 soll die „konsequente Spezialisierung bei der Mehrfachvorhaltung in den Bereichen Gynäkologie, Chirurgie, Orthopädie usw.“ starten. 

Für Ende 2026 ist die Einstellung des OP-Betriebs in Ellwangen vorgesehen. 

Im ersten Quartal 2027 soll die Schlaganfallversorgung und die Herzkatheter-Thematik von Mutlangen nach Aalen ziehen. 

Im dritten Quartal 2027 sollen die Kinderkliniken fusionieren. Neubau in Essingen: Der läuft bereits, sagte Rieß. Hier würden aktuell verschiedene Planungs- und Projektkoordinationsleistungen ausgeschrieben. 

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