Sind die fetten Jahre vorbei?

Absatzrückgang bei Traditionsunternehmen aus Baden-Württemberg wirkt sich auf Mitarbeiterzahl und Prämie aus

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Der Gerätehersteller Stihl hat im vergangenen Jahr einen Umsatzrückgang verbuchen müssen. Das wirkt sich auf die Erfolgsprämie für die Mitarbeiter aus.

Waiblingen - Der Motorsägen-Weltmarktführer Stihl hat am 23. April im Rahmen der Jahrespressekonferenz die Zahlen für das zurückliegende Geschäftsjahr verkündet. Im Vergleich zum Vorjahr musste das Traditionsunternehmen aus Waiblingen einen Umsatzrückgang um 4,1 Prozent verkraften, wie CEO Michael Traub am Dienstag in Stuttgart erklärte. „Nach besonders wachstumsstarken Jahren während der Coronavirus-Pandemie befindet sich die gesamte Branche nun in einer Phase der Konsolidierung“, führte er als Grund an. Der Umsatzrückgang wirkte sich beim schwäbischen Familienunternehmen im vergangenen Jahr auf die weltweite Mitarbeiterzahl und auf die Erfolgsprämie für die Angestellten aus.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

Dass Stihl im vergangenen Jahr zu kämpfen hatte, war abzusehen. Im November hatte der Gerätebauer Mitarbeiter an zwei Standorten in die Kurzarbeit geschickt. Trotz des Umsatzrückgangs konnte die Akku-Strategie aber erfolgreich weitergeführt werden, sodass 2023 bereits jedes vierte Stihl-Gerät akkubetrieben war. „Stihl befindet sich auf gutem Weg, eine Spitzenposition im Akku-Segment einzunehmen“, sagte Traub. Deshalb zeigt sich das Unternehmen trotz der Rückschläge für das laufende Geschäftsjahr positiv.

Stihl beschäftigte 2023 weniger Mitarbeiter, Belegschaft am Stammsitz wuchs jedoch an

Die einzelnen Regionen, in denen Stihl tätig ist, haben sich im vergangenen Jahr unterschiedlich entwickelt. Einer der Hauptgründe für den Rückgang des Umsatzes ist jedoch ein Problem, mit dem aktuell so ziemlich jede Branche zu kämpfen hat. „Nach drei extrem wachstumsstarken Jahren waren wir 2023 mit einer rückläufigen Nachfrage konfrontiert“, erklärte der Stihl-Chef. In der Pandemie war das Reisen nahezu unmöglich, sodass sich viele Menschen auf die Pflege von Heim und Garten fokussiert hatten, wovon Stihl profitierte. Diese Phase ist inzwischen jedoch vorbei und die anhaltende Inflation sowie negative Kurseffekte drückten noch zusätzlich auf den Umsatz.

Name Stihl Holding AG & Co. KG (STIHL)
Gründung 1926
Sitz Waiblingen-Neustadt, Baden-Württemberg
Branche Maschinenbau
Produkte Motorgeräte für verschiedene Branchen, Hochdruckreiniger
Mitarbeiter 19.085 (Ende 2023)
Umsatz 5,3 Milliarden Euro (2023)

Der Umsatz des schwäbischen Weltmarktführers sank demnach auf 5,3 Milliarden Euro (5,5 Milliarden im Geschäftsjahr 2022), was laut Stihl-Chef Michael Traub aber noch immer über dem Niveau der Vor-Pandemie-Jahre liegt. Ausgewirkt haben sich die vielfältigen Herausforderungen aber auch auf die weltweite Mitarbeiterzahl, die von 20.552 auf 19.085 im Jahr 2023 sank. Für das Stammhaus der Gruppe gibt es dagegen gute Nachrichten, da die Belegschaft in Waiblingen, Ludwigsburg, Fellbach, Weinsheim und Wiechs am Randen (alle Baden-Württemberg) leicht anstieg, obwohl das Stammhaus ebenfalls einen Umsatzrückgang verbuchen musste.

Stihl-Chef räumt mit Befürchtungen auf – „planen keine Verlagerung in die Schweiz“

Wie beispielsweise bei den Autobauern Mercedes-Benz und Porsche, der den Mitarbeitern für 2023 eine noch höhere Prämie auszahlte, können sich auch die Mitarbeiter von Stihl in Deutschland über eine Erfolgsbeteiligung freuen. Da sich diese aber am Umsatz orientiert, fällt sie ebenfalls geringer aus, als im Vorjahr. Der Stuttgarter Zeitung zufolge liegt die Beteiligung für 2023 bei 50 Prozent des Bruttomonatsgehalts, ein Jahr zuvor zahlte Stihl noch 75 Prozent. Basierend auf den Gehältern beim schwäbischen Traditionsunternehmen würde das bedeuten, dass ein Logistiker etwa 1.762 Euro und ein Schichtführer etwa 2.137 Euro Prämie für 2023 erhalten würde.

Die Mitarbeiter von Stihl können sich in diesem Jahr wieder über eine Erfolgsbeteiligung freuen. Sie fällt im Vergleich zum Vorjahr aber niedriger aus.

Trotz der anhaltenden Herausforderungen bleibt Stihl nach eigenen Angaben optimistisch und erwartet für 2024 ein leichtes Wachstum. Bei der Jahrespressekonferenz räumte Traub mit der viel beachteten Befürchtung auf, das Unternehmen könnte komplett in die Schweiz umsiedeln. „Wir planen keine Verlagerung in die Schweiz“, so Traub. Ausgelöst wurden die Spekulationen dadurch, dass Stihl die Neubaupläne für Ludwigsburg auf Eis gelegt und stattdessen eine Ansiedlung in der Schweiz geprüft hatte. Von einem kompletten Umzug ins Nachbarland war dagegen nie die Rede.

Rubriklistenbild: © Bernd Weißbrod/dpa

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