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Technologiekonzern Mahle hat zwei Großaufträge an Land gezogen, von denen einer der größte Einzelauftrag in der Firmengeschichte ist.
Stuttgart - Aufgrund von hohen Kosten und einer zurückgehenden Auftragslage haben derzeit viele Unternehmen der Wirtschaft in Baden-Württemberg zu kämpfen. Während Maschinenbauer wie Groz-Beckert oder Liebherr mit Kurzarbeit reagieren, haben die beiden größten Autozulieferer Bosch und ZF Friedrichshafen drastische Sparmaßnahmen angekündigt. Auch für den ehemaligen Kolbenspezialisten Mahle aus Stuttgart, der sich nach wie vor mitten in der Transformation befindet, ist die Lage alles andere als einfach. Wie der Technologiekonzern jüngst in einer Mitteilung verkündet, konnte er aber zwei äußerst lukrative Aufträge im Bereich Thermomanagement an Land ziehen.
Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg




Der Stuttgarter Konzern Mahle ist einer der größten Autozulieferer der Welt und konzentriert sich derzeit verstärkt auf Komponenten für die E-Mobilität und auf das Thermomanagement. „Die E-Mobilität ist gesetzt, deshalb sind Elektrifizierung und Thermomanagement die Strategiefelder unseres Konzerns“, hatte eine Konzernsprecherin im vergangenen Jahr gegenüber BW24 erklärt. Im Bereich Thermomanagement konnte Mahle nun zwei Großaufträge an Land ziehen, von denen einer der größte Einzelauftrag in der über einhundertjährigen Konzerngeschichte darstellt. Auch das Industrieunternehmen Hartmann hatte vor einigen Wochen den größten Auftrag seiner Geschichte erhalten.
Autozulieferer Mahle zieht Aufträge mit einem Gesamtvolumen von 1,5 Milliarden Euro an Land
Wie das Stuttgarter Traditionsunternehmen in der Mitteilung zu den Aufträgen erklärt, haben beide zusammengenommen ein Volumen von 1,5 Milliarden Euro. Einer der Aufträge, besagter größter Einzelauftrag in der Firmengeschichte, kommt von einem nicht näher benannten etablierten, global aufgestellten Fahrzeughersteller. Der zweite Auftrag kommt dagegen von einem aufstrebenden Autobauer aus dem asiatischen Raum. „Ausschlaggebend für beide Nominierungen war unser tiefes Systemverständnis, gepaart mit jahrelanger Serienerfahrung“, sagte Jumana Al-Sibai, die als Mitglieder der Konzernführung für den Geschäftsbereich Thermomanagement verantwortlich ist. „Damit hebt sich Mahle erfolgreich vom Wettbewerb ab.“
| Name | Mahle GmbH |
|---|---|
| Gründung | 1. Dezember 1920 |
| Hauptsitz | Stuttgart, Baden-Württemberg |
| Branche | Automobilzulieferer |
| Produkte | Motorenkomponenten, Filtersysteme, Klimatisierung, Elektrifizierungstechnik, Thermomanagement, Kolbentechnik, Ventilsteuerung, Motorsteuerung, Antriebsstrangtechnik, Prüfsysteme |
| Leitung | Arnd Franz (CEO) |
| Mitarbeiter | 71.947 (2022) |
| Umsatz | 12,4 Milliarden Euro (2022) |
Der Bereich Thermomanagement beschäftigt sich konkret mit der Regulierung von Temperaturen eines Fahrzeugs. Mahle hat die bisher einzeln verbauten Komponenten, wie den elektrischen Kompressor, den Wärmeüberträger oder die Kältemittelventile, zu einer Einheit zusammengefasst. Diese Thermomanagement-Module von Mahle sollen die Reichweite und die Ladegeschwindigkeit von E-Autos deutlich erhöhen und sind der Bestandteil der erhaltenen Aufträge. Der Mitteilung zufolge wurden die Module von einem internationalen Team im Techcenter des Konzerns am Hauptsitz in Stuttgart sowie in regionalen Entwicklungseinheiten entwickelt.
Mahle mit Zukunftstechnologien auf Kurs, doch Großteil der Arbeitsplätze hängt am Verbrenner
Die Aufträge in Milliardenhöhe beweisen, dass Mahle mit dem Fokus auf das Thermomanagement, einem der zentralen Strategiefelder des Konzerns, den Zahn der Zeit trifft. Laut der Mitteilung wächst der Markt durch die Elektrifizierung massiv an, da E-Autos ein dreimal höheres Umsatzpotenzial beim Thermomanagement aufweisen, als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Ausgehend von einem weltweiten Marktvolumen von rund 35 Milliarden Euro im Jahr 2021, rechnet der Konzern mit einem Marktvolumen von mehr als 50 Milliarden Euro im Jahr 2030.
Mit dem Fokus auf Elektrifizierung und Thermomanagement ist Mahle demnach gut für die Zukunft aufgestellt. Zum aktuellen Stand hängen zwei Drittel der Arbeitsplätze beim schwäbischen Technologiekonzern aber noch immer am Verbrenner, weswegen CEO Arnd Franz seit langem eine Umkehr in Bezug auf das EU-Verbrenner-Aus fordert. Mahle hatte bereits angekündigt, auch auf E-Fuels zu setzen, da es „den Verbrenner noch lange“ geben werde.
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