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Das Industrieunternehmen Handtmann hat einen Auftrag über 630 Millionen Euro für Hochvolt-Batteriegehäuse erhalten. In diesem Zug will das Unternehmen einen zweistelligen Millionenbetrag in den Hauptsitz investieren.
Biberach an der Riß - Die Wirtschaft in Baden-Württemberg hat derzeit mit mehreren Herausforderungen zu kämpfen, die selbst die größten Konzerne zu drastischen Sparmaßnahmen zwingen. Technologiekonzern ZF Friedrichshafen will in den kommenden zwei Jahren sechs Milliarden Euro sparen und Bosch hat den Abbau von Arbeitsplätzen in mehreren Sparten verkündet. Doch es gibt auch gute Nachrichten aus dem Bundesland. Der Maschinenbauer und Autozulieferer Handtmann mit Sitz in Biberach an der Riß hat nämlich den größten Auftrag der Firmengeschichte an Land gezogen.
Konkret handelt es sich um einen Auftrag über 630 Millionen Euro für Hochvolt-Batteriegehäuse. Wie das Unternehmen in einer Pressemitteilung erklärt, ist der Auftraggeber ein namhafter deutscher Original Equipment Manufacturer (OEM) – also ein Erstausrüster, was in der Autoindustrie als Synonym für einen Autohersteller verwendet wird. Durch den Großauftrag will das Unternehmen nach eigenen Angaben in den Produktionsstandort Biberach investieren.
Handtmann-Geschäftsbereich soll Hochvolt-Batteriegehäuse für E-Autos liefern
Die heutige Handtmann-Gruppe geht auf eine im Jahr 1873 gegründete Messinggießerei zurück und ist heute in mehreren artverwandten Branchen wie der Automobilzuliefererindustrie, dem Maschinenbau und der Armaturenfertigung tätig. Dass das traditionsreiche Unternehmen gerade in Zeiten von zurückgehenden Aufträgen – weswegen andere Maschinenbauer wie Heidelberger Druckmaschinen für Teile der Belegschaft Kurzarbeit anmeldeten – einen so lukrativen Auftrag an Land ziehen konnte, ist keine Selbstverständlichkeit. „Wir freuen uns sehr, dass wir uns gegen internationale Wettbewerber durchsetzen konnten und diesen Auftrag erhalten haben“, sagt Dirk Seckler, Geschäftsführer Vertrieb und Technische Entwicklung.
| Name | Handtmann-Unternehmensgruppe |
|---|---|
| Gründung | 1873 |
| Sitz | Biberach an der Riß, Baden-Württemberg |
| Branchen | Automobilzulieferer, Maschinenbau, Armaturenfertigung, Kunststoff |
| Mitarbeiter | 4.130 |
| Umsatz | 965 Millionen Euro |
Der Geschäftsbereich Leichtmetallguss der Handtmann-Gruppe liefert im Rahmen des Neuauftrags Hochvolt-Batteriegehäuse, die als Einstiegsplattform für alle zukünftigen Elektrofahrzeuge dienen sollen. „Der Auftrag ist für Handtmann ein weiterer Meilenstein in der Großserienherstellung von Bauteilen der Elektromobilität“, schreibt das Unternehmen. Die Besonderheit an den Batteriegehäusen ist, dass es sich um ein einteiliges Produktdesign handelt, während bisherige Bauteile laut Handtmann aus ungefähr 130 Einzelteilen bestanden. Dadurch sollen Kosteneinsparungen von rund 30 Prozent erzielt werden.
Unternehmensgruppe will Millionenbetrag in Hauptsitz Biberach investieren
Im Rahmen des Großauftrages will die Handtmann-Gruppe einen mittleren, zweistelligen Millionenbetrag in den Produktionsstandort und Hauptsitz in Biberach an der Riß investieren. „Die wachsende Bedeutung der E-Mobilität spielt auch bei der Firma Handtmann eine zentrale Rolle“, sagt der für die Produktion zuständige Werkleiter Jens Hansmeier. „Wir sehen uns als starken Partner für die Zukunft der Automobilindustrie.“ Zudem betont das Unternehmen in der Mitteilung, dass der Aufbau des Standorts Biberach als Technologie- und Innovationscenter ein starkes Bekenntnis zu dem Standort sei.
Der in Baden-Württemberg gegründete und inzwischen in der Schweiz ansässige Maschinenbauer Liebherr hat am Standort Biberach dagegen mit einer schwachen Nachfrage und steigenden Kosten zu kämpfen. Deshalb schickte Liebherr über 1.000 Mitarbeiter am Standort zum Jahresbeginn in Kurzarbeit.
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